Jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist zu dick. Das Statistische Bundesamt sagt, dass 53,4 Prozent der Erwachsenen letztes Jahr einen Body-Mass-Index von mehr als 25 hatten. Und demnach gilt man laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als übergewichtig. 17,9 Prozent gelten sogar als fett (adipös). Die Gefahr, an Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken, steigt. Die Pharma-Industrie verzeichnet ein rasantes Marktwachstum bei Antidiabetika und stabile Margen bei Blutdrucksenkern.
Die Hauptursache des dicken Deutschlands ist schnell ausgemacht: Zucker ist der Feind. Frauen liegen bei 61 Gramm pro Tag, Männer bei 78. Von der WHO empfohlen sind 50 Gramm, besser 25. Ein klares Signal an die Politik, und die Politik nimmt heldenhaft den Kampf auf. Tatsächlich sogar ungewohnt zügig. So schnell konnte man gar nicht schauen, wie sich auf einmal Gesundheits- und Finanzpolitiker einig sind, den Zuckerkonsum im Land zu drosseln.
„Müsste doch jemand auffallen, dass das Schwachsinn ist“
Kein Wunder, Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gilt als sportlich. Zumindest im Wahlkampf radelt er gern durch die Lande. Auch Fußball, Kickboxen und Paddeltennis gehören angeblich zu seinen Freizeitbeschäftigungen. Wenn Klingbeil also irgendwie der bewegungsfaulen und zuckersüchtigen deutschen Bevölkerung helfen kann, dann spielt er gerne den Fitness-Coach und Diät-Berater der Nation. Ist doch klar.
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Und was gibt es Schöneres, als Gutes zu tun und dabei auch noch Geld zu kassieren? Also gab Klingbeil seinen Finanzbeamten den Auftrag, fix eine Zuckersteuer zu basteln. Herausgekommen ist ein Eckpunktepapier für eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke wie Limonade, Nektar, Smoothies oder Hafermilch. Und vorsorglich auch bei Getränken, die nur Süßungsmittel enthalten, also etwa Cola Zero. Sicher ist sicher: Auch was nur süß schmeckt, könnte gefährlich sein.
Das bringt sogar die ehemalige Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang auf die Palme. Auf der Social-Media-Plattform „X“ schreibt sie: „Wenn Cola light besteuert wird, werd ich zum Wutbürger.“ Und: „Aber im Ernst, Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke, das müsste doch jemand auffallen, dass das Schwachsinn ist?“
Klingbeils Argumente für Zuckersteuer sind perfekt
Natürlich ist das kein Schwachsinn: Denn Klingbeil erwartet mit seiner Zuckersteuer über eine halbe Milliarde Euro für den Fiskus. Die finanzielle Not ist groß und das Argument für eine neue Steuer perfekt: Zucker ist ungesund, Deutschland ist zu fett, der Staat hilft. Schließlich fließt das Geld einem guten Zweck zu: Haushaltslöcher müssen gestopft, Raketen gekauft und Mütter-Renten gezahlt werden. Oder sollen wir etwa noch mehr Schulden aufnehmen? Dass in einer Cola Light gar kein Zucker drin ist, sollte da auch angesichts der finanziellen Gesundheit des Landes hintenanstehen, völlig nebensächlich.
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Man könnte natürlich auch versuchen, den Zuckerkonsum anders in den Griff zu bekommen, aber das brächte kein Geld: gesetzliche Obergrenzen für Zucker, Warnhinweise, Werbebeschränkungen bei Süßigkeiten, Mehrwertsteuerbefreiung für zuckerlose Nahrungsmittel, finanzielle Anreize für mehr Sport oder sichere Radwege und hübsche Fußgängerzonen für mehr Bewegung.
Tatsächlich bringt eine Zuckersteuer nur dem Finanzminister etwas: Das Wissenschaftliche Institut des Verbands der Privaten Krankenversicherung (WIP) hat Länder wie Großbritannien und die USA untersucht, die bereits eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt haben. Das Ergebnis zeigte „keine größeren gesundheitlichen Effekte“. Das Problem sei häufig, dass der Gesamtzuckerkonsum oft unverändert geblieben sei. Laut Studie führte eine Erhöhung der Steuern in den USA um einen Prozentpunkt lediglich zu einer Verringerung des Body-Mass-Index um 0,003 Punkte.
Eine Schande ist das. Die Leute wollen sich einfach nicht helfen lassen.
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