Autoindustrie

Sparpaket bei Porsche: 5000 Jobs fallen weg, Standorte bis 2035 gesichert

Seit Monaten wird verhandelt, jetzt steht fest: Bei Porsche fallen nochmals Tausende Stellen im Raum Stuttgart weg. Dafür macht der Sportwagenbauer auch Zugeständnisse. So sieht die Einigung aus

5 Min
Der Sportwagenhersteller Porsche streicht weitere 5000 Stellen.

Der Sportwagenhersteller Porsche streicht weitere 5000 Stellen.

© Christoph Schmidt/dpa

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche baut in seiner Heimatregion bis 2035 weitere 5000 Arbeitsplätze ab. Betroffen sind das Stammwerk in Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum im nahen Weissach. Im Gegenzug verlängert das Unternehmen die Standortsicherung um fünf Jahre bis Ende 2035, betriebsbedingte Kündigungen sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen. Das teilten Konzern und Gesamtbetriebsrat gemeinsam mit.

Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen – über natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. An den Verhandlungen waren zudem die IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall beteiligt. Ziel sei, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dabei langfristig möglichst viele Stellen zu erhalten.

Das sogenannte Zukunftspaket umfasst zugleich Investitionen von 2,1 Milliarden Euro. Damit soll unter anderem die Produktion der zweitürigen Sportwagen in Zuffenhausen sowie die Bündelung der Entwicklungsarbeit in Weissach gesichert werden. Finanziert wird das Programm durch ein umfassendes Maßnahmenbündel, das laut Unternehmen die Personalkosten deutlich senken und die Arbeit flexibler und produktiver machen soll.

Konkret werden Tariferhöhungen bis 2035 teilweise einbehalten, das Weihnachtsgeld sinkt, und der Mitarbeiterbonus wird stärker an den Unternehmenserfolg gekoppelt. Große Teile des Managements verzichten in den Jahren 2027 und 2028 auf Erhöhungen der Grundvergütung. Homeoffice ist künftig nur noch an maximal acht statt zwölf Tagen im Monat möglich.

Zweite große Sparrunde binnen weniger Monate

Das Paket ist bereits die zweite große Sparrunde in kurzer Zeit. Im Februar 2025 hatten sich Management und Betriebsrat auf den Abbau von rund 1900 Stellen in der Region Stuttgart bis 2029 verständigt, hinzu kam der Auslauf befristeter Verträge von rund 2000 Beschäftigten. Auch im Leipziger Werk wurden Jobs gestrichen, drei Tochterfirmen mit zusammen etwa 500 Mitarbeitenden wurden oder werden geschlossen.

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In Summe fällt in den kommenden Jahren mehr als jede dritte Stelle am Heimatstandort weg. Ende 2024 beschäftigte Porsche in der Region Stuttgart rund 22.200 Menschen, ein Jahr später waren es noch rund 20.600. Weltweit arbeiteten Ende 2025 fast 41.800 Personen für den Konzern. Vorstandschef Michael Leiters hatte bereits angekündigt, das Unternehmen deutlich verschlanken zu wollen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat liefen seit Herbst 2024, wurden aber durch den Wechsel an der Konzernspitze unterbrochen.

Gewinneinbruch um 91 Prozent

Hintergrund der Einschnitte ist eine tiefe Krise des einstigen VW-Gewinnbringers. Der Konzernüberschuss brach 2025 um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein, im ersten Quartal des laufenden Jahres setzte sich der Rückgang mit etwas geringerem Tempo fort. Als Gründe nennt das Unternehmen das schwache China-Geschäft, die US-Zollpolitik und die geringere Nachfrage nach E-Modellen. Hinzu kamen der Konzernumbau und strategische Weichenstellungen: Allein die Entscheidung, wieder verstärkt auf Verbrennungsmotoren zu setzen, schlug mit Milliarden zu Buche. Auch für 2026 rechnet Porsche mit Belastungen im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Der Absatz sank 2025 um zehn Prozent auf 279.400 Fahrzeuge – der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020. Besonders drastisch fiel der Rückgang in China aus: Zwischen 2021 und 2025 halbierten sich die Verkaufszahlen dort mehr als. Das Fertigungsnetz war ursprünglich auf 350.000 bis 400.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt, aktuell steuert Porsche eher auf 250.000 oder weniger zu. Die Werke sind nicht ausgelastet, viele Kosten laufen unverändert weiter.

Leiters plant schlankere Sportwagenschmiede

Der seit Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Leiters strebt einen kleineren Konzern an, der auch mit weniger verkauften Fahrzeugen hohe Gewinne erzielen kann. Auf der Hauptversammlung skizzierte er die Grundzüge seiner Strategie, die er Anfang Oktober bei einem Kapitalmarkttag vorstellen will. Die Produktpalette soll gestrafft und die Zahl der Modellvarianten reduziert werden. Zugleich denkt Leiters über neue Fahrzeuge in margenstärkeren Segmenten nach – sowohl oberhalb der zweitürigen Sportwagen als auch oberhalb des Cayenne.

Eine Rückkehr zu Renditen nahe 20 Prozent erwartet Leiters nicht mehr. Mittelfristig sollen 10 bis 15 Prozent des Umsatzes als Gewinn übrig bleiben. „Die deutliche Verbesserung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird vor allem mit unseren künftigen Produkten kommen“, sagte er. Das brauche jedoch Zeit. Die Halbjahreszahlen will das Management am Mittwoch vorlegen, die Prognose wurde zuletzt bestätigt.

Konfliktstoff für Wolfsburg

Der Kompromiss dürfte auch Folgen für den Mutterkonzern Volkswagen haben. VW-Vorstandschef Oliver Blume – bis Ende 2025 in Personalunion auch Porsche-Chef – versucht in Wolfsburg ein deutlich härteres Sparpaket durchzusetzen. Vier deutsche Standorte von VW und Audi sowie bis zu 50.000 Stellen weltweit stehen auf der Kippe, zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die konzernweit bis 2030 abgebaut werden sollen.

Zwar ist die Porsche-Einigung kein Geschenk an die Beschäftigten, doch die Beschäftigungssicherung bis Ende 2035 fällt großzügiger aus als bei Volkswagen und Audi. Werksschließungen stehen bei Porsche nicht zur Debatte – obwohl die Fabriken zu den teuersten im Konzern zählen. Das könnte Blume, der sein Sparpaket bis Jahresende festzurren will, unter Druck setzen. In den Aufsichtsräten sitzen zum Teil dieselben Personen, allen voran Vertreter der Familien Porsche und Piëch. Die Betriebsräte bei VW und Audi dürften jede künftige Vereinbarung am Porsche-Kompromiss messen.

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