Krankschreibungen

Spahn verteidigt Krankschreibung: Weniger telefonische Atteste ab sofort?

Attest ab dem ersten Fehltag, keine Krankmeldung per Telefon mehr. Kassen warnen vor überfüllten Praxen.

2 Min
Jens Spahn verteidigt die Attestpflicht ab dem erstem Krankheitstag.

Jens Spahn verteidigt die Attestpflicht ab dem erstem Krankheitstag.

© Philip Dulian

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hat die von der schwarz-roten Koalition geplanten Verschärfungen bei Krankschreibungen verteidigt. „Wer wirklich krank ist, der soll natürlich auch zu Hause bleiben“, sagte Spahn im ARD-„Morgenmagazin“. Zugleich stelle sich die Frage, „ob die Deutschen so viel kränker sind tatsächlich als die anderen in Europa“. Pro Arbeitnehmer gebe es hierzulande rund 18 Krankheitstage im Jahr.

Union und SPD hatten im Koalitionsausschuss vereinbart, die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung ohne Praxisbesuch abzuschaffen. Zudem soll eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig bereits am ersten Krankheitstag verpflichtend vorgelegt werden. Bislang gilt diese Pflicht ab dem vierten Tag.

„Bettkantenentscheidungen“ als Argument

Spahn sagte, insbesondere montags und freitags gebe es sogenannte „Bettkantenentscheidungen“: „Man sitzt auf der Bettkante und überlegt: Passt das heute?“ Wer krank sei, müsse nicht ins Wartezimmer, sondern könne auch Videosprechstunden nutzen.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf räumte im ARD-„Morgenmagazin“ ein, in seiner Partei gebe es „viel Widerspruch, auch verständlichen Widerspruch“. Die Unterstellung, Menschen träfen an der Bettkante die Entscheidung, ob sie krank seien, entspreche nicht der Sicht der SPD. „Es war der Kompromiss, der notwendig war", sagte Klüssendorf.

Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte bei RTL und ntv, die SPD habe die Einführung von Karenztagen ohne Lohnfortzahlung verhindert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben.“

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Kassen warnen vor Überlastung

Die DAK-Gesundheit warnte vor negativen Folgen. „Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung steigert die Zahl der Arztkontakte und damit auch die Belastung der Beschäftigten in den Praxen“, sagte Vorstandschef Andreas Storm. In Kombination mit der Attestpflicht ab dem ersten Tag drohten überfüllte Hausarztpraxen.

Nach einer Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung und der Barmer hatten telefonische Krankschreibungen zwischen 2020 und 2023 lediglich einen Anteil von 0,8 bis 1,2 Prozent an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte der Rheinischen Post, digitale Möglichkeiten wie die Videosprechstunde müssten weiterhin genutzt werden können. Zudem plant Warken die Einführung von Teilkrankschreibungen zu 25, 50 oder 75 Prozent der Wochenarbeitszeit. (mit dpa, AFP)

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