V.rkehrsexperten äußerten sich am Sonnabend erstmals öffentlich zur geplanten Sperrung der Müllerstre-Se für den motorisierten Individualverkehr. Eine Projektgruppe der SPD Wedding arbeitet seit 18 Monaten an einem KonzeptZiel ist es, die Müllerstraße attraktiver zu machen. Für die 35 Mitglieder der Projektgruppe steht deshalb fest: Der Streßfaktor Verkehr muß herausgenommen werden. Sie schlagen dafür einen rund 500 Meter langen Bereich zwlschen dem Leopoldplatz und der Seestraße vor. "Auf dieser Strecke konzentrieren sich rund 60 Geschäfte", begründete Projektlelter Michael Machenschalk dle Entscheidung.Dieses Gebiet sollte so verändert werden, daß sich für jede Richtung elne überbreite Fahrspur ergibt. Sie kann dann von Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs und von Radfahrern genutzt werden. Den Fußgängern stünde mehr Raum zur Verfügung. Parallel zur Sperrung der Müllerstraße könnte ein Elnbahnstraßensystem In den Wohngebieten geschaffen werden. Außerdem schlägt die Projektgruppe dort Senkrechtparkzonen vor. Machenschalk hält es für möglich, daß angrenzende Straßen, wie dle Relnickendorfer und die Afrlkanische, den Durchgangsverkehr aufnehmen.Jürgen Senst von der Studiengesellschaft Verkehr mbH gab zu bedenken, daß die Anwohner dieser Straßen mit einer erhöhten Larmund Geruchsbelästigung zu rechnen hätten. Das vorgeschlagene Einbahnstraßensystem sei "noch nlcht das Gelbe vom Ei". So animiere der nicht vorhandene Gegenverkehr zum Rasen. Außerdem könne man sich schlecht orientieren und müsse Umwege in Kauf nehmen.Gegen die Einrichtung von Senkrechtparkzonen In den Wohnstraßen plädierte Susanne Kukkuk vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club. Dadurch würden nur noch mehr Fahrzeuge angezogen. "Man muß den Autofahrern ihre Ziele nehmen, schließlich ist die Müllerstraße gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen."In einem waren sich die Verkehrsexperten einig: Die Idee einer Fußgängerstraße ist zu begrüßen. Das derzeitige Konzept sollte allerdings überarbeitet werden. So müßten die Gewerbetrelbenden und Anwohner In den Prozeß einbezogen werden. Machenschalk kündigte für Ende November eine Befragung der Händler an. Er könnte sich zudem Probesperrungen vorstellen, beispielsweise an langen Sonnabenden. Außerdem will die Projektgruppe Kontakt nach Hamburg aufnehmen, wo es seit Jahren gute Erfahrungen mit einer sogenannten "kommunalen Spur" gibt. Anfang 1995 wird es eine weitere Veranstaltung geben, zu der vor allem Gewerbetreibende geladen sind. Steffi Bey
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]