Evolution

Fledermaus-Evolution: Studie verortet Ursprung der Tiere in Europa

Eine neue Studie verlegt die Wiege der Fledermäuse nach Europa. Auch die Fähigkeit zur Echoortung entstand demnach schon früh.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Das Große Mausohr (Myotis myotis) gehört zu den Fledermäusen.

Das Große Mausohr (Myotis myotis) gehört zu den Fledermäusen.

© Kiefer/imago

Die Fledermäuse haben ihren Ursprung einer neuen Studie zufolge wahrscheinlich in Europa. Ein internationales Forschungsteam verband dafür Erbgutdaten aller heute lebenden 21 Fledermausfamilien mit Fossilfunden. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch im Fachjournal Nature veröffentlicht.

Bisherige Annahmen, wonach die Tiere aus Asien, Afrika oder Nordamerika stammen, seien damit widerlegt, teilte die an der Studie beteiligte US-Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS) mit Sitz in New York mit.

Nach den Modellrechnungen der Forscher entwickelte sich die Fledermauslinie im späten Paläozän vor rund 60 Millionen Jahren in Europa. Von dort breiteten sich die frühen Vorfahren zunächst nach Afrika aus. Ausgehend von diesem europäisch-afrikanischen Raum besiedelten die Tiere demnach später Asien, Amerika und Australien.

Größter Datensatz zur Fledermausevolution

Für die Untersuchung stellten die Forscher nach eigenen Angaben den bislang umfangreichsten Datensatz zur Evolution dieser Tiergruppe zusammen. Analysiert wurden vollständig entschlüsselte Erbgutdaten von 103 Arten – 42 neu erstellte Erbgutdatensätze von 41 Arten – sowie 44 Fossilien aus verschiedenen Weltregionen.

Vertreten seien auch seltene Gruppen wie die Hummelfledermäuse aus Thailand und Myanmar, die als kleinste Säugetiere der Erde gelten, die Saugnapffledermäuse Madagaskars sowie die kurzschwänzige Fledermaus Neuseelands, die sich am Waldboden fortbewegt.

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Zu den ausgewerteten Proben gehörten laut WCS auch Gewebeproben der Hammerkopf-Fledermaus, der größten Fledermausart des afrikanischen Festlands. Die Proben aus dem Kongo seien Teil einer der größten je durchgeführten Genomstudien zu Fledermäusen, sagte der Tierarzt der WCS, Alain Ondzie.

Echoortung entstand früh in der Entwicklung

Die Studie liefert nach Angaben der Autoren auch Hinweise auf die Frage, wann Fledermäuse die Fähigkeit zur Echoortung entwickelten – also die Orientierung mittels Schall in völliger Dunkelheit. Die Einordnung der fossilen Art Vielasia in den ältesten Zweig des Stammbaums deute darauf hin, dass die Echoortung bereits vor der Aufspaltung in die heutigen Fledermausgruppen vorhanden war.

Damit seien der aktive Flug und die Echoortung – zwei zentrale Merkmale der Gruppe – nahe am Ursprung der Fledermäuse ausgebildet worden. Das Team rekonstruierte zudem das Genom des gemeinsamen Vorfahren.

Fledermäuse (Chiroptera) bilden nach den Nagetieren die zweitartenreichste Ordnung der Säugetiere und sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Ihre Flügel bestehen aus einer Flughaut, die vor allem zwischen stark verlängerten Fingern aufgespannt ist. Sie leben weltweit mit Ausnahme der Antarktis und besetzen sehr unterschiedliche ökologische Nischen, etwa als Insektenjäger, Bestäuber oder Samenverbreiter.

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