Medienbericht

Pentagon in der Musk-Falle: Starlink-Preise explodieren im Iran-Krieg

Während des Iran-Krieges soll Elon Musks Konzern SpaceX höhere Starlink-Preise vom Pentagon verlangt haben. Der Fall zeigt, wie abhängig das US-Militär von Musks Satellitensystem geworden ist.

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Elon Musks Satellitennetz Starlink ist für das US-Militär im Iran-Krieg offenbar so wichtig, dass ein Streit über höhere Preise eskaliert.

Elon Musks Satellitennetz Starlink ist für das US-Militär im Iran-Krieg offenbar so wichtig, dass ein Streit über höhere Preise eskaliert.

© Markus Schreiber/dpa

Während die USA ihre Angriffe gegen den Iran ausweiteten, kam es hinter den Kulissen offenbar zu einem ungewöhnlichen Machtkampf zwischen dem Pentagon und SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk. Das berichtet Reuters unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen sowie interne Pentagon-Dokumente.

Demnach verlangte SpaceX während des Iran-Krieges deutlich höhere Gebühren für die Nutzung seines Satellitennetzwerks Starlink durch amerikanische Angriffsdrohnen. Konkret ging es um sogenannte LUCAS-Drohnen – günstige Kamikaze-Drohnen der USA, die laut Reuters mit iranischen Shahed-Drohnen vergleichbar sind.

SpaceX wollte plötzlich das Fünffache

Nach Angaben von Reuters argumentierten SpaceX-Manager gegenüber Pentagon-Vertretern, das US-Militär habe bislang nur rund 5000 US-Dollar pro Starlink-Terminal bezahlt, tatsächlich aber einen deutlich teureren Premiumdienst genutzt. Für diesen verlangte SpaceX demnach plötzlich bis zu 25.000 US-Dollar pro Monat und Terminal.

Das Pentagon hielt die Forderung laut Reuters zunächst für überzogen. Die hohe Tarifstufe sei eigentlich für Flugzeuge gedacht – nicht für Drohnen, die teilweise nur wenige Minuten oder Stunden online seien. Letztlich habe das US-Verteidigungsministerium der Preiserhöhung aber zugestimmt. Dadurch hätten sich die Kosten pro LUCAS-Drohne nahezu verdoppelt.

SpaceX äußerte sich laut Reuters nicht zu den Vorwürfen. Das Pentagon wollte die Preisverhandlungen ebenfalls nicht kommentieren. Ein Pentagon-Sprecher erklärte lediglich, man prüfe alternative Anbieter.

Pentagon offenbar stark von Musk abhängig

Der Streit zeigt laut Reuters, wie abhängig die USA inzwischen von Musks Satellitennetz geworden sind. Starlink gilt seit dem Ukraine-Krieg als entscheidende Infrastruktur moderner Kriegsführung. Das System ermöglicht militärische Kommunikation, Drohnensteuerung und Zielerfassung auch in abgelegenen Regionen.

Reuters verweist darauf, dass SpaceX inzwischen rund 10.000 Satelliten betreibt und damit mehr als 60 Prozent aller aktiven Satelliten im Orbit kontrolliert. Konkurrenzsysteme wie OneWeb oder Amazons geplantes Kuiper-Netzwerk seien deutlich kleiner.

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Der Sicherheitsexperte Clayton Swope vom Center for Strategic and International Studies sagte Reuters: „SpaceX hat die US-Regierung praktisch in der Hand.“ Anders als klassische Rüstungskonzerne verfüge das Unternehmen neben Regierungsaufträgen über ein riesiges kommerzielles Geschäft und könne deshalb deutlich aggressiver auftreten.

Starlink-Ausfälle sorgten bereits in Ukraine für Probleme

Reuters erinnert zudem an frühere Konflikte um Musks Satellitensystem. Bereits im Ukraine-Krieg hatte Musk 2022 Teile des Starlink-Netzes während einer ukrainischen Gegenoffensive abschalten lassen. Ukrainische Operationen seien dadurch gestört worden. Nach der gezielten Sperrung nicht verifizierter Starlink-Terminals durch SpaceX musste das russische Militär Anfang des Jahres auf alternative Kommunikationssysteme an der Front zurückgreifen. Auch Tests der US-Marine seien im vergangenen Jahr durch einen weltweiten Starlink-Ausfall beeinträchtigt worden.

Besonders brisant: Laut Reuters erklärte Musk zu Beginn des Iran-Krieges öffentlich auf X, die Nutzung normaler Starlink-Terminals für Waffensysteme verstoße gegen die Nutzungsbedingungen seines Unternehmens. Für militärische Anwendungen gebe es stattdessen das speziell für Regierungsbehörden entwickelte System „Starshield“. Kurz nach diesem öffentlichen Hinweis begannen laut Reuters die Gespräche über höhere Preise.

Weitere Milliardenforderungen wegen Iran

Auch bei einem zweiten Projekt soll es laut Reuters Streit gegeben haben. Das Pentagon wollte demnach iranischen Bürgern trotz staatlicher Internetsperren Zugang zu Kommunikation über Starlink ermöglichen. SpaceX habe dafür ein System vorgeschlagen, das ähnlich wie ein 5G-Netz direkt mit Mobiltelefonen kommuniziert – ohne klassische Satellitenterminals am Boden.

Reuters zufolge verlangte SpaceX dafür bis zu 500 Millionen US-Dollar für den Aufbau sowie zusätzliche monatliche Betriebskosten von rund 100 Millionen US-Dollar. Das habe innerhalb des Pentagon erhebliche Sorgen ausgelöst. Ob es inzwischen eine Einigung gibt, blieb zunächst offen.

Bereits im Februar hatte das Wall Street Journal berichtet, die USA hätten heimlich tausende Starlink-Terminals in den Iran gebracht, um staatliche Internetsperren zu umgehen und Regimegegner online zu halten. Laut dem Bericht sorgte die Aktion intern für Streit, weil Gelder aus anderen Programmen zur Förderung von Internetfreiheit umgeschichtet wurden und Kritiker vor einer wachsenden strategischen Abhängigkeit von Elon Musks Infrastruktur warnten.

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