BERLIN. Die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge soll weiter ausgebaut werden. Arbeitsminister Franz Müntefering und Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) werden dem Bundeskabinett heute vorschlagen, dass unter 21-Jährige von 2008 an eine einmalige Prämie von 100 Euro erhalten, wenn sie eine Riester-Rente abschließen. Damit sollen junge Menschen angeregt werden, früh mit dem Sparen für das Alter zu beginnen. Die zusätzliche Förderung würde zwischen fünf und zehn Millionen Euro im Jahr kosten, hieß es gestern in Regierungskreisen.17 Jahre RenteDarüber hinaus soll für Eltern der Kinderzuschlag zur Riester-Rente von jetzt 138 auf 300 Euro erhöht werden. Das soll aber nur für Kinder gelten, die ab 2008 geboren werden. Die Aufstockung des Kinderzuschlags hatten Union und SPD bereits in ihren Koalitionsverhandlungen vereinbart. Der Sonderbonus für Jüngere hingegen ist ein neuer Vorschlag der Sozialdemokraten. Die Union dürfte die Initiative jedoch unterstützen.Müntefering und Steinbrück begründen ihr Vorhaben damit, dass das Niveau der gesetzlichen Rente mittelfristig sinken wird. Das sei die notwendige Folge des demografischen Wandels, heißt es in einem Papier der beiden Minister, das der Berliner Zeitung vorliegt. Die Deutschen lebten länger und bezögen länger Rente. Während die durchschnittliche Zahldauer 1960 noch zehn Jahre betragen habe, bekämen die Ruheständler heute im Schnitt bereits 17 Jahre lang Rente - mit steigender Tendenz. Gleichzeitig würden immer weniger Kinder geboren. Deshalb, so schreiben Müntefering und Steinbrück, müsse man den Menschen deutlich sagen: "Mit der gesetzlichen Rente alleine ist der gewohnte Lebensstandard nicht zu halten. Zusätzliche Vorsorge ist unerlässlich."Die beiden Minister setzen deshalb auch auf den weiteren Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge. Seit 2002 haben Beschäftigte einen Anspruch, Teile ihres Lohns in eine Altersvorsorge umzuwandeln. Das Ansparen wird steuerlich gefördert. Müntefering und Steinbrück lobten in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Tarifpartner in der Metall-, Chemie- oder Baubranche. Dort gebe es Angebote, auch vermögenswirksame Leistungen in eine Altersvorsorge umzuwidmen. "Das ist ein kluger Umgang mit der Möglichkeit der Beteiligung an Gewinn und Kapital", schreiben die Minister. Sie lassen damit Distanz zu den Plänen der Union erkennen, Investivlöhne einzuführen - ein Thema, das die Koalition in den kommenden Monaten beschäftigen dürfte, nachdem der CDU-Parteitag dazu einen Beschluss gefasst hat.In den Koalitionsfraktionen wird zudem seit Monaten darüber beraten, wie privat genutztes Wohneigentum oder der Erwerb eines genossenschaftlichen Dauerwohnrechts über die Riester-Rente gefördert werden könnten. Nur deshalb hatte die Union der Abschaffung der Eigenheimzulage zum Jahresende 2005 zugestimmt. Laut Koalitionsvertrag sollte die neue Regelung Anfang nächsten Jahres in Kraft treten. Dieser Zeitplan ist aber wohl nicht mehr zu halten, hieß es in Fraktionskreisen.Wegfall der WohnungsbauprämieSteinbrück hatte einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem eine Immobilie wie andere Riester-Sparverträge während des Berufslebens steuerlich gefördert werden würde. Erst im Rentenalter wären dann auf den Ansparbetrag Steuern fällig. Ein Teil der Steuerausfälle sollte über den Wegfall der Wohnungsbauprämie finanziert werden, was die Union bislang jedoch strikt ablehnt.Die heutige Ministerrunde im Kanzleramt wird sich umfassend mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen. Unter anderem legt Müntefering den neuesten Rentenbericht der Bundesregierung vor. Zudem sollen die Gesetzentwürfe für die Rente mit 67 sowie für die so genannte Initiative 50 plus zur Beschäftigungsförderung Älterer auf den Weg gebracht werden.------------------------------Fast sieben Millionen SparverträgeDie Riester-Rente wurde 2002 eingeführt und ist nach dem damaligen Arbeits- und Sozialminister Walter Riester (SPD) benannt. Vom einstigen Ladenhüter hat sie sich zu einer attraktiven Sparform fürs Alter entwickelt. Bislang wurden fast sieben Millionen Verträge abgeschlossen.Der Boom ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Riester-Rente vereinfacht wurde. Zum Beispiel muss die staatliche Zulage jetzt nicht mehr jedes Jahr neu beantragt werden.------------------------------Grafik: Die beliebtesten Vorsorgeprodukte
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