Primatenforschung

Studie: Kapuzineraffen bevorzugen Gehirn und Innereien der Beute

Eine jetzt veröffentlichte Studie wertet frühere Feldbeobachtungen wilder Bartkapuziner in Brasilien aus. Die Ergebnisse könnten das Bild vom frühen Menschen schärfen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die untersuchten Kapuzineraffen fraßen unter anderem Echsen, Nagetiere und Schlangen.

Die untersuchten Kapuzineraffen fraßen unter anderem Echsen, Nagetiere und Schlangen.

© AGB Photo/imago

Wilde Bartkapuziner im Nordosten Brasiliens erbeuten kleine Wirbeltiere wie Echsen, Nagetiere und Schlangen deutlich häufiger, wenn weniger Früchte verfügbar sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Mittwoch im Fachjournal PLOS One veröffentlicht wurde und Beobachtungsdaten aus den Jahren 2006 bis 2010 auswertet.

Für die Studie analysierte ein internationales Team um Susana Carvalho vom Gorongosa-Nationalpark in Mosambik und Noemi Spagnoletti von der Universität La Sapienza in Rom Daten von zwei benachbarten Gruppen der Art Sapajus libidinosus auf der Fazenda Boa Vista im nordostbrasilianischen Bundesstaat Piauí. Die Feldbeobachtungen erstreckten sich über 45 Monate zwischen 2006 und 2010.

Dabei wurden 446 Fälle dokumentiert, in denen die Affen kleine Wirbeltiere fraßen. Am häufigsten entfielen die beobachteten Beutetiere auf Echsen mit 43 Prozent und Nagetiere mit 28 Prozent. Zu den dokumentierten Beutetieren gehörten auch Opossums, Leguane und Jungvögel aus Nestern.

Männchen jagen mutiger als Weibchen

Die jetzt veröffentlichte Auswertung zeigt, dass männliche Tiere häufiger jagten als weibliche und sich auch an gefährlichere Beute wie Schlangen wagten. Ausgewachsene Affen erbeuteten mehr Wirbeltiere als Jungtiere. Die Affen bevorzugten fettreiche Körperteile: Gehirn und Innereien der Beute wurden meist zuerst gefressen. Wo die Tiere zusätzlich von Menschen gefüttert wurden, ging die Jagdrate zurück.

Kapuzineraffen sind kleine, tagaktive Primaten aus den Wäldern und Savannen Mittel- und Südamerikas. Sie wiegen je nach Art zwei bis vier Kilogramm und tragen einen etwa körperlangen Greifschwanz. Ihren Namen verdanken sie der dunklen Kopfzeichnung, die an die Kapuze der Kapuzinermönche erinnert.

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Die Tiere leben in Gruppen, gelten als besonders lernfähig und nutzen regelmäßig Werkzeuge, etwa Steine zum Aufschlagen von Nüssen. Die untersuchten Bartkapuziner sind eine in Ostbrasilien verbreitete Art aus der Gattung Sapajus.

Als zentralen Befund heben die Forscher den Zusammenhang zwischen Fruchtangebot und Jagdverhalten hervor. Kleine Wirbeltiere seien für die Bartkapuziner eine wichtige Energiequelle, wenn pflanzliche Nahrung knapp werde, heißt es in der Studie.

Hinweise auf die Ernährung früher Menschen

Carvalho erklärte in einer Mitteilung des Verlags PLOS, die Ergebnisse zeigten, wie wichtig langjährige Feldbeobachtungen bei anpassungsfähigen Primatenarten seien.

Die Jagd auf kleine Beutetiere könnte nach Einschätzung des Teams auch für frühe Vorfahren des Menschen in Zeiten von Nahrungsknappheit eine Rolle gespielt und einen Zwischenschritt zur späteren Jagd auf größere Tiere gebildet haben. Die Autoren regen an, fossile Fundstellen erneut auf Spuren des Verzehrs kleiner Wirbeltiere zu untersuchen.

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