Eurovision

„Streit und Spaltung“: Warum die Niederlande dem ESC 2027 jetzt doch fernbleiben

Nach ihrem Boykott 2026 wollte die NPO eigentlich zurück zum ESC – jetzt die Kehrtwende. Was hinter dem Rückzieher steckt und wer sonst noch fehlt.

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Claude Kiambe (Archivbild) vertrat die Niederlande 2025 beim ESC in Basel. 2026 boykottierten die Niederlande dann den Wettbewerb, wie 2027 voraussichtlich auch.

Claude Kiambe (Archivbild) vertrat die Niederlande 2025 beim ESC in Basel. 2026 boykottierten die Niederlande dann den Wettbewerb, wie 2027 voraussichtlich auch.

© Imago

Die Niederlande bleiben dem Eurovision Song Contest 2027 fern. Der niederländische öffentlich-rechtliche Rundfunk NPO hat am Dienstag seine eigentlich geplante Rückkehr zum ESC abgesagt, wie unter anderem Deutschlandfunk Kultur berichtet. Erst Ende September hieß es, die Niederlande wollten doch am ESC teilnehmen. Das ist nun aber wieder hinfällig.

Beim Finale am 15. Mai im bulgarischen Burgas steht somit kein niederländischer Act auf der Bühne, das zweite Jahr in Folge. Im Kern geht es um Israels Teilnahme, die nicht nur Fans, sondern auch Sender polarisiert.

Warum die NPO die Rolle rückwärts macht

NPO-Medienchef Jurre Bosman sagte, Israels Teilnahme löse in der Gesellschaft unterschiedliche Reaktionen aus und führe zu Streit und Spaltung, berichtet die BBC. Die NPO verzichte deshalb 2027 auf eine Teilnahme. Nach Beratung drücke man bei den ESC-Vorbereitungen die „Pausetaste“, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

NPO-Chefin Jet de Ranitz räumte ein, man habe in Gesprächen mit den niederländischen Einzelsendern zunächst genug Unterstützung für eine Rückkehr gesehen, sich aber letztlich doch nicht einigen können. Kurz zuvor hatten mehr als 400 Mitarbeiter verschiedener Sender in einer Petition den Rückzug gefordert. Auf diese Petition geht die NPO in ihrer Erklärung laut dem Musikportal 3voor12 des niederländischen Senders VPRO allerdings nicht ein.

Die NTR-Option blieb ungenutzt

Formell hätte die NPO den niederländischen Sender NTR zur Organisation des Beitrags verpflichten können. Das habe man aber bewusst nicht getan, erklärt die NPO. Sei ein Thema so sensibel, dass es derart gespaltene Reaktionen auslöse, wäre es unverantwortlich, einen Sender zur Übernahme zu zwingen.

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Streitpunkt Israel und Gaza

Israels Teilnahme ist seit Beginn des Gaza-Krieges umstritten, wegen  Kritik an Israels Militäreinsätzen als Reaktion auf den Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023. Die einen sehen im Gaza-Krieg Israels legitime Selbstverteidigung. Andere monieren Menschenrechtsverletzungen. Mitunter ist von „Genozid“ die Rede.

Der bisher zuständige NPO-Mitgliedssender Avrotros hatte seinen ESC-Ausstieg im August damit begründet, der Eurovision Song Contest könne nicht mehr als neutral gelten, wie Euronews berichtet.

Im September sprang die NPO ein und verwies auf Regeländerungen der EBU, des Zusammenschlusses der öffentlich-rechtlichen Sender Europas, der den ESC veranstaltet. Avrotros hielt dagegen, das reiche nicht, um die Neutralität des Wettbewerbs wiederherzustellen.

Laut BBC will die EBU unter anderem Länder in bewaffneten Konflikten von der Ausrichtung ausschließen und das Abstimmungsverfahren ändern.

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Wer außer den Niederlanden fehlt

Schon 2026 in Wien fehlten wegen Israels Teilnahme die Niederlande, Island, Irland, Spanien und Slowenien. Spanien, Irland und Slowenien übertrugen den Wettbewerb nicht einmal, die Zuschauerzahl sank laut Euronews auf 131 Millionen, rund 35 Millionen weniger als im Vorjahr.

Für 2027 sagt neben den Niederlanden auch Irland ab. Auch der Chef von Spaniens öffentlich-rechtlichem Rundfunk RTVE hat sich laut BBC für einen Boykott ausgesprochen. Auch der tschechische öffentlich-rechtliche Sender hat sich zurückgezogen, nennt aber offiziell Sparzwänge als Grund.

Die EBU zeigt sogar Verständnis

ESC-Direktor Martin Green sagt, man sei zwar „zutiefst betrübt“, verstehe die Entscheidung aber, heißt es in der offiziellen EBU-Mitteilung zu dem Thema. Meinungen über den Wettbewerb gingen weit auseinander, keine werde abgetan, so Green: „Uns ist bewusst, dass das Thema die Menschen im Moment zutiefst bewegt und die Ansichten weit auseinanderliegen, innerhalb der Länder wie auch zwischen ihnen.“

Zugleich sei der ESC in einer gespaltenen Welt wichtig. Man freue sich zudem darauf, auch wieder einen niederländischen Beitrag begrüßen zu dürfen – sobald die Niederländer in Zukunft dafür den richtigen Zeitpunkt gekommen sehen.

Niederländische Fans müssen übrigens trotz Absage nicht völlig auf den ESC verzichten: Der ESC läuft nach Angaben der NPO weiter bei NOS, dem öffentlich-rechtlichen Nachrichten- und Sportsender, mit niederländischem Kommentar und Vorberichten. Wenn auch ohne eigenes Lied am Start. Punkte gibt es also keine für die Niederlande.

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