Tiere in Städten sind im Schnitt mutiger, aggressiver, aktiver und neugieriger als Artgenossen auf dem Land. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag im Fachblatt Journal of Animal Ecology veröffentlichten Auswertung von Daten zu 133 Tierarten aus 28 Ländern.
Ein Forschungsteam des Lewis & Clark College in Portland im US-Bundesstaat Oregon, des französischen Forschungszentrums CEFE-CNRS in Montpellier und der North Dakota State University fasste dafür 80 bereits veröffentlichte Einzelstudien zu Vögeln, Säugetieren, Amphibien, Reptilien und Insekten zusammen. Verglichen wurden vier Verhaltensmerkmale: Mut, Aggressivität, Aktivität und Erkundungsverhalten.
Befund am klarsten bei Vögeln
„Wir haben festgestellt, dass die Urbanisierung das Verhalten überall auf der Welt in vergleichbarer, vorhersagbarer Weise verändert. Das stärkste Ergebnis war, dass die Tiere offenbar risikobereiter sind. Sie sind mutiger“, sagte Erstautorin Tracy Burkhard, Assistenzprofessorin für Biologie am Lewis & Clark College, dem Wissenschaftsportal Phys.org.
Vögel stellen rund 70 Prozent der ausgewerteten Studien. Für Säugetiere, Reptilien, Amphibien und Insekten lag deutlich weniger Material vor. Bei diesen Tiergruppen war nur der Befund zur Risikobereitschaft statistisch belastbar, wie aus dem Studientext im Journal of Animal Ecology hervorgeht.
Folgen für Mensch und Tier
Mutigere und aggressivere Tiere könnten das Risiko von Konflikten mit Menschen und die Übertragung von Krankheiten zwischen Tier und Mensch erhöhen, warnen die Forscher laut Phys.org. „Wenn Tiere risikofreudiger und weniger scheu gegenüber Menschen sind, werden wir in bestimmten Gebieten viel häufiger mit Wildtieren in Kontakt kommen, und das ist potenziell schlecht für uns und für die Tiere“, sagte Burkhard.
Betroffen sind nicht nur typische Stadttiere wie Ratten, Möwen oder Tauben. Auch Arten, die bislang eher mit dem Land verbunden werden, zeigen laut Phys.org vergleichbare Verhaltensänderungen, darunter die Dorngrasmücke, die Goldammer und der Birkenzeisig.
Mitautorin Anne Charmantier, Forschungsdirektorin am CNRS in Montpellier, verweist auf eine Schieflage der Datenlage. „Unsere Studie zeigt, dass der Forschungsaufwand sehr ungleich auf die Tiergruppen verteilt ist; insbesondere Vögel werden viel häufiger untersucht als Amphibien, Reptilien oder Insekten“, wird sie auf Phys.org zitiert.
Die Autoren plädieren dafür, das Verhalten von Tieren in der Stadtplanung stärker zu berücksichtigen, etwa durch vernetzte Grünflächen, die Wanderung und genetischen Austausch zwischen Stadtpopulationen ermöglichen.
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