Die rund 20,3 Millionen Euro teuren Bauarbeiten im Schmücketunnel der Autobahn 71 haben einen Streit zwischen Umweltschützern und der Autobahn GmbH des Bundes ausgelöst. Ruth Schnabel vom „Verein zum Schutz der Kahlen Schmücke“ aus Oberheldrungen sieht in der Baustelle den Beleg für gravierende Planungsfehler beim Tunnelbau. Das „planerische Kartenhaus der Behörden“ sei zusammengebrochen, erklärte sie der Thüringer Allgemeinen.
Nach Darstellung des 2001 gegründeten Vereins drücke Wasser in den knapp 18 Jahre alten Tunnel ein, das früher die Quellen der Region gespeist habe. Der Tunnelverlauf sei seinerzeit zugunsten eines Steinbruchs bei Harras in eine geologische Störungszone verlegt worden, sagte Schnabel. Warnungen vor Folgen für die Standfestigkeit und den Wasserhaushalt seien als unbegründet zurückgewiesen worden. Der Tunnel wirke nun als dauerhafte Drainage, die den Berg „leerziehe“.
Als Beispiele nannte die Umweltschützerin den Artra-Brunnen bei Gorsleben, der „buchstäblich trockengelegt“ worden sei, sowie den Waldschlösschenteich und den Harrasbach. Für das Freibad im Oberheldrunger Ortsteil Harras hätten wegen des abgesunkenen Grundwassers neue Brunnen gebohrt werden müssen. Der Verein fordert eine Haftung für die aus seiner Sicht zerstörte Natur und kündigte weitere Maßnahmen an.
So viele Wartburg fahren noch auf deutschen Straßen
Autobahn GmbH weist Vorwürfe zurück
Paul Seeliger, Pressesprecher der Niederlassung Ost der Autobahn GmbH, wies einen Zusammenhang zwischen den Arbeiten und versiegten Quellen zurück. Die Fahrbahn im Tunnel sei nicht feucht. Ein glänzender Eindruck entstehe, weil die oberste Fahrbahnschicht in Teilen abgefräst worden sei und die Oberfläche nun Licht stärker reflektiere. Dies werde gelegentlich mit Feuchtigkeit verwechselt.
DDR-Kultmoped: Simson-Erben wehren sich gegen die AfD
Es handle sich um turnusmäßige Erneuerungs- und Instandsetzungsarbeiten, wie sie bei Straßentunneln regelmäßig erforderlich seien, sagte Seeliger. Erneuert würden unter anderem Notgehwege, Schlitzrinnen, Beleuchtung, die Kennzeichnung der Notausgänge sowie Lautsprecher. An den Tunnelwänden solle eine helle Beschichtung aufgebracht werden, um das Eindringen von Tausalzen in den Beton zu verhindern und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
„Kurz gesagt: Mit modernster Technik wird das Sicherheitsniveau im Tunnel Schmücke erhöht – und gleichzeitig für eine maximale Verfügbarkeit der Autobahn während der Einschränkungen gesorgt“, so der Pressesprecher.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]