SPD-KRISE - Die Parteispitze sortiert sich neu: Offenbar soll Noch-Umweltminister Sigmar Gabriel die Sozialdemokraten führen. Die Stellvertreterposten werden gleichfalls neu besetzt. Auch inhaltlich deutet sich ein Schwenk nach Links an.

Dreierbündnis mit Führungsproblem

Mira Gajevic
2 Min

BERLIN. Eine Liebesheirat wird es in Thüringen zwischen SPD, Linkspartei und Grünen wohl nicht werden, aber vieles deutet inzwischen darauf hin, dass man sich in einer Art Zweckbündnis zusammenraufen könnte. Nach dem letzten rot-rot-grünen Sondierungsgespräch in Erfurt sagte der Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow gestern, dass man sich in den wichtigen Fragen einig gewesen sei - mit einer nicht unwesentlichen Einschränkung allerdings: Noch immer ist unklar, wer das Dreierbündnis anführen soll. Dabei geht es inzwischen gar nicht mehr darum, dass SPD-Chef Christoph Matschie unbedingt möchte, oder Ramelow auf den Posten besteht. Beide haben erklärt, dass sie auf das Amt verzichten würden.Bis tief in die Nacht hinein, beriet der SPD-Landesvorstand gestern über die Bündnisfrage. Die Grünen stellten parallel Vorbedingungen. Sie fordern ein Papier, indem SPD und Linke darlegen, wie sie sich gleichberechtigtes Handeln vorstellen. Während die SPD als nur drittstärkste Kraft aber weiter auf ihr Vorschlagsrecht besteht, fordert Ramelow, dass der Regierungschef von allen drei Parteien gleichberechtigt vorgeschlagen werden müsse. "Das ist eine Frage des Prinzips in einer Dreier-Koalition", sagt Ramelow. Und die Frage nach dem geeigneten Kandidaten müsse am Anfang der Verhandlungen über ein Bündnis stehen.Dabei liegen die Positionen gar nicht so weit auseinander: Ramelow kann sich auch einen SPD-Ministerpräsidenten vorstellen - so er denn von allen drei Parteien gemeinsam ausgesucht werde. Wer das sein könnte? Namen sind bei den Sondierungsgesprächen gestern nicht gefallen. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat Ramelow mit der gescheiterten Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, Kontakt aufgenommen. Die SPD-Politikerin lehnte aber ab. Auch der Name des scheidenden Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee fällt, immerhin gebürtiger Thüringer.Die SPD kam am Nachmittag mit der CDU zu einem letzten Sondierungsgespräch zusammen. Am Abend tagte der Landesvorstand: Schwarz-Rot oder Rot-Rot-Grün. "Die SPD muss über ein paar Schatten springen, wir sind über den Schatten unserer Vergangenheit gesprungen", sagt Ramelow dazu.------------------------------Saar-Grüne am ZugAuch im Saarland könnte es zu einer rot-rot-grünen Landesregierung kommen. Gestern schlossen Grüne, Linke und SPD ihre Sondierungen ab.Heute werden die Grünen erstmals mit der bislang regierenden CDU und der FDP sprechen, um die Möglichkeit einer Jamaika-Koalition auszuloten.Die Grünen wollen sich am 11. Oktober entscheiden.------------------------------"Das Amt des Ministerpräsidenten ist zu wichtig, als dass man daraus eine Casting-Show macht." Bodo Ramelow (Linke)

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