NEUKÖLLN. Nach der Absage des Bezirks Mitte an die geplante Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) auf dem Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend werben jetzt die Bezirke Neukölln und Spandau um den Agentensitz. "Ich lade den BND zu uns ein, wenn man ihn woanders nicht will", sagte der Bürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD).Buschkowsky zählte gestern mehrere Flächen in seinem Bezirk auf, die er für geeignet hält: die Baumschule am Leonberger Ring, das Reemtsma-Areal an der Neuköllnischen Allee, die Meierei an der Nobelstraße - alles Brachen, alles ausreichend groß. Die Haltung von Mitte ist für Buschkowsky ein Ärgernis: "Nach den Querelen um Würstchenbuden und Toiletten ist man dort beim BND angelangt. " Solche "klein karierte Kirchturmpolitik" stehe dem Bemühen Berlins entgegen, Hauptstadt sein zu wollen.Der BND will seine Zentrale vom bayerischen Pullach auf das ehemalige Stadiongelände an der Chausseestraße verlagern. Insgesamt 5 000 Mitarbeiter sollen von 2008 an dort arbeiten. Das ursprünglich vorgesehene Areal des US-Hauptquartiers an der Clayallee in Zehlendorf war als zu klein verworfen worden. Die Pläne Berlins, auf dem Stadiongelände Wohnungen und Büros zu bauen, liegen auf Eis. Weil dafür kein Bedarf bestehe, könne man das Areal auch gut verkaufen, so Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). Doch Mittes Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) und seine grüne Baustadträtin Dorothee Dubrau kritisierten, dass in der Innenstadt ein geschlossener Hochsicherheitsbereich entstünde.Auch in Spandau kann man sich vorstellen, die Geheimdienstler zu beherbergen. "Wir sind eine alte Garnisonsstadt, auch die Bundeswehr ist prominent vertreten. Für eine attraktive Neuansiedlung wie den BND haben wir reichlich Platz", sagte Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU). Der Spandauer FDP-Fraktionschef im Bezirksparlament, Karl-Heinz Bannasch, schlägt die Alexander-Barraks als Standort vor. Die Kasernenanlage an der Streitstraße war bis 1990 von den Briten genutzt worden und steht seitdem leer.Beim BND freut man sich über die Angebote der beiden Bezirke. Die Behörde will aber zugleich Bedenken zertreuen, dass die neue Zentrale von einem riesigen Sperrgebiet umgeben sein könnte: "Die Bebauung richtet sich immer nach dem Umfeld. In einem Wohngebiet wie in Mitte wird es natürlich keine hohen Mauern geben", hieß es gestern. Für den BND würden die gleichen Sicherheitsanforderungen wie für Bundesministerien gelten. Und die seien auch nicht von riesigen Betonwällen umgeben.Inzwischen verhandelt die Senatskanzlei mit dem Bundeskanzleramt weiter über den Umzug. Denn unabhängig vom Wunsch einzelner Bezirke ist für Angelegenheiten, die Verfassungs- und Sicherheitsorgane betreffen, das Land zuständig. So steht es auch im Ausführungsgesetz zum Baugesetz.BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Noch kann jeder golfen im alten Stadion, bald soll der BND dort hinziehen.
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