BERLIN. Er soll den Bann jenes Mannes brechen, den sie in der SPD "den Baron aus Bayern" nennen und dessen Popularität derzeit alle Rekorde bricht. Dabei ist Harald Christ in nahezu jeder Hinsicht das Gegenteil von Karl-Theodor zu Guttenberg, dem Bundeswirtschaftsminister und Polit-Aufsteiger der Saison. Christ ist weder adelig noch besonders schick, er ist neu in der Politik, und kaum jemand kennt ihn. Flott reden aber kann auch der Mittelstandsexperte im Wahlkampfteam des SPD-Kanzlerkandidaten, und von Wirtschaft glaubt er mindestens so viel zu verstehen wie der CSU-Minister zu Guttenberg.Er gilt als gewiefter Unternehmer"Die kleineren und mittleren Unternehmen fühlen sich nicht repräsentiert in diesem Land", sagte Christ gestern in Berlin, während sein Förderer Frank-Walter Steinmeier sich zeitgleich zur Wahlkampftour durch Betriebe im Westen Deutschlands aufmachte. "Da draußen sieht es zurzeit schwierig aus", weiß Christ. Er meint die Kreditsituation des Mittelstands, und seine Kenntnis bezieht er aus eigenen Erfahrungen. Obwohl erst 37 Jahre alt, gilt der Sohn eines Opel-Arbeiters aus Gimbsheim bei Worms als gewiefter Unternehmer und Investor. Er ist an mittelständischen Firmen beteiligt, die durch die Krise in Not geraten sind, und berät andere teils unentgeltlich.Ratschläge hat er auch für die Bundespolitik: Wenn die Banken weiter so zögerlich Darlehen vergäben, müsse die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) direkt Geld aus dem Krisen-Fonds an Unternehmen verleihen. Das würde die KfW, die bisher nur bürgt, in eine Wettbewerbssituation mit Geschäftsbanken bringen, aber das stört Christ nicht. Er kennt sich auch im Finanzgewerbe aus, war Geschäftsführer einer Kapitalanlagefirma und Generalbevollmächtigter der Berliner Weberbank. Mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück liege er "voll und ganz auf einer Linie", betonte er gestern. Steinbrück hatte eine direkte Kreditvergabe durch die Bundesbank an Unternehmen angeregt, um eine Kreditklemme zu vermeiden.Christ verteidigte den Plan Steinmeiers, binnen zehn Jahren vier Millionen neue Jobs vor allem in Umwelttechnik und Dienstleistung schaffen zu wollen. Das Programm des SPD-Kanzlerkandidaten sei mutig und visionär. Kein Wunder: Christ hat selbst daran mitgeschrieben. Von Wirtschaftsminister zu Guttenberg dagegen sei "inhaltlich nichts zu hören". Mit dem Adel hat der Arbeitersohn ohnehin noch ein Hühnchen zu rupfen: Bei der Weberbank musste er 2007 einem Grafen Strasoldo den Vortritt als Chef lassen.------------------------------Foto: Harald Christ, aus einer Arbeiterfamilie stammend, trat schon mit 16 Jahren der SPD bei. Der gelernte Industriekaufmann machte Karriere in der Finanzwirtschaft und ist als Multimillionär heute selbstständiger Finanzinvestor.
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