SPRACHTEST - Viele Kita-Kinder haben Probleme, richtig deutsch zu sprechen - auch mehr als jedes zehnte Kind aus einem deutschen Elternhaus.

Jeder vierte Schulanfänger braucht Nachhilfe

Iris Brennberger
4 Min

Insgesamt 566 Kinder müssen schon ab Montag in die Schule gehen - obwohl sie erst im Spätsommer in die erste Klasse kommen. Es sind Kinder, die an einem Pflicht-Förderkurs in Deutsch teilnehmen. Sie haben täglich drei Stunden Unterricht. Weitere 5 930 künftige Schulanfänger, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, werden in ihren Kitas besonders gefördert, teilte Schulsenator Klaus Böger (SPD) gestern mit. Insgesamt hat ein Viertel der 25 000 Schulanfänger Sprachdefizite. Das zeigt der Sprachtest Deutsch Plus, dessen Ergebnisse gestern vorgestellt wurden.Das Ausmaß der Sprachprobleme hat in der Schulverwaltung niemanden überrascht. Die Zahlen sind fast die gleichen wie im Vorjahr: 2004 fielen 26,1 Prozent der Fünfjährigen mit Defiziten auf, dieses Mal sind es 25,5 Prozent - 6 496 Kinder. Der Deutsch-Plus-Test wurde im Herbst zum zweiten Mal in den Kitas und an den künftigen Schulen der Kinder durchgeführt. Dabei ging es um altersgerechtes Verstehen und Sprechen. Beispielsweise mussten die Kinder Bilder beschreiben und Fragen beantworten.Laut Schulverwaltung besuchen 95 Prozent der Kinder im Vorschulalter eine Kita. Dennoch: "Wir können keine Entwarnung geben", sagte Böger. Besonders dramatisch sei die Situation bei Kindern ausländischer Eltern: Mehr als die Hälfte (56,5 Prozent) hat Defizite. Auch diejenigen, die eine Kita besuchen, schnitten schlecht ab: 55 Prozent sind förderbedürftig. Am schlechtesten aber steht es um die Sprachkenntnisse bei "Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache", wie die Behörde sie nennt, die nicht in die Kita gehen: Fast 80 Prozent (489 Kinder) brauchen Förderung.Aber auch Kinder, die zu Hause deutsch sprechen, fielen negativ auf: 12,4 Prozent haben gravierende Defizite. Bei den Kindern, die keine Kita besuchen, ist es sogar fast ein Drittel. Eren Ünsal vom Türkischen Bund warnte deshalb auch davor, bei Sprachproblemen nur auf den kulturellen Hintergrund der Kinder zu achten. Oft spiele auch die soziale Herkunft eine Rolle. Der Test zeigt: Dort, wo besonders viele ausländische und arme Familien leben, sind die Ergebnisse am schlechtesten. In Neukölln haben 45,9 Prozent der Fünfjährigen Sprachprobleme."Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg", sagte Senator Böger. Für Reformen brauche es aber "einen langen Atem". Diejenigen Kinder, die Defizite haben und in keine Kita gehen, müssen nun bis zum Sommer einen der 80 Förderkurse in einer Schule besuchen. Die Zahl der Förderstunden wurde von zwei auf drei am Tag erhöht. Der Besuch ist Pflicht. Böger kündigte an, er werde Ende der Woche kontrollieren lassen, ob alle teilnehmen. Wenn nicht, droht eine Geldstrafe. Die Kosten für die Kurse belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Euro.Weitaus die meisten Kinder mit Sprachproblemen - 5 930 - gehen bereits in eine Kita und sollen dort gefördert werden. Die Verwaltung hat Material für die Kitas erarbeitet, darunter ein Sprachlerntagebuch, in dem jedes Kind seine Fortschritte verzeichnen kann. Steffi Hogan von der Schulverwaltung sagte, das Interesse der Erzieher an Fortbildung sei groß. Zudem sind die Kitas zur Qualitätsüberprüfung verpflichtet.Als Erfolg betrachtet die Verwaltung die Sprachkurse für Mütter. 2004 fanden 408 Kurse statt, 2005 etwa 500. Die Gesamtkosten betrugen etwa 2,2 Millionen Euro.Von der Opposition kam dennoch Kritik. Özcan Mutlu (Grüne) und Mieke Senftleben von der FDP nannten die Sprachförderung in den Kitas unzureichend. Sie forderten eine bessere Erzieherausbildung und mehr Personal. Katrin Schultze-Berndt (CDU) sagte, Sprachdefizite müssten früher festgestellt werden - am besten bei einer Pflichtuntersuchung für alle Dreieinhalb- bis Vierjährigen.------------------------------Test für VorschülerDeutsch Plus ist ein Sprachtest, der im vorigen Herbst zum zweiten Mal in Kitas und Schulen durchgeführt wurde. Die rund 25 000 Kinder, die 2005 eingeschult werden, mussten daran teilnehmen. Untersucht wurde, ob die Kinder ihrem Alter gemäß die Sprache beherrschen. Sie mussten Bilder beschreiben und Fragen beantworten.Ein Viertel der Kinder hatte so große Probleme, dass sie als förderungsbedürftig eingestuft werden. Wenn sie bereits eine Kita besuchen, sollen sie dort besonders gefördert werden. Wenn nicht, müssen sie ab kommenden Montag an einem der 80 Förderkurse an einer Grundschule teilnehmen.Förderkurse sind Pflicht. Eltern, die ihre Kinder nicht hinschicken, müssen mit Geldstrafen rechnen. Bis zu den Sommerferien haben die Kinder täglich drei Stunden Förderunterricht. Das ist eine Stunde mehr am Tag als im vergangenen Jahr. Laut Schulsenator Böger betragen die Kosten für die Kurse rund 3,5 Millionen Euro.Mehr als die Hälfte der Kinder, die zu Hause nicht deutsch sprechen, haben Förderbedarf (56,5 Prozent). Aber auch 12,4 Prozent der Kinder aus deutschsprachigen Familien haben gravierende Probleme.------------------------------Grafik: Die meisten Kinder mit Sprachdefiziten leben in Neukölln. Kinder, die in keine Kita gehen, haben häufiger Probleme.------------------------------Foto: Kreidekringel malen ist gut, schreiben lernen ist besser - jedenfalls, wenn man in die Schule geht und weiterkommen möchte.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner