Nachthimmel

Astro-Trend: In Ostdeutschland strahlen die Sterne am hellsten

Drei der acht deutschen Sternenparks liegen im Osten. Die Altmark in Sachsen-Anhalt will dazugehören und strebt nun die nächste Zertifizierung an.

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Die Elblandschaft bei Tangerhütte in der Altmark – fernab von Großstädten und Industrieanlagen ist der Nachthimmel hier noch besonders sternenreich.

Die Elblandschaft bei Tangerhütte in der Altmark – fernab von Großstädten und Industrieanlagen ist der Nachthimmel hier noch besonders sternenreich.

© Jens Ernst

Vom Großen Wagen bis zur Milchstraße – ein klarer Nachthimmel hat schon so manchen innehalten lassen, den Blick nach oben gerichtet, auf der Suche nach dem Kleinen Wagen oder dem zarten Schimmern des Andromedanebels. Doch solche Momente werden seltener. Straßenlaternen, Flutlicht und Leuchtreklame überstrahlen längst selbst die hellsten Sterne. Wer heute in Deutschland einen wirklich strahlenden Sternenhimmel erleben will, muss gezielt danach suchen. Auffällig oft, lassen sich die schönsten Nachthimmel im Osten Deutschlands bewundern.

In der dünn besiedelten Altmark im Norden Sachsen-Anhalts arbeitet die Initiative „Altmarkmacher“ daran, die Region als offiziellen Sternenpark anerkennen zu lassen. Gelingt das Vorhaben, würde die Altmark den ohnehin schon sternenreichen Osten Deutschlands um einen weiteren zertifizierten Park ergänzen.

Amanda Hasenfusz, Vorstandsvorsitzende der Initiative, stammt selbst aus dem südlichen Teil der Altmark und lebt heute im Norden der Region. Dort sei der Nachthimmel besonders klar, sagt sie. Das liege vor allem an der geringen Lichtverschmutzung. Vor zwei Jahren gründete sie gemeinsam mit anderen Mitgliedern die Initiative – auch weil bereits verschiedene Medien auf die außergewöhnliche Sternenklarheit der Region aufmerksam geworden waren.

Von den acht Gebieten, die die International Dark-Sky Association (IDA) hierzulande als sogenannte „Dark Sky Places“ ausgezeichnet hat, liegen drei in den östlichen Bundesländern: der Natur- und Sternenpark Westhavelland in Brandenburg, der Sternenpark im Biosphärenreservat Rhön – der sich über Teile Thüringens erstreckt – sowie die Sternwarte St. Andreasberg im Harz an der Grenze zu Sachsen-Anhalt.

Welcher Nachthimmel bekommt den Sternenpark-Status?

Die Auszeichnung verdient sich ein Nachthimmel nicht nur dadurch, besonders schön anzusehen zu sein. Die Region hat einiges zu tun, wenn sie ein Sternenpark werden möchte. Die IDA ist eine internationale Organisation, die weltweit sogenannte Lichtverschmutzung bekämpft, indem sie sich gegen die künstliche Aufhellung des Himmels bei Nacht einsetzt. Das funktioniert beispielsweise mit dem Anreiz, Sternenpark zu werden.

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Um das Gütesiegel zu erhalten, müssen sich Gemeinden einer Region verpflichten, ihre Straßenbeleuchtung so umzurüsten, dass das Licht nach unten abstrahlt und blaue Lichtanteile reduziert werden. Zusätzlich sind Veranstaltungen zur Aufklärung über Lichtverschmutzung, astronomische Führungen und ausgewiesene Beobachtungspunkte Voraussetzung. Ein schneller Prozess ist das nicht: „Das kann durchaus bis zu sieben Jahre dauern“, sagt Hasenfusz. Derzeit konzentriere sich die Initiative darauf, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und die Kommunen untereinander zu vernetzen.

In zertifizierten Sternenparks lassen sich bei klarer Nacht bis zu 3.000 Sterne mit bloßem Auge erkennen. Zum Vergleich: In Ballungsgebieten wie dem Rhein-Ruhr-Gebiet oder dem Großraum Berlin sind es oft nur wenige Dutzend. Der Schutz der Dunkelheit ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. Künstliches Licht in der Nacht hat weitreichende ökologische Folgen: Unzählige Insekten verglühen jährlich an Lampen oder kreisen um Laternen, bis sie vor Erschöpfung sterben. Zugvögel werden durch den sogenannten Lichtsmog von ihren Routen abgebracht, Fledermäuse meiden beleuchtete Gebiete. Die Sternenparks leisten daher auch einen Beitrag zum Artenschutz.

5.000 Quadratkilometer Sternenhimmel

Die Altmark bringt für eine Zertifizierung günstige Voraussetzungen mit. Das rund 5.000 Quadratkilometer große Gebiet ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands. Keine Autobahnen und keine großen Bundesstraßen durchschneiden das Gebiet, keine Industrieanlagen strahlen in den Himmel. „Wir wollen aus dem strukturellen Nachteil der Altmark einen Vorteil machen“, sagt Hasenfusz. Die Initiative setzt dabei auch auf den Tourismus als wachsenden Wirtschaftsfaktor. Ein zertifizierter Sternenpark könne dafür ein maßgeblicher Baustein sein, so Hasenfusz.

Ein ehemaliger DDR-Grenzturm in Bömenzien in der Altmark. Die Region grenzt unmittelbar an das Grüne Band, den längsten Biotopverbund Deutschlands.

Ein ehemaliger DDR-Grenzturm in Bömenzien in der Altmark. Die Region grenzt unmittelbar an das Grüne Band, den längsten Biotopverbund Deutschlands.

© Helmut Schnieder

Die Region ist von UNESCO-Biosphärenreservaten umgeben – dem Drömling und der Elbaue – und grenzt unmittelbar an das Grüne Band, den längsten Biotopverbund des Landes. Angesichts globaler Krisen geht Hasenfusz davon aus, dass sich das Reiseverhalten vieler Menschen verändern wird – weg vom Massentourismus, hin zu ruhigeren Orten. Davon könne die Altmark profitieren: gerade weil sie abgelegen und dünn besiedelt ist – und erst recht mit einem zertifizierten Sternenpark.

Zahlreiche Natura-2000-Gebiete, also nach EU-Recht geschützte Naturräume, durchziehen die Landschaft. Die geringe Besiedlungsdichte und das Fehlen größerer Lichtquellen sorgen dafür, dass die nächtliche und sternenklare Dunkelheit in der Altmark nach Angaben der regionalen Tourismusförderung „ihresgleichen in Europa sucht“.

Wo in Deutschland die meisten Sterne funkeln

Dass in Ostdeutschland so viele Sternenparks liegen, hat strukturelle Gründe. Die geringere Bevölkerungsdichte, das Fehlen großer Industrieagglomerationen und die vergleichsweise zurückhaltende nächtliche Beleuchtung vieler Kommunen schaffen Bedingungen, die in den westdeutschen Ballungsräumen kaum noch existieren. Der Natur- und Sternenpark Westhavelland etwa, nur rund 70 Kilometer westlich von Berlin gelegen, war 2014 der erste zertifizierte Sternenpark Deutschlands überhaupt. Das Dorf Gülpe in der Kernzone des Parks gilt als einer der Orte, an denen man Sterne am besten beobachten kann.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es Bestrebungen, die Dunkelheit touristisch zu nutzen. Der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide hat Standorte für Sternenbeobachtung ausgewiesen, das Mecklenburger Parkland plant einen Astrolehrpfad mit Teleskop-Stationen.

Der wachsende Astro-Trend

Neben dem Interesse daran, was das Jahr des Pferdes so besonders macht und was man in den Raunächten alles nicht machen darf, steigt auch die Nachfrage nach nächtlichen Naturerlebnissen. Noch vor 50 Jahren gehörte der Anblick der Milchstraße für die meisten Menschen zu einem gewohnten Bild, wenn sie einen Blick in den Himmel warfen. Heute gibt es laut Fachleuten viele, die sie noch nie mit eigenen Augen gesehen haben. Die Sternenparks versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken – auch mit geführten Nachtwanderungen, Sternenbeobachtungsplätzen und speziellen Unterkünften mit Panorama-Dachfenstern.

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