Studie: Mehrheit befürchtet schlechtere Versorgung

Wachsende Sorge vor Zwei-Klassen-Medizin

Daniel Baumann
3 Min

BERLIN. Eine Mehrheit der Bevölkerung befürchtet die Entstehung einer Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland und sorgt sich um die eigene Absicherung im Krankheitsfall. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage unter 1 879 Bundesbürgern des Allensbach-Instituts für Demoskopie und des Finanzdienstleisters MLP. Dieser vermittelt auch Privatversicherungen. Deswegen betonte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, gestern, die Studie diene rein "privatwirtschaftlichen Zwecken" und stehe im Widerspruch zu anderen Umfragen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte hingegen ebenfalls vor einem "Trend zur Zwei-Klassen-Medizin".78 Prozent der Befragten haben die ausgeprägte Sorge, dass sich zunehmend eine Zwei-Klassen-Medizin entwickelt. Derzeit sind sie mit dem Gesundheitssystem zwar noch überwiegend zufrieden, auch wenn sie überzeugt sind, dass es ein "Verfallsdatum" hat und bereits ein Trend zu einer teureren und schlechteren Versorgung eingesetzt hat. Der Studie zufolge sind 56 Prozent aber der Meinung, dass die Gesundheitsversorgung in den letzten zwei bis drei Jahren schlechter geworden ist. 35 Prozent finden, dass sie gleich geblieben ist und nur fünf Prozent konnten eine Verbesserung feststellen. Vier Prozent konnten sich nicht entscheiden.Im Langzeitvergleich zeigt sich allerdings, dass die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung fast unverändert hoch ist. Gegenüber 2005 hat die Zahl der Zufriedenen zwar um drei Prozentpunkte abgenommen, dennoch beurteilen ein halbes Jahr nach der Gesundheitsreform 64 Prozent die Gesundheitsversorgung als "gut" oder "sehr gut". Damit ist die Zufriedenheit sogar etwas höher als im Jahr 2001 (60 Prozent), aber deutlich niedriger als 1994. Damals sprachen 82 Prozent der Befragten die Noten "Gut" oder "Sehr gut" aus.Dennoch glaubt eine Mehrheit von 76 Prozent nicht, dass es der Politik gelingen wird, für alle Patienten ungeachtet ihrer finanziellen Lage, eine gute Gesundheitsversorgung zu garantieren. "Der Unterschied, ob ein Patient privat oder gesetzlich versichert ist, spielt bereits jetzt eine immer größere Rolle", warnte Lauterbach. Der Zugang zu Spezialisten sei nur ein Beispiel dafür. Er kritisierte, dass bei der zum 1. April 2007 in Kraft getretenen Gesundheitsreform zu stark die Interessen der Privatversicherer berücksichtigt worden seien.Besonders gesetzlich Krankenversicherte glauben, dass ihr Versicherungsschutz für den Fall einer Erkrankung nicht ausreicht, das gaben rund 36 Prozent der Befragten an. Bei den Privatpatienten sind es nur zwölf Prozent. In der Gesamtbevölkerung Misstrauen 33 Prozent der Bevölkerung ihrer Versicherungspolice, das sind acht Prozent mehr als 2005.Dass die Leistungen der Krankenkassen künftig weiter eingeschränkt und auf eine Grundversorgung reduziert werden, erwarten heute 72 Prozent gegenüber 54 Prozent im Jahr 2000. Auch die Überzeugung wächst, im Pflegefall nicht so gut abgesichert zu sein: 46 Prozent machen sich Sorgen über ihre finanzielle Versorgung im Pflegefall. Elf Prozent der Befragten hätten bereits eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen, weitere 13 Prozent planten das.Zufrieden mit KrankenhäusernMehr als die Hälfte der Deutschen ist der Umfrage zufolge davon überzeugt, dass die Ärzte im Krankenhaus zu wenig Zeit für ihre Patienten haben. Mitte der 90er Jahre hatten nur 31 Prozent diesen Eindruck. Der Umfrage zufolge hat der Eindruck zugenommen, dass Ärzte und Pflegepersonal bei aller Mühe überlastet und überfordert sind. Dennoch zeigten sich 91 Prozent der Befragten trotz gestiegener Erwartungen an Komfort und Ausstattung mit der medizinischen Versorgung zufrieden, mit der Pflege und Betreuung waren 85 Prozent zufrieden.44 Prozent der Befragten haben in der Frage zum Image der Krankenhäuser einen guten Gesamteindruck von der Behandlung im Krankenhaus geäußert. 39 Prozent hatten einen ambivalenten und elf Prozent keinen guten Eindruck. Die Hilfsbereitschaft des Pflegepersonals lobten 76 Prozent, rund die Hälfte hob die Kompetenz der Ärzte hervor.------------------------------Grafik: Umfrage zu Entwicklung des Gesundheitssystems------------------------------"Privat oder gesetzlich versichert spielt eine größere Rolle." Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

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