Zwei Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vermeldet einer der größten Energieversorger in der Region eine drastische Preiserhöhung. Leser dieser Zeitung vermuten dahinter Kalkül: Wäre die Meldung vor der Landtagswahl veröffentlicht worden, hätte das die Ränder weiter gestärkt, so die Vermutung. Dazu bezieht das Unternehmen aus Halle(Saale) nun Stellung und erklärt die Gründe.
„Aktuell ist der einzige Grund die stark gestiegenen Beschaffungskosten für Erdgas und Strom an den Energiebörsen“, sagt Iris Rudolph, Pressesprecherin der Stadtwerke Halle, zu denen das besagte Tochterunternehmen EVH gehört. Zurückzuführen sei das auf die internationale sowie geopolitische Lage. So seien die Preise für Erdgas nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem der USA um etwa 4 Cent(ct) auf insgesamt 6 Cent pro Kilowattstunde(kWh) angestiegen.
Ebenso verhalte es sich mit Elektrizität. „Strom in der Grundlast kostet an den Rohstoffbörsen derzeit etwa 13 ct/kWh, vor dem russischen Angriff auf die Ukraine waren es unter 4,0 ct/kWh und vor dem Beginn des USA-Irankonfliktes unter 8,0 ct/kWh.“ Die geplante Preiserhöhung des Versorgers solle demnach zum 1. Januar nächsten Jahres in Kraft treten. „Nach dem aktuellen Stand der Kalkulation ist bei privaten und gewerblichen Gaskunden mit rund 20 Prozent, beim Strom mit rund 10 Prozent Anstieg zu rechnen.“
Preise stehen voraussichtlich erst ab November fest
Da aber staatlich bedingte Kostenkomponenten (Netzentgelte, Umlagen und Abgaben) erst bis Ende Oktober 2026 verbindlich bekannt gegeben würden, stünden die endgültigen Preise noch nicht fest. „Die EVH wird ihre Kunden voraussichtlich Anfang November 2026 informieren“, so die Pressesprecherin. Darüber hinaus versuche das Unternehmen, die Preissteigerungen zu begrenzen, unter anderem durch den Einsatz bereits günstiger beschaffter Energiemengen.
Der Irankrieg und das Gas: Wie teuer wird es für die Kunden im Osten?
Verbraucherpreise in Sachsen-Anhalt steigen deutlich
„Grundsätzlich sind private und gewerbliche Strom- und Gaskunden betroffen. Welche Kunden tatsächlich von einer Anpassung betroffen sind, hängt vom jeweiligen Tarif und den vertraglichen Bedingungen ab.“ Insbesondere bei bestehenden Preisgarantien könnten andere Regelungen gelten. Auf Nachfrage der OAZ, warum der Preisschock erst nach der Landtagswahl bekannt gegeben wurde, verweist Sprecherin Iris Rudolph auf die üblichen Abläufe.
Übliche Abläufe – trotz Landtagswahl Sachsen-Anhalt
„Im Normalfall werden die Verbraucher erst sechs Wochen vor Preisanpassung informiert“, sagt die Sprecherin. In diesem Fall sei das ungeplant anders gelaufen. Demnach habe ein lokales Medium von der möglichen Erhöhung Wind bekommen und deswegen beim Versorger nachgefragt. Das Interview hierzu sei vergangenen Montag erfolgt, so dass die Nachricht wenig später den Weg in die Öffentlichkeit fand. Den Zusammenhang mit der Landtagswahl weist die Sprecherin im Gespräch mit dieser Zeitung zurück.
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