Die Vereinten Nationen haben die Evakuierung Hunderter Schiffe aus der Straße von Hormus vorerst gestoppt. Auslöser ist ein Angriff auf einen Frachter nahe der Küste Omans, der die ohnehin fragile Sicherheitslage in der strategisch wichtigen Meerenge erneut verschärft hat. Das teilte die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) am Donnerstag mit. Über den Stopp berichteten unter anderem die Nachrichtenagenturen AP und Reuters.
IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez erklärte, die Evakuierung werde ausgesetzt, bis ausreichende Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf der Evakuierungsliste und für den Schiffsverkehr in der Region vorlägen. Der angegriffene Frachter sei nach seinen Angaben nicht Teil der von den Vereinten Nationen koordinierten Evakuierungsaktion gewesen.
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Frachter nahe Oman getroffen
Betroffen war der unter der Flagge Singapurs fahrende Frachter Ever Lovely der taiwanischen Reederei Evergreen Marine. Das Unternehmen teilte mit, das Schiff sei auf einer von der britischen Seefahrtbehörde UKMTO empfohlenen Route von einem unbekannten Objekt getroffen worden. Verletzt wurde niemand. Das Schiff konnte seine Fahrt fortsetzen.
Ein US-Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AP unter der Bedingung der Anonymität, der Frachter sei von einer Drohne der iranischen Revolutionsgarden angegriffen worden. Zwei US-Regierungsvertreter erklärten auch gegenüber Reuters, der Iran habe auf das Schiff geschossen. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor. Teheran hat den Angriff bislang nicht eingeräumt.
Iran beharrt auf Kontrolle der Meerenge
Kurz vor dem Zwischenfall hatte der Iran seine Ansprüche auf die Kontrolle der Straße von Hormus erneut bekräftigt. Die neu geschaffene iranische Behörde für die Meerenge erklärte auf X, Schiffe außerhalb der von Teheran genehmigten Routen könnten nicht mit einer Garantie für sichere Passage rechnen.
Der stellvertretende iranische Außenminister Kasem Gharibabadi kritisierte zudem eine gemeinsame Erklärung der USA und der sechs Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC). Darin hatten Washington und die Golfstaaten freie, uneingeschränkte Schifffahrt ohne Gebühren oder andere Beschränkungen gefordert. Das iranische Außenministerium sprach von einer „interventionistischen, unverantwortlichen und provokativen“ Erklärung und warnte die Golfstaaten vor einer weiteren Annäherung an die USA.
500 Schiffe und 11.000 Seeleute weiter in Gefahr
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtswegen der Welt. Vor dem Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran passierten täglich rund 130 Schiffe die Meerenge, über die etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und große Mengen Flüssiggas transportiert wurden. Erst vor zwei Tagen hatte die IMO mit der Evakuierung von rund 500 bis 600 im Persischen Golf festsitzenden Schiffen begonnen. An Bord befanden sich nach Angaben der Organisation etwa 11.000 Seeleute. Die Schiffe sollten über einen neu eingerichteten südlichen Korridor entlang der Küste Omans aus der Gefahrenzone gebracht werden.
Waffenruhe gerät erneut unter Druck
Der jüngste Angriff stellt die vorläufige Vereinbarung zwischen Washington und Teheran erneut auf die Probe. Beide Seiten hatten sich vergangene Woche auf eine 60-tägige Verhandlungsphase verständigt, um den Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran zu beenden. Offen sind jedoch weiterhin zentrale Streitpunkte, darunter die Kontrolle über die Straße von Hormus, das iranische Atomprogramm, internationale Inspektionen, finanzielle Anreize für Teheran sowie das Raketen- und Drohnenprogramm. Zusätzlich belastet der Konflikt im Libanon die Gespräche. Israel ist nicht Teil der Vereinbarung und weist die iranische Forderung zurück, seine Militäreinsätze gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah einzustellen.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Donnerstag, die Vereinigten Staaten würden auf einer freien Schifffahrt durch die Meerenge bestehen. Sollte der Iran Schiffe bedrohen oder den Seeweg blockieren, werde dies Konsequenzen haben.
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