Mario Basler hat noch nie lange um den heißen Brei herumgeredet. Jetzt hat sich der frühere Bayern-Profi in seinem Podcast „Basler ballert“ den FC Hansa Rostock vorgenommen. Im Visier: die Verpflichtung von Trainer André Breitenreiter.
„Da muss man sich mal ernsthafte Gedanken machen im Verein, wie man da auf die Idee kam, André Breitenreiter zu holen“, sagte Basler. Er sei zwar nicht nah genug dran, um zu wissen, was intern passiert sei. „Aber vom Grunde her hat man vieles verkehrt gemacht. Einen Trainer zu installieren, der ein Spiel glücklich gewonnen hat.“
Sein Fazit fällt düster aus: „Hansa Rostock befindet sich in einem Strudel, aber nicht nach oben, sondern nach unten. Da müssen sie aufpassen.“
Hansa Rostock: Aufstieg als Ziel, Mittelmaß als Realität
Zugespitzt ist das sicher. Doch Basler trifft einen wunden Punkt. Hansa will nach drei Jahren in der 3. Liga zurück in die 2. Bundesliga, der Anspruch ist klar formuliert.
Die Tabelle erzählt eine andere Geschichte. Nach dem 12. Spieltag steht Hansa mit 16 Punkten und einer negativen Tordifferenz auf Platz elf. Der Rückstand auf Rang zwei beträgt zehn Punkte. Auf den Relegationsplatz fehlen acht Punkte. Der Vorsprung auf die Abstiegszone: gerade einmal vier.
Trainerwechsel bei Hansa: Breitenreiter statt Brinkmann
Mitte September hatte sich Hansa von Daniel Brinkmann getrennt. Nach fünf Spieltagen stand der Klub mit acht Punkten auf Platz acht, zuletzt gab es ein 0:4 gegen Viktoria Köln. Die Entwicklung entspreche „nicht mehr unseren Erwartungen und unseren sportlichen Zielen“, begründete Direktor Profifußball Amir Shapourzadeh den Schritt.
Pikant: Erst im November 2025 hatte Hansa Brinkmanns Vertrag verlängert und das mit Kontinuität begründet. Keine zehn Monate später war er weg.
Nach zwei Interimsspielen mit vier Punkten übernahm Breitenreiter. Der 53-Jährige bringt viel Erfahrung mit: Bundesliga mit Paderborn, Schalke, Hannover und Hoffenheim, Aufstiege mit Paderborn und Hannover, 2022 der Meistertitel mit dem FC Zürich. Seine jüngere Vita ist allerdings durchwachsen: 2024 stieg er mit Huddersfield Town ab, im April 2025 endete seine zweite Amtszeit in Hannover vorzeitig.
Breitenreiters Bilanz bei Hansa: vier Punkte aus fünf Spielen
Der Start gelang. Beim Liga-Debüt in Würzburg gewann Hansa 2:0, Kapitän Marco Schuster traf in der 76. Minute, Kenan Fatkic legte per Elfmeter nach.
Genau darauf dürfte Basler mit dem „glücklichen“ Sieg anspielen: Bis zur 76. Minute stand es 0:0, das zweite Tor fiel erst in der Nachspielzeit. Danach riss der Faden.
Beim Heimdebüt verlor Hansa 0:2 gegen Meppen, beide Gegentore fielen nach Standards. Es folgten ein 0:2 in Aachen und ein 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf.
Am Sonnabend dann das 1:2 beim bisherigen Vorletzten Jahn Regensburg. Leon Dajaku brachte Hansa früh in Führung, sah aber kurz vor der Pause Gelb-Rot. In Unterzahl drehte Regensburg das Spiel binnen drei Minuten.
Macht vier Punkte aus fünf Spielen, also 0,8 pro Partie. Brinkmann hatte im Schnitt doppelt so viele geholt. Breitenreiter selbst sagte nach dem Spiel, seine Mannschaft fahre viel zu wenig Ergebnisse ein.
Druck auf Hansa-Sportchef Shapourzadeh wächst
Baslers Satz, man habe „vieles verkehrt gemacht“, richtet sich damit nicht nur an den Trainer. Die Entscheidungen – Vertragsverlängerung, Entlassung, Neubesetzung – tragen die Handschrift von Shapourzadeh. Der Trainerwechsel sollte die Wende bringen. Bislang hat er das Gegenteil bewirkt.
Am Sonnabend kommt mit der SG Sonnenhof Großaspach ein Abstiegskandidat ins Ostseestadion, danach wartet Spitzenreiter Duisburg. Spätestens dann wird sich zeigen, in welche Richtung der Strudel zieht, von dem Basler spricht.
Instagram-Jubel und Abwehr-Frust: Breitenreiters harte Realität bei Hansa Rostock
Schnee wie seit 30 Jahren nicht: Was Sibirien jetzt über unseren Winter verrät
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]