Berlin

Strandbad Halensee vor dem Aus: Wie Berlin einen besonderen Ort kaputtreguliert

Das Strandbad Halensee steht vor dem Aus. Wie viel Regulierung verträgt ein Ort, bevor Berlin ihn kaputtmacht? Ein Gastbeitrag.

Ernst Matthias Ehrenkönig
5 Min
Strandbads Halensee am letzten Septemberwochenende.

Strandbads Halensee am letzten Septemberwochenende.

© Ernst Matthias Ehrenkönig

Am Halensee in Charlottenburg-Wilmersdor ist etwas entstanden, das in Berlin selten geworden ist: ein außergewöhnlicher Ort am Rande der City-West, eine Oase am Wasser – ruhig, freundlich, gelassen und offen für alle. Nun steht dieser Ort kurz nach seiner Wiedereröffnung vor dem Aus.

Die Geschichte dahinter erzählt nicht nur von Investitionen und Genehmigungsverfahren. Sie erzählt auch davon, wie Verwaltung mit einem Ort umgeht, der aus meiner Sicht eigentlich gefördert und bewahrt werden müsste.

Ich bin unmittelbarer Nachbar des Strandbads Halensee. Unser Büro liegt nebenan. Ich kenne diesen Ort nicht aus Akten oder vom Hörensagen, sondern aus dem Alltag – auch an Wochenenden. Menschen liegen am Strand, sitzen im großen Garten und verbringen dort ihren Nachmittag. Man isst etwas, unterhält sich, manchmal gibt es Musik, manchmal spielt jemand am Flügel. Die Atmosphäre ist freundlich und entspannt, fast wie aus einer anderen Zeit.

Ich selbst habe dort weder Security noch Polizeieinsätze oder aggressive Auseinandersetzungen erlebt. Der Ort, der unter dem Namen Das Halensee auftritt, zeigt für mich, dass ein friedliches und gelassenes Miteinander am Wasser mitten in der Großstadt möglich ist. Umso schwerer ist nachzuvollziehen, dass ausgerechnet dieser Ort nun vor dem Aus steht.

Strandbads Halensee am letzten Septemberwochenende.

Strandbads Halensee am letzten Septemberwochenende.

© Ernst Matthias Ehrenkönig

Strandbad Halensee: Betreiber investierte Millionen

Natürlich gibt es auch die wirtschaftliche Seite. Der Betreiber hat nach eigenen Angaben Millionen Euro investiert, Arbeitsplätze geschaffen und erhebliches persönliches und wirtschaftliches Risiko übernommen. Inzwischen mussten nach seiner Darstellung 19 Arbeitsverhältnisse gekündigt werden. Auch der von der Initiative vorgelegte Zeitstrahl nennt diese Zahl.

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Aber wer diese Geschichte nur auf Geld und Unternehmertum reduziert, verfehlt aus meiner Sicht ihren Kern. Hier wurde nicht einfach ein Geschäft eröffnet. Hier ist ein Ort entstanden, der Berlin lebenswerter macht.

Seit 2024 wurde renoviert, geplant, beantragt und nachgebessert. Nach der vom Betreiber vorgelegten Chronologie wurden unter anderem Bauunterlagen ergänzt, Ingenieure und Sachverständige eingeschaltet sowie Nachweise zu Freiflächen, Lärmschutz und Stellplätzen verlangt. Im November 2025 wurden demnach drei Bauanträge für das weitergehende Betriebskonzept eingereicht; Anfang 2026 folgten weitere Nachforderungen der Bauaufsicht.

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Es ging um Gaststätte, Café und Biergarten, Strandbar, Lärmschutz, Stellplätze, Steganlagen und den Wasseraustausch im Nichtschwimmerbecken. Weitere Unterlagen wurden im Mai 2026 eingereicht.

Strandbads Halensee am letzten Septemberwochenende.

Strandbads Halensee am letzten Septemberwochenende.

© Ernst Matthias Ehrenkönig

Behörde besichtigt Strandbad – Verfahren laufen trotzdem weiter

Im Juli schien das Ziel näher zu rücken. Am 16. Juli fand laut der vorgelegten Chronologie eine behördliche Abnahmebesichtigung statt. Kontrolliert wurden unter anderem Sanitäranlagen, Strandbar, Erste-Hilfe-Bereich, Umkleiden, Duschen und der Gesamtzustand.

Fünf Tage später wurde das Ergebnis schriftlich festgehalten: Das Strandbad mache einen „gepflegten und guten Eindruck“ und könne seinen Betrieb aufnehmen, heißt es in der Chronologie. Kurz danach wurden auch die drei Steganlagen wasserrechtlich genehmigt und der Wasseraustausch im Nichtschwimmerbecken erlaubt – allerdings teilweise mit weiteren Auflagen und Nutzungsbeschränkungen.

Damit hätte man annehmen können, ein wesentlicher Teil der Hürden sei genommen. Doch andere Verfahren liefen weiter.

Nach Angaben des Betreibers führten Beschwerden im Sommer zu weiteren Prüfungen wegen Musik, Außenlautsprechern, Veranstaltungstagen und Pumpengeräuschen. Am 27. August befasste sich das Ordnungsamt laut der vorgelegten Chronologie mit einer Untersagung regelmäßiger Musikdarbietungen, Live-Musik und weiterer Veranstaltungen.

Zustand der Außenanlagen des Strandbades Halensee vor der Sanierung.

Zustand der Außenanlagen des Strandbades Halensee vor der Sanierung.

© Dr. Michael Oldengott, Betreiber der Anlage

Im September waren nach Darstellung des Betreibers zwei Nachforderungsrunden der Bauaufsicht abgearbeitet. Eine weitere Nachforderung betraf ein zusätzliches Lärmschutzgutachten. Die Genehmigungen für das Gesamtkonzept lagen demnach weiterhin nicht vor. Schließlich kündigte der Betreiber die Aufgabe des Projekts an. Nach seiner Darstellung gab nicht eine einzelne Auflage den Ausschlag, sondern die Summe aus Verfahren, Nachforderungen, Kosten und fehlender Planungssicherheit.

Halensee: Wann wird Regulierung zum Problem?

Eine Millionenstadt braucht Regeln. Behörden müssen Beschwerden prüfen. Auch Lärmschutz, Brandschutz und baurechtliche Vorgaben sind nicht optional. Aber Verwaltung bedeutet aus meiner Sicht mehr, als Vorschriften einzeln abzuarbeiten. Sie bedeutet auch Abwägung, Verhältnismäßigkeit und Verantwortung für das Ergebnis.

Genau dort liegt für mich das Problem. Am Ende steht ein gepflegter und friedlicher Ort vor dem Aus, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen gemeinsam ihre Freizeit verbringen. Das ist schwer nachvollziehbar.

Wo das Zusammenleben schwierig ist, diskutiert Berlin seit Jahren über Respekt, Rücksichtnahme und friedliches Miteinander. Wo genau dieses Miteinander funktioniert, darf ein Zusammenspiel aus Beschwerden, Vorschriften und langwierigen Verfahren nicht dazu führen, dass ein solcher Ort am Ende verschwindet.

Initiative „Das Halensee – Schluss mit Schluss“ will sich wehren

Deshalb haben wir die Initiative Das Halensee – Schluss mit Schluss gegründet. Nachbarn, Unternehmer, Juristen und weitere Unterstützer wollen die Vorgänge nachvollziehen, Öffentlichkeit herstellen und Entscheidungen, Zuständigkeiten und deren Folgen sichtbar machen.

Wir wollen widersprechen, wenn sich Verwaltung aus unserer Sicht in Vorschriften verliert. Sie braucht nicht nur den Mut, Nein zu sagen, sondern ebenso den Mut, vorhandene Spielräume zu nutzen, abzuwägen und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass etwas entstehen und erhalten bleiben kann.

Am Halensee geht es deshalb inzwischen um mehr als ein Strandbad. Es geht um die Frage, welche Stadt Berlin sein will: eine Stadt, die friedliche, schöne und funktionierende Orte schützt – oder eine Stadt, in der Verfahren und Vorschriften am Ende stärker sind als das, was für viele Menschen geschaffen wurde.

Für uns ist Schluss mit Schluss – und auch Schluss mit stillem Zuschauen. Der Berliner würde es vielleicht so ausdrücken: „Die brauchen wohl mal ’nen Weckruf.“ Den wird es jetzt geben.

Zum Autor: Ernst-Matthias Ehrenkönig ist Berliner Unternehmer, unmittelbarer Nachbar des Strandbads Halensee und Mitinitiator der Initiative „Das Halensee – Schluss mit Schluss“.

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