Energie

Straße von Hormus: Ölexporte erholen sich – Iran drängt Tanker auf eigene Route

Der Tankerverkehr durch Hormus läuft wieder an. Doch mehrere Schiffe drehten auf der Route vor Oman um und fuhren anschließend näher an der iranischen Küste weiter.

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Kinder waten durch das Wasser, während Frachtschiffe in der Straße von Hormus vor Anker liegen.

Kinder waten durch das Wasser, während Frachtschiffe in der Straße von Hormus vor Anker liegen.

© Amirhosein Khorgooi/AP

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zeigt vorsichtige Anzeichen einer Erholung. Am Sonntag wurden nach Angaben von Bloomberg mindestens sechs Öl- und Gastanker auf einer Route nahe der Küste des Oman beobachtet, die von den USA geschützt wird. Weitere kleinere Tanker verließen den Persischen Golf dagegen über eine Strecke näher am Iran.

Die Entwicklung folgt auf mehrere ungewöhnliche Kehrtwenden. Zwischen Freitag und Samstag drehten laut Bloomberg mindestens acht Schiffe auf der Route entlang des Oman um. Vier von ihnen fuhren anschließend weiter in Richtung einer Passage näher an der iranischen Küste und verließen die Meerenge offenbar dort.

Eine offizielle Erklärung für die Manöver gab es zunächst nicht. Der Iran hat Handelsschiffe jedoch wiederholt per Funk aufgefordert, die Straße von Hormus nur über von Teheran genehmigte Routen zu passieren. Die iranische Führung beansprucht dauerhaft das Recht, den Verkehr in der Meerenge zu kontrollieren und künftig möglicherweise Gebühren zu erheben. Die USA betrachten Hormus dagegen als internationale Wasserstraße.

Iranische Kräfte bedrängen Handelsschiffe

Das von westlichen Seestreitkräften getragene Joint Maritime Information Center stuft die Bedrohung für die Schifffahrt weiterhin als „erheblich“ ein. Seeleute wurden zudem vor Minen in und nahe den üblichen Fahrspuren gewarnt. Das Zentrum erklärte nach Angaben von Bloomberg am Sonntag erneut, iranische Kräfte würden Handelsschiffe bedrängen. Mehrere Besatzungen hatten in den vergangenen Monaten gemeldet, von iranischer Seite vor einer Durchfahrt ohne Zustimmung Teherans gewarnt worden zu sein. Schiffe, die den Anweisungen nicht folgten, gerieten teils unter Beschuss.

Nach einem iranischen Drohnenangriff auf einen Frachter nahe der Küste des Oman griff das US-Militär Ende Juni iranische Raketen- und Drohnenlager sowie Küstenradaranlagen an. Washington bezeichnete die Schläge als Vergeltung für den Angriff auf das Handelsschiff.

Viele Schiffe passieren die Meerenge inzwischen mit abgeschalteten Ortungssystemen. Diese sogenannten dunklen Durchfahrten erschweren eine genaue Erfassung des Verkehrs. Nach Bloomberg-Daten überquerten am Samstag 19 Schiffe die Meerenge in beide Richtungen. Nur eines kündigte seine Einfahrt entlang der omanischen Küste offen an.

Ölexporte erholen sich, Risiko bleibt hoch

Reuters berichtete am Montag, die Ölexporte der Golfstaaten über Hormus nähmen wieder zu. Sie liegen demnach jedoch weiterhin rund 40 Prozent unter dem Niveau vor dem Krieg. Die vorsichtige Erholung trug zuletzt dazu bei, die Ölpreise zu stabilisieren. Bloomberg zitierte einen US-Vertreter, wonach womöglich bereits wieder mehr als zehn Millionen Barrel Öl die Straße von Hormus pro Tag passierten.

Für Reedereien bleibt die Lage unübersichtlich. Der Iran verlangt eine Abstimmung mit seinen Revolutionsgarden, während die USA weiter die eigene geschützte Route entlang des Oman unterstützen. Diese konkurrierenden Ansprüche erschweren eine Rückkehr zum normalen Schiffsverkehr.

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Opec+ erhöht Förderquote

Die sieben wichtigsten Staaten der Opec+ wollen ihre Förderquote im August erneut um 188.000 Barrel pro Tag anheben. Das teilte das Bündnis aus Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und dem Oman am Sonntag mit. Bereits für Juli hatte die Gruppe eine Steigerung in gleicher Höhe beschlossen. Nach Angaben der dpa behält sich die Opec+ jedoch vor, den Produktionszuwachs je nach Marktlage zu beschleunigen, auszusetzen oder wieder zurückzunehmen.

Analysten rechnen allerdings damit, dass die tatsächliche Förderung zunächst unter den vereinbarten Quoten bleibt. Giovanni Staunovo von der Schweizer Bank UBS sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Produktion liege derzeit wahrscheinlich noch unter den Zielen der Opec+. Ole Hansen von der Saxo Bank verwies darauf, dass gedrosselte Förderanlagen nicht sofort wieder vollständig hochgefahren werden könnten. Mit einer deutlicheren Erholung sei erst im August zu rechnen.

Sollte sich der Verkehr durch die Straße von Hormus weiter normalisieren, dürfte mehr Öl auf den Weltmarkt gelangen. Bloomberg zitierte einen US-Vertreter, wonach womöglich bereits wieder mehr als zehn Millionen Barrel pro Tag durch die Meerenge transportiert werden. Jorge León vom Analysehaus Rystad Energy erwartet für das kommende Jahr sogar ein Überangebot auf dem Ölmarkt.

LNG-Handel bleibt angespannt

Beim Flüssigerdgas bleiben die Folgen der Störungen dagegen spürbar. Durch die Straße von Hormus werden unter normalen Bedingungen rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels transportiert. Nach Angaben der Bundesnetzagentur bezog Deutschland im ersten Halbjahr zwar bereits zwölf Prozent seiner Gasimporte über LNG-Terminals. Die Mengen stammen bislang überwiegend aus den USA. Betreiber deutscher Terminals berichteten jedoch, dass Händler ursprünglich für Europa bestimmte Ladungen wegen höherer Preise nach Asien umgeleitet hätten.

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