Sieben weniger

Sven Gerlach
1 Min

"Da waren's sieben weniger " kann Innenminister Kanther nun frohlocken. Sieben Sudanesen, die in der Bundesrepublik um Asyl nachsuchten, sind in der Nacht zu gestern nach monatelangem Hin und Her zwangsweise wieder nach Hause expediert worden. Immerhin bedurfte es einer - bislang unbegründeten - Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, um diese Entlastung des deutschen Staatshaushalts zu ermöglichen.Noch im August hatte Karlsruhe geurteilt, bei einer Abschiebung der Sudanesen wäre "ein schwerer und nicht wiedergutzumachender Schaden entstanden". Wie wahr. Denn daß der Sudan zu den übelsten Folterregimes des afrikanischen Kontinents zählt, gehört nicht gerade zu den Geheimnissen der hohen Politik. Jene sieben "Schüblinge" (original Beamtendeutsch) könnte mit dem Richterspruch aus Karlruhe auch ihr Todesurteil ereilt haben.Schwerstens belastet sind damit allerdings nicht nur das Ansehen Deutschlands allgemein, sondern auch das des höchsten Richtergremiums im Lande ganz besonders. Karlsruhe machte offensichtlich nach seinem heftig kritisierten Kruzifixurteil einen Kniefall vor den Bonner Asyl-Strategen. Und dort reicht neuerdings die Zusage von Obristenregimen aus, daß Abgeschobene "lediglich mit den üblichen Verhören" (Wortlaut Bonner Außenministerium) zu rechnen hätten, um aus Verfolgerstaaten "sichere Herkunftsländer" zu machen. Asyl? Gesetz? Wen schert's? Der Stammtisch zählt.SEITE 6 +++

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