Südkorea hat acht diplomatische Mitarbeiter aus der Ukraine abgezogen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet. Hintergrund ist ein Streit über die Bekanntgabe der Übergabe zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener an Südkorea.
Yonhap zufolge bestätigte Außenminister Cho Hyun den Abzug am Dienstag bei einer parlamentarischen Anhörung. Er erklärte, Südkorea stehe weiterhin mit dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha in Kontakt, um den Konflikt beizulegen. Trotz des Abzugs seien noch wichtige Mitarbeiter in der Ukraine. Sie setzten sich angesichts der anhaltenden russischen Angriffe für den Schutz südkoreanischer Staatsangehöriger ein, erklärte Cho.
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Diplomatische Spannungen nach Selenskyj-Rede
Wie Yonhap und die ukrainische Zeitung Kyiv Post berichten, gehen die diplomatischen Spannungen auf eine Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der UN-Generalversammlung am 23. September zurück. Selenskyj hatte dabei öffentlich gemacht, dass zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea übergeben worden seien. Die Soldaten waren laut Kyiv Post im Januar 2025 in der russischen Region Kursk in ukrainische Gefangenschaft geraten.
Nach südkoreanischen Angaben hatten sich beide Länder darauf verständigt, die Übergabe geheim zu halten. Damit sollten die Soldaten und ihre in Nordkorea lebenden Angehörigen geschützt werden. Die ukrainische Seite widerspricht dieser Darstellung. Laut Kyiv Post erklärte Selenskyjs Büro, Südkorea sei vorab über die geplante Erwähnung der Übergabe informiert worden. Zudem seien weder die Identität der Soldaten noch sensible operative Einzelheiten veröffentlicht worden.
Südkorea fordert eine offizielle Erklärung, eine Entschuldigung und Zusicherungen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt. Cho zufolge reichte eine bereits übermittelte Entschuldigung der ukrainischen Seite nicht aus, um die Bedenken Seouls auszuräumen, berichtete die Kyiv Post.
Botschafter bereits zurückgerufen
Südkorea hatte seinen Botschafter in der Ukraine, Park Ki-chang, Anfang Oktober zurückgerufen. Am 20. Oktober kündigte das Außenministerium laut Kyiv Post zudem an, weitere Mitarbeiter der Botschaft abzuziehen. Als Gründe nannte ein Ministeriumssprecher den ungelösten Streit und die anhaltenden russischen Luftangriffe. Der Botschafter war bereits am 10. Oktober nach Südkorea zurückgekehrt.
Cho warnte laut Yonhap, dass sich der Konflikt auf die diplomatischen Beziehungen auswirken könnte, sollten die Spannungen weiter zunehmen. Zugleich betonte er, dass Südkoreas grundsätzliche Unterstützung für die Ukraine unverändert bleibe. Seoul beteilige sich weiterhin an Konferenzen zum Wiederaufbau des Landes, leiste humanitäre Hilfe und unterstütze internationale Bemühungen zur Beendigung des Krieges.
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