Sabotageverdacht

Starlink-Sabotage in Polen: Zwei Türken in Deutschland festgenommen

Nach dem Brand einer wichtigen Satellitenstation präsentieren Polens Ermittler neue Beweise. Die Sicherheitsbehörden vermuten weitere Beteiligte und einen russischen Geheimdienstauftrag.

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Polens Innenminister Marcin Kierwiński bei einer Kabinettssitzung in Warschau.

Polens Innenminister Marcin Kierwiński bei einer Kabinettssitzung in Warschau.

© Grzegorz Krzyżewski/imago

Nach einem mutmaßlichen Sabotageanschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen sind zwei türkische Staatsbürger in Deutschland festgenommen worden. Die Männer stehen im Verdacht, am 23. September eine Anlage für Satellitenkommunikation südlich von Warschau in Brand gesetzt zu haben. Polens Regierung geht davon aus, dass der Anschlag im Auftrag russischer Geheimdienste verübt wurde. Die Ermittler vermuten zudem weitere Beteiligte.

Die Festnahmen gab Innenminister Marcin Kierwiński am Montagabend bei einer Pressekonferenz in Warschau bekannt. Nach Angaben der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza wurden die beiden Männer vom deutschen Bundeskriminalamt (BKA) festgenommen. Grundlage waren Ermittlungsergebnisse der polnischen Polizei, des Inlandsgeheimdienstes ABW und der Staatsanwaltschaft.

„Heute wurden dank der intensiven Arbeit der polnischen Polizei, des Zentralen Ermittlungsbüros und der Agentur für Innere Sicherheit zwei türkische Staatsbürger auf deutschem Gebiet festgenommen“, erklärte Kierwiński.

Ministerpräsident Donald Tusk sprach von einem weiteren Akt hybrider Kriegsführung. Die Täter der Sabotage müssten sich vor der polnischen Justiz verantworten, schrieb er auf der Plattform X.

Zwei türkische Staatsbürger in Deutschland festgenommen

Bei der Pressekonferenz wurden weitere Einzelheiten über die Verdächtigen bekannt. Wie Polens Polizeichef Marek Boroń erklärte, verfügte einer der Männer über einen Aufenthaltstitel in Deutschland. Der andere sollte nach seinen Angaben aus Deutschland abgeschoben werden.

Die polnischen Behörden bemühen sich nun um die Überstellung beider Verdächtiger. Anschließend sollen ihnen nach Angaben Kierwińskis Vorwürfe wegen Sabotage im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes gemacht werden.

Die Ermittler verfügen offenbar über umfangreiches Beweismaterial. „Wir haben Aufnahmen, Fingerabdrücke und Spuren der Täter“, erklärte Polizeichef Boroń. Die Behörden hätten zudem rekonstruieren können, wann die Verdächtigen nach Polen eingereist seien, wie sie sich dort bewegt und wann sie das Land wieder verlassen hätten.

Ob die beiden Männer bereits in Deutschland zu den Vorwürfen vernommen wurden, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Auch ihre Namen und ihr Alter sind bislang nicht öffentlich bekannt.

Polens Geheimdienste vermuten weitere Täter

Nach Einschätzung des polnischen Geheimdienstkoordinators Tomasz Siemoniak waren möglicherweise weitere Personen an der Tat beteiligt. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Festgenommenen nicht allein gehandelt hätten.

„Wir sprechen von Personen, die unmittelbar an der Durchführung des Angriffs beteiligt waren“, erklärte Siemoniak. Es gebe begründete Hinweise darauf, dass weitere Täter an den Vorbereitungen und der Ausführung mitgewirkt hätten.

Der Minister erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen Moskau. „Wir haben keinen Zweifel daran, dass russische Geheimdienste hinter diesem Sabotageakt stehen“, sagte er.

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Nach Siemoniaks Darstellung greifen russische Nachrichtendienste zunehmend auf Personen aus dem kriminellen Milieu zurück, um Anschläge im Ausland ausführen zu lassen.

Die mutmaßliche russische Auftraggeberschaft ist allerdings bislang nicht durch öffentlich zugängliche Beweise bestätigt. Auch gegen die beiden Festgenommenen sind nach den bisher veröffentlichten Angaben noch keine rechtskräftig festgestellten Vorwürfe erhoben worden.

Brandanschlag sollte offenbar Starlink-Verbindungen zur Ukraine treffen

Der Brand ereignete sich am Abend des 23. September in Wola Krobowska, rund 60 Kilometer südwestlich von Warschau. Auf dem Gelände einer Starlink-Bodenstation gerieten Teile der Stromversorgung in Brand. Beschädigt wurden unter anderem eine Schaltanlage und ein Stromgenerator.

Starlink gehört zum Raumfahrtunternehmen SpaceX des US-Milliardärs Elon Musk. Das Satelliteninternetsystem wird auch in der Ukraine genutzt, unter anderem von den Streitkräften.

Die betroffene Bodenstation ist Teil der Infrastruktur, über die Starlink-Internetverbindungen in Mittel- und Osteuropa bereitgestellt werden. Nach dem Brand konnte die Anlage wieder in Betrieb genommen werden.

Die polnische Staatsanwaltschaft leitete am 25. September Ermittlungen wegen mutmaßlicher Sabotage, einer möglichen terroristischen Straftat und des Verdachts auf Tätigkeit für einen ausländischen Nachrichtendienst ein.

Bereits damals erklärten die Ermittler, es gebe begründete Hinweise darauf, dass die Täter im Auftrag russischer Geheimdienste gehandelt haben könnten. Ziel sei offenbar gewesen, den Internetverkehr über Starlink in Polen und weiteren Ländern Mittel- und Osteuropas zu beeinträchtigen.

Nach Angaben des stellvertretenden Innenministers Czesław Mroczek bestätigten Aufnahmen der Überwachungskameras, dass das Feuer vorsätzlich gelegt worden war.

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