Die vom Brandenburger Umweltministerium im Rahmen des Raumordnungsverfahrens erneut vorgetragenen Bedenken zum Havelausbau will der Berliner Bundestagsabgeordnete Siegfried Scheffler (SPD) erneut zum Anlaß nehmen, beim Bund gegen das Projekt zu intervenieren."Es kann nicht sein, daß Natur und Kulturlandschaft nach Gutdünken der Technik angepaßt wird", sagte Scheffler gegenüber der Berliner Zeitung. Auch er sei für einen ökologisch und ökonomisch vertretbaren Ausbau der Wasserstraßen. Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17 sprenge in seinen Dimensionen diesen Rahmen aber immer noch. Auch die Tatsache, daß unter Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) inzwischen zahlreiche gigantische Pläne seines Amtsvorgängers Günther Krause "abgespeckt" worden seien, ändere daran wenig, so Scheffler.Dem Parlamentarier ist es ebenso wie vielen anderen Gegnern des Projekts Nr. 17 unbegreiflich, warum Milliarden Mark dafür investiert werden, den Fluß für 110 Meter lange und 11,40 Meter breite Europa-Schiffe auszubauen. Wirtschaftsforscher erwarteten selbst im Jahre 2010 höchstens sechs dieser großen Pötte am Tag. "Ich verstehe es nicht, daß die Binnenschiffer darauf setzen", sagte Scheffler, der erwartet, daß nach einem Ausbau der Havel noch mehr einheimische Binnenschiffer ihr Gewerbe aufgeben müssen. Grund: Der ohnehin harte Wettbewerb um Frachten auf dem Wasser werde dann vor allem für niederländische Reeder leichter zu führen, die bereits über die großen Euro-Schiffe verfügten. Die geplante Anhebung zahlreicher Flußübergänge, darunter auch der Glienicker Brücke inmitten der von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärten Potsdam-Berliner Schlösser- und Parklandschaft, sieht Scheffler nicht nur als ästhetischen Frevel, sondern auch als unbezahlbar an. Denn der Bund wolle Berlin bei den Brückenbauten finanziell mit in die Pflicht nehmen.Beim in Berlin heftig umstrittenen geplanten Spreedurchstich im Zusammenhang mit der Erweiterung der Charlottenburger Schleuse ärgert es Scheffler, daß offenbar eine Alternative gar nicht geprüft worden ist: Statt der Charlottenburger sollte die in wenigen Jahren ohnehin zur Sanierung vorgesehene Schleuse Plötzensee ausgebaut werden. Dort, so der Sozialdemokrat, müßten weder Arbeitsplätze noch Kleingärten weggebaggert werden, auch die Eingriffe in die Natur seien geringer. +++
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