Der Publizist und frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, soll Anfang 2027 über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mitentscheiden. Die hessische SPD will ihn für die Bundesversammlung nominieren.
Die Landtagsfraktion will den 70-Jährigen am Dienstag offiziell für die Bundesversammlung aufstellen. Das teilte die Partei mit. Die Entscheidung sei unter Einbindung von SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch gefallen.
Miersch würdigte Friedman nach Angaben der Partei als jemanden, der wie nur wenige andere für die entschiedene Verteidigung der freiheitlichen Demokratie stehe. Sein Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit sei gerade in Zeiten, in denen demokratische Werte und Institutionen unter Druck gerieten, von besonderer Bedeutung.
Friedman spricht von „großer Ehre“
Friedman selbst erklärte, für einen leidenschaftlichen Demokraten sei es eine große Ehre, den nächsten Bundespräsidenten zu wählen. „In einer Zeit, in der eine Partei die Verfassung mit Füßen tritt und sie zerstören will, ist diese Wahl von höchster Bedeutung. Ich danke der SPD, der ältesten, demokratischen Partei, dass sie mich nominiert hat", so Friedman laut Mitteilung.
Der hessische SPD-Fraktionschef Tobias Eckert verwies auf eine Rede, die Friedman vor zwei Jahren im Landtag zum Gedenken an den 50. Todestag von Oskar Schindler gehalten hatte. Sie sei die Essenz dessen gewesen, wofür Friedman stehe: entschiedener Widerstand gegen Antisemitismus und jede andere Form der Menschenfeindlichkeit, unbedingte Achtung der Menschenwürde, Aufklärung und Respekt, sagte Eckert.
Über die Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier wird am 30. Januar 2027 entschieden. Die Bundesländer benennen derzeit ihre Wahlleute für die Bundesversammlung. Die schwarz-rote Koalition in Berlin hat sich bislang nicht auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten festgelegt. (mit dpa)
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