Sinti und Roma fordern Bau einer Gedenkstätte

Bundesrat soll Mahnmal-Streit schlichten

Marlies Emmerich
2 Min

Der Bundesrat wird sich heute mit dem seit Jahren geplanten Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma beschäftigen. Der Zen-tralrat Deutscher Sinti und Roma hatte sich zuvor an dieses Gremium und an die Ministerpräsidenten der Länder gewandt, damit der Mahnmalbau in der Nähe des Reichstagsgebäudes bald beginnen kann. Die Gedenkstätte soll an den Völkermord an 500 000 Sinti und Roma während der NS-Zeit erinnern.Zentralratspräsident Romani Rose kritisierte gestern in der Gedenkstätte Sachsenhausen, dass es keinen seriösen Grund für einen weiteren Aufschub gebe. Überlebende müssten noch an der Eröffnung teilnehmen können. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte bereits im Sommer von einer Einigung gesprochen und eine positive Entscheidung innerhalb weniger Wochen angekündigt. Auf Nachfrage hieß es gestern jedoch aus seinem Büro, dass es nach wie vor Auseinandersetzungen um den Text am Rande des Mahnmals gebe. Das Mahnmal - entworfen vom israelischen Künstler Dani Karavan - besteht aus einem See und einer zwölf Meter hohen Granitplatte. Der Bund stellt dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung.Die Fertigstellung verzögert sich seit 2001. Politiker und der Zentralrat stritten intensiv über die Inschrift. Dabei ging es besonders um den Begriff "Zigeuner". Während die Sinti-Allianz diesen Begriff fordert, lehnt Rose das Wort ab. Auch ein vorgesehener Satz mit den umstrittenen Wörtern "Sinti und Roma" von Altbundespräsident Roman Herzog sorgte für Ärger: "Der Völkermord an den Sinti und Roma ist aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns, mit dem gleichen Vorsatz und dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung durchgeführt worden wie an den Juden." Aktuell soll es beim neu aufgeflammten Streit um die Chronologie der Ereignisse gehen und eben um die genauen Texte.Rose erinnerte an den Nazi-Erlass vom 16. Dezember 1942, alle Sinti und Roma nach Auschwitz zu deportieren. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kritisierte, dass Sinti und Roma erst seit 1995 als nationale Minderheit anerkannt sind.

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