Die installierte Solarleistung in europäischen Strommärkten ist seit 2020 um mehr als 115 Prozent gestiegen, die eingespeiste Solarstrommenge hat sich verdoppelt. In mehreren EU-Ländern droht diese Woche zeitweise ein negativer Strompreis. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters in einer Analyse vom Mittwoch.
Solaranlagen in Deutschland lieferten im April rund ein Drittel des von Versorgern bereitgestellten Stroms. Damit waren sie erstmals die wichtigste Quelle im Strommix dieses Monats, berichtet Reuters unter Berufung auf Daten des Finanzdienstleisters LSEG. Da die ertragreichste Phase des Sonnenjahrs erst bevorsteht, dürfte der Anteil weiter steigen und die Stromnetze fordern.
Negative Preise belasten Erzeuger
Versorger können Erzeugungsspitzen teils ausgleichen, indem sie fossile Kraftwerke drosseln, schreibt Reuters. In sonnenreichen Stunden reiche das oft nicht aus, zumal Förderregeln erneuerbare Anlagen unabhängig vom Preis am Netz hielten. Die Folge seien negative Strompreise: Erzeuger müssen dann dafür zahlen, dass ihr Strom abgenommen wird. In dieser Woche werden laut Reuters unter anderem in Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn negative Preise erwartet.
Längere Phasen mit sehr niedrigen oder negativen Preisen senken die Erlöse aller Erzeuger und verteuern den Betrieb von Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken. Das häufige Hoch- und Herunterfahren von Kohleblöcken senke deren Wirkungsgrad und erhöhe Wartungskosten und Emissionen je erzeugter Kilowattstunde, schreibt Reuters. Sinkende Einnahmen und steigende Kosten erschwerten zudem Kredite für den Netz- und Erzeugungsausbau.
Speicher und Netze als Engpass
Als Ausweg nennt Reuters den Zubau von Batteriespeichern, neuen Wechselrichtern, Transformatoren und Übertragungsleitungen sowie Software zur Echtzeit-Steuerung der Stromflüsse. Die Kapazität großer Batteriespeicher in Europa sei zuletzt stark gewachsen, allein 2025 um geschätzt 15 Gigawattstunden, so Reuters unter Berufung auf den Solarbranchenverband SolarPower Europe.
SolarPower Europe legte am Dienstag einen Bericht vor, wonach ein stärker auf Solar und Speicher gestütztes EU-Stromsystem die jährlichen Betriebskosten bis 2030 gegenüber 2025 um rund 55 Milliarden Euro senken könnte. Das entspräche einer Senkung um rund die Hälfte gegenüber 2025.
Die Großhandelspreise im Day-Ahead-Markt, also im Stromhandel für den jeweils folgenden Tag, würden im Schnitt um 14 Prozent sinken, in Hochpreisländern wie Deutschland um bis zu 25 Prozent. Die Kapazität der Batteriespeicher in der EU würde im ehrgeizigeren Szenario auf 171 Gigawatt und 598 Gigawattstunden steigen, die durchschnittliche Speicherdauer auf 3,5 Stunden.
Walburga Hemetsberger, Geschäftsführerin von SolarPower Europe, erklärte in der Mitteilung des Verbands, ein auf erneuerbaren Energien beruhendes Stromsystem sei grundsätzlich kostengünstiger als der Betrieb mit fossilen Brennstoffen. Sonja Risteska, Leiterin der zu SolarPower Europe gehörenden Branchenplattform Battery Storage Europe, betonte, selbst das ehrgeizigere Szenario bleibe unter den Speichermengen, die Europa langfristig brauche.
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