Release-Show

Ski Aggu dreht die Columbiahalle auf links: Bratpfannen, Ski-Brillen, Hertha-Trikots

Platz eins der Charts, Bratpfannen auf der Bühne und ein Saal voller Fans: Ski Aggu feiert in der Columbiahalle die Release-Show von „Ski Aggu Musik“.

5 Min
„Endlich wieder vor meiner eigenen Crowd, in meiner Stadt“: Ski Aggu bei der Release-Show in Berlin-Tempelhof.

„Endlich wieder vor meiner eigenen Crowd, in meiner Stadt“: Ski Aggu bei der Release-Show in Berlin-Tempelhof.

© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

Manchmal, erklärt Ski Aggu, während er auf der Bühne der Columbiahalle steht, manchmal müsse man sich fühlen „wie der Geilste im Klub“. Wenn er also seine Fans gleich rappend fragt: „Wer ist der Geilste im Klub?“, grölen sie natürlich die Antwort: „Ich bin der Geilste im Klub.“

Ski Aggu präsentiert „Ski Aggu Musik“

Am Montagabend lädt der Wilmersdorfer Rapper in Berlin-Tempelhof zur Release-Show seines neuen Albums „Ski Aggu Musik“ ein, das erst zehn Tage zuvor erschienen ist. Es ist ein Abend, der durchaus mit einem Clubbesuch vergleichbar ist: ein dunkel gehaltener Saal, in dem viele junge Gesichter zu sehen sind, deren Träger in weiten Hosen umherspringen.

Einige junge Männer haben sich Ski-Brillen aufgesetzt, so wie ihr Idol auf der Bühne. Der Geruch von süßlichen Parfüms (denen man synästhetisch wohl die Farbe Blau zuordnen würde) und von Energydrinks liegt in der Luft. Und eben Party. Dafür ist gesorgt.

Zunächst noch abwartend, fast still wirkt das Publikum während der Voracts Hänsel und MC Windhund. Dieser Zustand endet mit dem Auftritt des Protagonisten des Abends. „Hello, ich bin Mr. Aggu“, stellt sich der Rapper höflich vor und eröffnet mit diesen Worten die Show und seinen Song „Spring“, den die Fans vom neuen Album schon liebgewonnen zu haben scheinen. Der im Lied unausgesprochenen Aufforderung des Songtitels folgen sie sofort.

Ski Aggu in Bewegung: Der Rapper feiert in der Columbiahalle Platz eins der Charts und lässt dem Publikum keine Verschnaufpause.

Ski Aggu in Bewegung: Der Rapper feiert in der Columbiahalle Platz eins der Charts und lässt dem Publikum keine Verschnaufpause.

© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

Ski Aggu live: Rap trifft Elektronik und Bratpfannen

Die gleiche Wirkung erzielen auch die nächsten Lieder. Ski Aggu verbindet Rap mit Elektronikmusik. Der Bass lässt die Haare auf der Kopfhaut vibrieren, der Rhythmus bewegt den Körper, und die Lippen beginnen schnell, auch die Worte zu formen, die den unkompliziert gehaltenen Texten entsprungen sind. Und während Aggu, um den Song „Rappenhustlenseshennochmal“ musikalisch zu begleiten, zwei Bratpfannen aneinanderscheppert, kann schon beim ersten Durchlauf fast jeder im Saal den Refrain mitrappen.

Hier und da gönnt Aggu dem Publikum auch mal eine Pause. Er spielt einen stilleren Song über Liebeskummer und bittet darum, dass sich alle einmal gegenseitig in den Arm nehmen sollen. Er sagt, er sei glücklich, mal wieder eine eigene Show in Berlin zu spielen. „Endlich wieder vor meiner eigenen Crowd, in meiner Stadt.“

Viele im Publikum hätten das Album schon vorbestellt, bevor es überhaupt die erste Single gegeben habe, sagt er. Er spüre Vertrauen, aber keinen Druck. „Ich habe bei dem Album gemacht, was ich will. Es ist wild geworden, aber das, worauf ich Bock habe“, erklärt er. Und er sei sich eben sicher gewesen, dass seine Fans genau das auch mögen würden.

Der Erfolg der Vergangenheit gibt ihm recht, und er ist auch an diesem Abend zu spüren. Jedes einzelne Wort seiner älteren Songs scheint den jungen Leuten bekannt zu sein. So sehr, dass Aggu dem Publikum die Parts überlässt, die eigentlich von anderen Künstlern oder Künstlerinnen übernommen werden. Als er also fragt: „Eyo, Ikki, fetzen wir ’ne Kleine?“, antworten statt der Temelhofer Rapperin Ikkimel die Fans: „Ne, Aggu, eine Fette oder keine.“

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Konzert von Ski Aggu in der Columbiahalle in Berlin am 26.Oktober 2026.

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© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

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Gäste in der Columbiahalle: Baba F, Filow und Kiara Baba

Mit anderen Künstlern steht der Gastgeber an diesem Abend grundsätzlich kaum auf der Bühne. Mit DJ TÖRKE performt er zwar den gemeinsamen Song „Hardtekk Tutorial“, weitere Features bleiben aber aus. Gäste hat Ski Aggu sich trotzdem eingeladen. Baba F und Filow rappen eigene Songs. Auch Kiara Baba tritt allein auf und sorgt mit ihrem Song „Yannick“ dafür, dass sich der eine oder andere Träger dieses Namens vielleicht eingeschüchtert fühlen darf.

Von Katja Krasavice lässt sich Ski Aggu eine Trophäe übergeben, weil er am vergangenen Freitag mit „Ski Aggu Musik“ Platz eins der Charts erreicht hat. So wie ein Fußball-Team nach einer gewonnenen Meisterschaft lässt es sich der bekennende Hertha-Fan nicht nehmen, diesen Triumph gemeinsam mit seinen Fans, von denen einige das blau-weiße Trikot tragen, zu feiern.

So langsam aber soll dann doch die Party weitergehen. Und das ist nun wieder Chefsache. Zur Melodie von „Jerk It Out“ von The Caesars, gepaart mit tief stampfenden Bassdrum-Sounds, rappt er: „Disco, Disco, Partysahne“, während um ihn herum auf der Bühne der Streamer Splashbrudda umherhüpft, dem es die Fans unten im Moshpit gleichtun. Er beendet den Abend so, wie er ihn begonnen hat: mit „Spring“, diesmal begleitet von einer Dancecrew, deren Mitglieder – drei junge Männer – es schaffen, so zu tanzen, als würden sie gerade im Klub völlig freidrehen, dabei aber in perfekter Synchronität zueinander verweilen.

Nach 90 Minuten endet die Show langsam. Die ersten jungen Männer kehren aus der Mitte des Saals an den Rand zurück, manche nur noch im Unterhemd. Schweiß tropft von ihren Haarspitzen herab, und es sieht aus, als dürften sie sich doch tatsächlich gerade wie „die Geilsten im Klub“ fühlen.

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