Die Spritpreise in Deutschland haben ein neues Rekordhoch erreicht. Am erreichte der Preis für Super E10 ein weiteres Allzeithoch: Der Liter kostete im Tagesdurchschnitt 2,286 Euro, wie der ADAC am Dienstag mitteilte.
Das waren 1,3 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für Diesel stieg um 0,8 Cent auf 2,412 Euro pro Liter - und war damit nur noch 3,4 Cent vom Rekord aus dem April entfernt - damals kostete ein Liter Diesel 2,446 Euro im Tagesdurchschnitt.
Ein Grund für die steigenden Preise sind der hohe Preis für Rohöl sowie beschädigte Raffinerien in Kriegsgebieten. Der Öl-Preis legte angesichts der weiter zunehmenden Spannungen in der Golfregion weiter zu, wenn auch nicht mehr so stark. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent lag am Dienstagmorgen bei 107,55 Dollar, der für die US-Sorte WTI bei 103,24 Dollar pro Barrel.
Saudi-Pipeline nach Angriffen stillgelegt: Drohen Deutschland jetzt höhere Spritpreise?
Der Anstieg bringt die Politik in Zugzwang. CSU-Chef Markus Söder fordert die Bundesregierung auf, gegen die hohen Spritpreise vorzugehen. Die SPD verlangt einen Preisdeckel, die Grünen wollen Übergewinne der Mineralölkonzerne abschöpfen.
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Wie hoch die Spritpreise aktuell sind
Am Montag erreichte der Preis für Super E10 ein weiteres Allzeithoch: Der Liter kostete im Tagesdurchschnitt 2,286 Euro. Das waren 1,3 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für Diesel stieg um 0,8 Cent auf 2,412 Euro pro Liter – und liegt somit noch niedriger als im April.
Noch deutlicher fällt der Vergleich mit dem Monatsanfang aus: Am 30. August war E10 rund 12 Cent günstiger als am Sonntag, Diesel sogar etwa 20 Cent. Eine Entspannung ist laut ADAC vorerst nicht in Sicht. Angesichts des weiter steigenden Ölpreises rechnet der Verkehrsclub mit erneut leicht steigenden Preisen.
Warum steigen die Spritpreise gerade jetzt?
Als wichtigster Preistreiber gilt der Rohölpreis. Er zieht wegen der angespannten Lage im Nahen Osten an: Durch den Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus fehlen große Mengen Öl und Gas am Weltmarkt.
Ein für Montag geplantes Außenministertreffen der Golfstaaten im Oman fand nicht statt. Dort wollten der Iran und der Oman Berichten zufolge eine Vereinbarung im Streit um die Straße von Hormus vorstellen. Zudem musste Saudi-Arabien nach Drohnenangriffen eine wichtige Pipeline abschalten.
Kommen drei Euro pro Liter? Was der Tankstellenverband erwartet
Der Ölpreis erklärt aus Sicht des ADAC allerdings nicht alles. Ende April habe Rohöl der Sorte Brent etwa so viel gekostet wie jetzt – E10 habe damals aber nur bei rund 2,10 Euro gelegen.
„Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist diese Entwicklung nur schwer nachvollziehbar“, sagt eine ADAC-Sprecherin. Der Club sieht besonders auf Raffinerie- und Großhandelsebene „weiteren Erklärungsbedarf“ und fordert mehr Transparenz bei der Preisbildung.
Der Tankstellen-Interessenverband warnt vor noch höheren Preisen. „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen. Und wir haben sie an den Autobahnen ja schon“, sagte Verbandssprecher Herbert Rabl der „Rheinischen Post“. Sein Vorwurf: „Es wird abkassiert.“
Der ADAC widerspricht zumindest teilweise. Für einen Tagesdurchschnitt von drei Euro beim Diesel gebe es derzeit keine Anhaltspunkte. Ein neuer Höchststand sei aber möglich, falls sich die geopolitische Lage weiter verschärft.
Söder fordert Entlastung – Österreich als Vorbild
Söder äußerte nach einer Klausurtagung des CSU-Vorstands eine „dringende Aufforderung“ an den Bund, sich zusammenzusetzen und Lösungen zu finden. Als Vorbild nannte er Österreich, das staatliche Mehreinnahmen aus den gestiegenen Preisen an die Bürger zurückgibt.
„Wir müssen uns überlegen, wie es uns gelingt, Geld zurückzugeben, Preise zu dämpfen“, sagte der CSU-Chef. Einen konkreten Weg oder eine Höhe nannte er nicht.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt auf gezielte Direktzahlungen. Bereits im Frühjahr hatte sie für eine zeitweise höhere Pendlerpauschale und direkte Hilfen für Pendler geworben.
SPD und Grüne fordern Spritpreisdeckel und Übergewinnsteuer
In einem Positionspapier fordert die SPD einen „befristeten Spritpreisdeckel verbunden mit der Abschöpfung krisenbedingter Sondergewinne“ – nach Vorbild von Belgien oder Luxemburg.
Der Grünenvorsitzende Felix Banaszak fordert Entlastungen etwa über ein günstigeres Deutschlandticket – finanziert nicht aus Steuergeld, sondern aus abgeschöpften Übergewinnen.
Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte Zweifel an einem Preisdeckel. Ein solcher Beschluss sei nicht einfach, brauche viele Voraussetzungen und wirke „nicht unbedingt positiv“, hieß es von einer Sprecherin.
Der Branchenverband Fuels und Energie wies die Kritik zurück. Nach Abzug der staatlich bedingten Preisanteile habe der Netto-Dieselpreis in Deutschland im Schnitt unter dem aller EU-Nachbarländer sowie Italiens und Spaniens gelegen. Der Verband verweist dabei auf eine Untersuchung von Frontier Economics.
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