Streit um Parteivorsitz lässt Spekulationen sprießen

"Stoiber als Willy Brandt der CSU"

Daniela Vates
3 Min

BERLIN. Eigentlich hatte Peter Ramsauer nur eine besonders absurde Situation beschreiben wollen. "Wenn das so weitergeht, dauert es nicht mehr lang, bis der Ruf erschallt: Edmund bleibt", hatte der CSU-Landesgruppenchef am Montag angesichts des Streits um die Besetzung des CSU-Vorsitzes Journalisten zugerufen. Es dauerte tatsächlich nicht lang. Der fränkische Bundestagsabgeordnete Josef Göppel nahm sich die Worte Ramsauers zu Herzen und ließ gestern wissen, er könne sich gut vorstellen, dass Edmund Stoiber doch weiter CSU-Chef bleibe. Schließlich sei auch Willy Brandt nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler noch jahrelang SPD-Vorsitzender gewesen, zum Wohle seiner Partei.Zum Geburtstag ein ParteitagDazu passten Berichte, die CSU habe ihren Parteitag auf den 28. September gelegt, Stoibers 66. Geburtstag. Eigentlich soll auf diesem Parteitag der neue Parteivorsitzende gekürt werden. Aber wer will schon einem Geburtstagskind sein geliebtes Amt verweigern?Stoiber, der den Parteitags-Termin ausgewählt haben soll, dementierte allerdings erst einmal alle Ansprüche. "Dafür stehe ich keinesfalls zur Verfügung", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Mit seiner Entscheidung, im Herbst als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender auszuscheiden, seien nun alle Weichen auf einen Wechsel gestellt. "Alles andere ist Spekulation und Unsinn."Heute nun soll in einem weiteren Krisengespräch unter Stoibers Leitung versucht werden, den Streit um die Nachfolge zu lösen. Dazu könnte etwa versucht werden, Seehofer einen Sitz im Koalitionsausschuss von Union und SPD anzubieten, wenn er auf seine Kandidatur verzichtet. Dass Seehofer auf ein solches Angebot - das zudem erst auch noch von der SPD abgesegnet werden müsste - eingehen würde, wird in der CSU bezweifelt. Die Prognose für das Krisengespräch ist dann auch: Alle beharren auf ihren Standpunkten.Duell der KonkurrentenDie Auseinandersetzung zwischen Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer hatte in den vergangenen Tagen an Heftigkeit zugenommen - und das, nachdem Stoiber am Montag die Maxime ausgegeben hatte, in der CSU würden von Stund an "alle pausenlos gut übereinander reden". Seehofer warnte gestern vor einem Bedeutungsverlust der CSU, falls Huber an die Parteispitze rückt. Wenn ein Landesminister die CSU leite, schwäche dies das bundespolitische Standbein der Partei. Eine Kampfkandidatur auf dem Parteitag müsse in einer demokratischen Partei möglich sein, sagte Seehofer dem Bayerischen Rundfunk.Huber gab über die Augsburger Allgemeine zurück, er glaube, "dass das Tandem Beckstein/Huber die bessere Lösung für Land und Partei ist". An anderer Stelle ließ er sich vernehmen, er wolle vor dem Treffen am Freitag, "keinen Druck auf Horst Seehofer aufbauen, indem ich da Urteile oder Erwartungen äußere".In der Partei wurden die Spekulationen über eine Verlängerung von Stoibers Amtszeit als Zeichen dafür gewertet, dass sich die Stimmung in der CSU wieder für Stoiber entwickelt. Der Optimismus Stoibers sei ansteckend, sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder mit Blick auf die Parteiveranstaltungen der letzten Tage, auf denen Stoiber gut gelaunt auftrat und jeweils mit großem Applaus bedacht wurde.Eines gilt weiter als sicher in der CSU: Der derzeitige bayerische Innenminister Günther Beckstein soll den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen.------------------------------"Wir sind nicht einmal in einer Krise." Erwin Huber, CSU

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