Der durchschnittliche Strompreis für Neukunden in Deutschland hat heute den Wert von 30,64 Cent pro Kilowattstunde erreicht – ein Anstieg von gut zehn Prozent gegenüber dem Vormonat. Das geht aus der tagesaktuellen Auswertung des Vergleichsportals StromAuskunft hervor, die Tarifdaten aus mehr als 6.300 Städten und Gemeinden erfasst. Trotz des Preisschubs bleibt ein Wechsel aus der Grundversorgung lohnend: Im Modellfall mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch beträgt die rechnerische Ersparnis rund 341 Euro.
Warum die Tarife seit Sommer klettern
Zu Jahresbeginn lagen die günstigsten Neukundentarife noch bei knapp 24 Cent pro Kilowattstunde. Niedrigere Netzentgelte hatten für Entlastung gesorgt, weil der Bund die Übertragungsnetzentgelte 2026 mit 6,5 Milliarden Euro bezuschusst. Laut Bundesnetzagentur sanken die Netzentgelte für Haushaltskunden bei den 15 größten Netzbetreibern dadurch im Schnitt um knapp zwei Cent je Kilowattstunde.
Seit dem Frühjahr überwiegen jedoch die steigenden Beschaffungskosten. Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben den europäischen Gaspreis zeitweise auf 59 Euro pro Megawattstunde getrieben – rund 64 Prozent über dem Niveau von Januar und Februar. Weil Gaskraftwerke über das Merit-Order-Prinzip häufig den Börsenpreis bestimmen, schlägt der Gaspreisanstieg auf die Stromkosten durch.
Von 23,84 auf 30,64 Cent – die Preiskurve 2026
Im Januar kostete die Kilowattstunde im günstigsten Neukundentarif bundesweit 23,84 Cent, im Februar 23,90 Cent. Nach einem Zwischenhoch von 27,24 Cent im April fiel der Preis im Juni auf 23,47 Cent zurück. Seit Juli zeigt die Kurve wieder steil nach oben: August 27,03 Cent, September 27,78 Cent, jetzt 30,64 Cent.
Gegenüber dem Vorjahr liegt der Preis damit 13,6 Prozent höher. In knapp 98 Prozent der erfassten Orte blieb der Tarif zuletzt von einem Tag auf den nächsten stabil, doch in 1,7 Prozent der Städte zogen die Preise weiter an.
14 Cent Unterschied zwischen günstigster und teuerster Stadt
Die Preisspanne innerhalb Deutschlands ist erheblich. Den niedrigsten Neukundenpreis verzeichnet die bayerische Gemeinde Ringelai mit 26,39 Cent je Kilowattstunde. Am teuersten ist es in Lindau am Bodensee mit 40,66 Cent – ein Abstand von mehr als 14 Cent.
Wer in der teuersten Stadt wohnt, zahlt damit rund 54 Prozent mehr als in der günstigsten. Der Medianpreis über alle erfassten Orte liegt bei 30,21 Cent pro Kilowattstunde und damit knapp unter dem Durchschnitt.
Mecklenburg-Vorpommern günstig, Hamburg am teuersten
Im Ländervergleich schneiden Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bayern bei den Neukundentarifen am besten ab. Die höchsten Durchschnittspreise weisen Hamburg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland auf. Die Unterschiede gehen vor allem auf regional verschiedene Netzentgelte und unterschiedlich starken Wettbewerb unter den Anbietern zurück.
Besonders groß fällt die mögliche Wechselersparnis in Thüringen aus: Dort liegt der Grundversorgungstarif bei durchschnittlich 51,73 Cent, der günstigste Neukundentarif bei 30,26 Cent. Die rechnerische Differenz beträgt mehr als 751 Euro im Jahr.
Grundversorgung kostet fast 10 Cent mehr
Der Grundversorgungstarif liegt bundesweit im Schnitt bei 40,39 Cent pro Kilowattstunde – fast zehn Cent über dem günstigsten Neukundenangebot. Bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch entspricht das Mehrkosten von rund 1.414 Euro gegenüber 1.072 Euro im günstigsten Tarif.
Viele Haushalte zahlen diesen Aufpreis, ohne es zu bemerken, weil sie seit Jahren keinen Anbieter gewechselt haben. Bestandskunden zahlen laut Verivox-Daten vom August 2026 im Schnitt 31,4 Cent – deutlich weniger als in der Grundversorgung, aber immer noch mehr als im günstigsten Neukundentarif.
Ökostrom nur minimal teurer
Wer sich für einen Ökostromtarif entscheidet, zahlt derzeit lediglich 0,54 Cent pro Kilowattstunde mehr als im günstigsten konventionellen Tarif. Der durchschnittliche Ökostrompreis für Neukunden beträgt 31,18 Cent. Bei 3.500 Kilowattstunden Verbrauch macht der Aufpreis rund 19 Euro im Jahr aus.
Damit ist der Preisunterschied zwischen grünem und konventionellem Strom so gering, dass er für die meisten Haushalte kaum ins Gewicht fällt. Zum Vergleich: Die Differenz zwischen Grundversorgung und günstigstem Tarif ist mehr als 18-mal so groß.
Welche Anbieter am wenigsten verlangen
eAn der Spitze der günstigsten Tarife steht laut StromAuskunft Vattenfall mit dem Tarif „ÖkoStrom12“ und einem effektiven Preis von 26,39 Cent in Ringelai. Es folgen NEW Energie & Wasser in Schwerin mit 27,05 Cent sowie SWM in Schenefeld mit 27,08 Cent. Die Preise gelten jeweils inklusive verrechneter Grundgebühren und Boni.
r Ob ein Anbieter am eigenen Wohnort tatsächlich der günstigste ist, hängt vom regionalen Netzentgelt und vom lokalen Wettbewerb ab. Einen pauschalen „billigsten Versorger“ für ganz Deutschland gibt es daher nicht.
Stromsteuer-Senkung als mögliche Entlastung
Parallel zur Preisentwicklung wird über eine Senkung der Stromsteuer diskutiert. Laut einer StromAuskunft-Berechnung vom 13. Oktober 2026 könnten Privathaushalte dadurch um bis zu 280 Euro im Jahr entlastet werden. Für Singles läge die Ersparnis bei rund 35 Euro.
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Ob und wann eine solche Senkung kommt, ist allerdings offen. Die Stromsteuer gehört neben Mehrwertsteuer, Konzessionsabgabe und diversen Umlagen zu den staatlichen Preisbestandteilen, die zusammen etwa 25 bis 30 Prozent des Endpreises ausmachen.
Das sollten Sie jetzt tun
Prüfen Sie auf Ihrer letzten Jahresabrechnung, ob Sie noch in der Grundversorgung sind, und vergleichen Sie Ihren aktuellen Kilowattstundenpreis mit dem Durchschnitt von 30,64 Cent für Neukunden. Achten Sie beim Tarifvergleich auf eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten und eine Vertragslaufzeit von höchstens zwölf Monaten, und meiden Sie Tarife mit Vorauskasse oder Kaution.
Nutzen Sie ein TÜV-geprüftes Vergleichsportal, geben Sie Ihre Postleitzahl und Ihren tatsächlichen Jahresverbrauch ein und rechnen Sie Grundgebühren sowie Boni in den effektiven Kilowattstundenpreis ein. Bedenken Sie, dass die im Modell genannten 341 Euro Ersparnis auf einem Wechsel aus der Grundversorgung bei 3.500 Kilowattstunden beruhen – Ihre persönliche Ersparnis hängt von Wohnort, Verbrauch und bisherigem Tarif ab.
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