Ukraine-Krieg

Stärkung der Moral: Russland schickt Knochen aus dem 14. Jahrhundert an die Front

Die Russisch-Orthodoxe Kirche schickt eine Reliquie des mittelalterlichen Großfürsten Dmitri Donskoi an die Front in der Ukraine – um russische Soldaten zu unterstützen.

3 Min
Putin steht bei einem Besuch der Erzengel-Kathedrale neben den bei Restaurierungsarbeiten entdeckten sterblichen Überresten des Großfürsten Dmitri Donskoi.

Putin steht bei einem Besuch der Erzengel-Kathedrale neben den bei Restaurierungsarbeiten entdeckten sterblichen Überresten des Großfürsten Dmitri Donskoi.

© SNA/imago

Knochenfragmente des im 14. Jahrhundert verstorbenen russischen Großfürsten Dmitri Donskoi sind an die Front in der Ukraine geschickt worden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Es handelt sich demnach um Fragmente seiner rechten Hand.

Donskoi starb 1389 und gilt als bedeutender russischer Großfürst des Mittelalters. Reuters zufolge wurde er von der Russisch-Orthodoxen Kirche 1988 heiliggesprochen und wird insbesondere wegen des Sieges über die mongolische Goldene Horde in der Schlacht auf dem Kulikowo-Feld im Jahr 1380 verehrt.

Putin sprach von „einzigartiger Entdeckung“

„Ein Fragment der rechten Hand des Großfürsten – eben jener rechten Hand, mit der er auf dem Kulikowo-Feld sein Schwert führte – wurde an die Front geschickt, um den Geist der Soldaten zu stärken“, hieß es dem Bericht zufolge in einer Erklärung des Moskauer Patriarchats der russisch-orthodoxen Kirche.

Seine sterblichen Überreste waren in diesem Sommer bei Restaurierungsarbeiten in der Erzengelkathedrale des Moskauer Kremls zum Vorschein gekommen. Reuters zufolge besuchte der russische Präsident Wladimir Putin die Reliquien im August und bezeichnete den Fund als „eine absolut einzigartige und wunderbare Entdeckung“.

Die Reliquie befindet sich dem Bericht zufolge in einem kleinen, verzierten Schrein unter einer Schutzglasscheibe. Sie befinde sich auf dem Weg zur Front, erklärte die russisch-orthodoxe Kirche laut der russischen Online-Zeitung Fontanka.

Nach Reuters-Angaben soll sie russischen Kampfeinheiten entlang der mehr als 1000 Kilometer langen Frontlinie gezeigt werden. Die russisch-orthodoxe Kirche kündigte eine Prozession durch Militäreinheiten im Donbass und in anderen ukrainischen Gebieten an, wie das russische Portal Ura.ru berichtete.

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Prozession in Moskau

Ein Teil der Reliquien Donskois war laut Reuters bereits am Wochenende bei einer großen Prozession durch die Straßen Moskaus getragen worden. Zudem sei eine Reliquie bei einer Zeremonie an einer Gedenkstätte für den Zweiten Weltkrieg in Donezk am Dienstag erneut öffentlich verehrt worden.

Der hochrangige, von Russland eingesetzte Geistliche Wladimir, Metropolit von Donezk und Mariupol, sagte laut Reuters, sowohl die russischen Soldaten als auch die Menschen im Donbass benötigten „Stärkung von oben, Gottes Hilfe und den Segen unserer Heiligen“. Der Donbass umfasst die Regionen Donezk und Luhansk, die zu einem großen Teil von Russland kontrolliert werden.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hatte frühere Berichte über die geplante Entsendung der Knochenfragmente bereits im August kommentiert. „Das wird wohl kaum dazu beitragen, den Krieg zu beenden. Aber wenn Putin seinen Platz einnehmen würde, könnte das vielleicht gelingen“, schrieb er auf X.

Die Reliquie wird zu einem Zeitpunkt an die Front gebracht, an dem die russischen Truppen nach Angaben von Reuters versuchen, die Region Donezk vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Zugleich kamen die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges bislang nicht entscheidend voran.

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