Ein Stadtteilrat im neuseeländischen Auckland hat den Plan zur Aufstellung einer Statue für die sogenannten Trostfrauen abgelehnt. Zuvor hatte sich Japans Botschafter gegen das Vorhaben gewandt.
Die Bezirksvertretung Devonport-Takapuna stimmte am Dienstag mit vier zu zwei Stimmen gegen den Antrag des Vereins Korean Garden Trust, eine Bronzestatue im Park Barry's Point Reserve im Stadtteil Takapuna aufzustellen. Das teilte die Stadtverwaltung Auckland Council mit, wie der neuseeländische Sender 1News berichtete.
Erinnerung an Zwangsprostitution im Zweiten Weltkrieg
Die Statue sollte an Frauen erinnern, die vor und während des Zweiten Weltkriegs von der japanischen Armee in Frontbordellen zur Prostitution gezwungen wurden. Historiker schätzen die Zahl der Betroffenen auf rund 200.000, überwiegend aus Korea, aber auch aus China und den Philippinen. Die Bronzefigur zeigt ein sitzendes Mädchen neben einem leeren Stuhl. Sie ist Teil einer Reihe ähnlicher Skulpturen, deren erste 2011 vor der japanischen Botschaft in Seoul aufgestellt wurde.
Das kaiserliche Japan hatte seine imperiale Expansion in Asien bereits vor dem europäischen Beginn des Zweiten Weltkriegs vorangetrieben: 1931 besetzte es die Mandschurei, 1937 begann der umfassende Krieg gegen China, 1941 weitete Tokio ihn mit Angriffen auf US-amerikanische, britische und niederländische Gebiete im Pazifik und in Südostasien aus.
Politisch war Japan Teil der Achsenmächte: Nach dem Antikominternpakt mit Deutschland von 1936 schloss es 1940 mit Deutschland und Italien den Dreimächtepakt, der Japans Anspruch auf eine „neue Ordnung“ in Ostasien absicherte.
Öffentliche Anhörung mit Mehrheit gegen die Statue
Kim O'Neill, bei der Stadtverwaltung für Grundstücksfragen zuständig, begründete die Empfehlung mit dem Ergebnis einer öffentlichen Anhörung. Bei der Konsultation im Januar gingen laut Stadtverwaltung rund 700 Stellungnahmen ein. 57 Prozent der Privatpersonen und 15 von 20 Organisationen lehnten das Vorhaben ab. Nach Angaben von 1News kamen 36 Prozent der Rückmeldungen aus der japanischen und 34 Prozent aus der südkoreanischen Gemeinschaft in Auckland.
Gegner verwiesen laut Stadtverwaltung auf befürchtete Spannungen in der Nachbarschaft und auf die Frage, ob die Statue ausreichend Bezug zu Neuseeland habe. Befürworter sahen in dem Vorhaben eine Gelegenheit, an historisches Unrecht zu erinnern und Bildungsarbeit zu unterstützen.
Japans Botschafter warnt vor Folgen für die Beziehungen
Der japanische Botschafter Makoto Osawa hatte sich in einer Stellungnahme der Botschaft ausdrücklich gegen die Aufstellung gewandt. Er sei besorgt, dass die Statue „Spaltung und Konflikte“ in der neuseeländischen Gesellschaft sowie zwischen den japanischen und koreanischen Gemeinschaften auslösen könne, zitierte Reuters aus dem Schreiben. Die Aufstellung könne auch die diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und Neuseeland erheblich beeinträchtigen.
Außenpolitisch orientiert sich Neuseeland eng an westlichen Partnern, besonders an Australien. Zugleich betont Wellington seine eigenständige Rolle im Pazifikraum.
Die Vorsitzende des Stadtteilrats, Trish Deans, erklärte laut 1News, die Entscheidung sei nicht leichtgefallen. Bei der Abstimmung sei es nicht um die historische Bedeutung der Statue gegangen, sondern um die Frage des Standorts. Ein Sprecher des neuseeländischen Außenministeriums hatte zuvor erklärt, Denkmäler im öffentlichen Raum seien Sache der Kommunen.
Neuseelands Bevölkerung zählt gut fünf Millionen Menschen. Die meisten leben auf der Nordinsel, vor allem im Großraum Auckland. Neben der europäischen Bevölkerungsmehrheit bilden die indigenen Māori eine große Bevölkerungsgruppe. Hinzu kommen wachsende asiatische und pazifische Gemeinschaften. Regierungschef ist seit November 2023 Premierminister Christopher Luxon von der National Party. Seine Mitte-rechts-Koalition stützt sich im Parlament auf die liberal-konservative ACT New Zealand und die nationalistische Partei New Zealand First.
Streit auch in anderen Ländern
Auckland ist kein Einzelfall. Japanische Regierungsvertreter haben auch andernorts versucht, Denkmäler für die sogenannten Trostfrauen zu verhindern oder entfernen zu lassen. In Manila wurde eine 2017 aufgestellte Statue nur ein Jahr später nach japanischen Einwänden entfernt und nicht an ihren Standort am Roxas Boulevard zurückgebracht. In San Francisco blieb ein 2017 errichtetes Denkmal dagegen stehen – Osaka beendete aus Protest die seit Jahrzehnten bestehende Städtepartnerschaft. Auch in Glendale im US-Bundesstaat Kalifornien scheiterte der Versuch, eine Trostfrauen-Statue gerichtlich entfernen zu lassen: Der Supreme Court nahm den Fall 2017 nicht zur Entscheidung an.
Auch in Berlin wurde eine solche Skulptur zum Gegenstand diplomatischer und politischer Auseinandersetzungen. Die vom Korea-Verband initiierte Friedensstatue „Ari“ wurde 2020 auf dem Unionplatz in Moabit aufgestellt. Die sitzende Figur einer jungen Frau in koreanischer Tracht stammt von dem Künstlerpaar Kim Seo-kyung und Kim Eun-sung. Die japanische Regierung protestierte gegen das Mahnmal. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte nach einem Besuch in Tokio im Mai 2024, eine „einseitige Darstellung“ dürfe nicht mehr stattfinden.
Nach jahrelangem Streit ordnete der Bezirk Mitte die Entfernung der Statue an. Der Korea-Verband scheiterte dagegen vor den Berliner Verwaltungsgerichten. Im Oktober 2025 ließ der Bezirk die Statue abbauen.
Ari ist damit nicht verschwunden. Seit Januar 2026 steht die Statue für ein Jahr auf dem Gelände des ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Moabit. Der Korea-Verband wertet den Standort als Übergangslösung und fordert weiter einen dauerhaften Platz im öffentlichen Raum.
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