Fußballweltmeisterschaft

Nach Trump-Anruf: Fifa setzt Rot-Sperre gegen US-Star aus

Donald Trump bat Fifa-Chef Gianni Infantino, die Sperre gegen Folarin Balogun zu prüfen. Kurz darauf durfte der US-Star wieder spielen. Kritiker sehen die Glaubwürdigkeit der WM beschädigt.

5 Min
US-Präsident Donald Trump und Fifa-Chef Gianni Infantino pflegen seit Jahren einen engen Draht.

US-Präsident Donald Trump und Fifa-Chef Gianni Infantino pflegen seit Jahren einen engen Draht.

© Andrew Harnik

US-Präsident Donald Trump hat sich persönlich in den Streit um die Rote Karte gegen den amerikanischen Nationalspieler Folarin Balogun eingeschaltet. Nach übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagenturen AFP, AP und Reuters rief Trump bei Fifa-Präsident Gianni Infantino an und bat ihn, den Platzverweis und die daraus folgende Sperre überprüfen zu lassen.

Am Sonntag entschied die Fifa, dass Balogun im WM-Achtelfinale gegen Belgien in Seattle eingesetzt werden darf. Der Weltverband nahm die Rote Karte nicht zurück, setzte die automatische Sperre jedoch für ein Jahr zur Bewährung aus. Ob Trumps Anruf die Entscheidung beeinflusste, ist nicht geklärt. Die Fifa beantwortete entsprechende Anfragen zunächst nicht.

Trump feierte die Kehrtwende umgehend. Er dankte der Fifa auf seiner Plattform Truth Social dafür, „das Richtige“ getan und eine „große Ungerechtigkeit“ korrigiert zu haben. Zuvor hatte bereits US-Außenminister Marco Rubio öffentlich eine Aufhebung der Sperre verlangt.

Fifa nutzt Sonderregel für Balogun

Balogun war beim 2:0 der USA gegen Bosnien-Herzegowina in der 64. Minute nach einem Eingriff des Videoassistenten vom Platz gestellt worden. Er war Tarik Muharemović im Zweikampf auf den Knöchel getreten. Zuvor hatte der 25-Jährige das Führungstor erzielt. Mit drei Treffern ist er der beste Torschütze der USA bei dieser Weltmeisterschaft.

Nach der Fifa-Disziplinarordnung führt eine Rote Karte automatisch zu einer Sperre für das nächste Spiel. Der Weltverband berief sich jedoch auf Artikel 27, der es seiner Disziplinarkommission erlaubt, die Vollstreckung einer Strafe ganz oder teilweise zur Bewährung auszusetzen.

Begeht Balogun innerhalb eines Jahres ein ähnlich schweres Vergehen, muss er die ausgesetzte Sperre zusätzlich zu einer möglichen neuen Strafe verbüßen. Eine ausführliche Begründung dafür, warum die Regel gerade in diesem Fall angewandt wurde, veröffentlichte die Fifa nicht.

Belgien sieht Integrität des Fußballs gefährdet

Der belgische Fußballverband erklärte, er sei von der Entscheidung „erstaunt“. Sie stehe im Widerspruch zur Disziplinarordnung und zu den Regeln der Weltmeisterschaft. Der Verband prüfe „alle möglichen Optionen“, um die Rechte der teilnehmenden Mannschaften und die Grundsätze des Fair Play zu schützen. Belgiens Trainer Rudi Garcia verglich die Kehrtwende mit einem Aprilscherz. „Ich wusste nicht, dass bei der Fifa-Weltmeisterschaft der 5. Juli dem 1. April entspricht“, sagte er. Der belgische Verband verteidige nicht nur die eigene Mannschaft, sondern „die Integrität“ und „die Ethik“ des Fußballs.

Auch in Deutschland löste der Vorgang scharfe Kritik aus. „Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, das ist verrückt“, sagte der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp bei MagentaTV.

Schiedsrichter Patrick Ittrich bemängelte vor allem die fehlende Erklärung des Weltverbands. „Das Interessante ist in der Tat, dass wir keine Begründung haben“, sagte er bei MagentaTV. Teile des Vorgangs seien „unerträglich“.

Empörung in Belgien

Die „Causa Balogun“ hat selbst in der belgischen Politik für einen Aufschrei gesorgt. „Wahre Stärke liegt darin, mit Fairplay zu gewinnen. Genau das wird Belgien tun“, schrieb Jacqueline Galant, wallonische Sportministerin der französischsprachigen liberalen Reformbewegung, in einer Stellungnahme bei X. Sie sicherte dem belgischen Fußballverband ihre „volle Unterstützung“ im Vorgehen gegen die Aufhebung der Roten Karte des US-Stürmers Folarin Balogun zu.

„Schämt euch!“, wütete die sozialdemokratische Oppositionspartei PS: „Wenn Geld die Fäden zieht, verliert die WM jede Glaubwürdigkeit. Die Regeln anzupassen, um Trump zu gefallen, zu versuchen zu schummeln, um zu gewinnen – welch ein bedauernswertes Bild für die FIFA, die Fußball-WM und die USA. Die Regeln müssen von allen respektiert werden, im Sport wie im Leben.“

Yvan Verougstraete, Mitglied des Europäischen Parlaments und der frankophonen Zentrumspartei Les Engagés, schloss sich der Kritik an. Es sei „erstaunlich, dass eine Rote Karte plötzlich als ‚ungerecht‘ gilt, sobald Trump involviert ist.“ Die FIFA müsse die „Fairness verteidigen und darf nicht den Eindruck erwecken, politischem Druck nachzugeben“.

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Pochettino verteidigt die Entscheidung

US-Trainer Mauricio Pochettino begrüßte dagegen die Freigabe seines Stürmers. Die USA seien durch die rund halbstündige Unterzahl gegen Bosnien-Herzegowina bereits ausreichend bestraft worden.

„Ich denke, 99,9 Prozent der Menschen im Fußball haben gesagt, dass dies eine ungerechte Strafe war“, erklärte Pochettino. Vergleichbare Entscheidungen habe es bereits in der Vergangenheit gegeben. Er selbst sei an den Bemühungen um eine Aussetzung der Sperre nicht beteiligt gewesen.

Ronaldo verbüßte zumindest ein Spiel

Die Fifa hatte Artikel 27 zuletzt bei Cristiano Ronaldo angewandt. Der Portugiese war nach einem Ellbogenschlag zunächst für drei Spiele gesperrt worden. Nachdem er eine Partie verpasst hatte, setzte die Fifa die übrigen beiden Spiele zur Bewährung aus. Bei Balogun wurde dagegen bereits die erste und automatisch folgende Sperre ausgesetzt. Damit darf einer der wichtigsten Spieler des Gastgeberlandes unmittelbar im WM-Achtelfinale antreten.

Für besondere Brisanz sorgt Trumps enges Verhältnis zu Infantino. Der US-Präsident wandte sich persönlich an den Fifa-Chef, kurz darauf traf dessen Verband eine für die USA äußerst günstige Entscheidung. Solange die Fifa nicht offenlegt, wie und warum die Disziplinarkommission zu ihrem Urteil kam, bleibt der Verdacht politischer Einflussnahme bestehen.

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