Handelspolitik

Während Trump Druck macht: Südafrikas Exporte nach China steigen um fast 25 Prozent

China gewährt südafrikanischen Waren neue Zollvorteile. Präsident Ramaphosa sucht angesichts drohender US-Handelsbeschränkungen nach alternativen Absatzmärkten.

4 Min
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa und Chinas Staatschef Xi Jinping bei einem Treffen in Peking im September 2024.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa und Chinas Staatschef Xi Jinping bei einem Treffen in Peking im September 2024.

© Yao Dawei/imago

Südafrikas Handel mit China wächst kräftig, während sich die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unter US-Präsident Donald Trump verschlechtern. Seit die Regierung in Peking im Mai zahlreiche Einfuhrzölle für afrikanische Staaten abgeschafft hat, sind die südafrikanischen Exporte in die Volksrepublik deutlich gestiegen.

Für Präsident Cyril Ramaphosa gewinnt China damit als Absatzmarkt weiter an Bedeutung. Denn Washington könnte Südafrika schon bald wichtige Handelsprivilegien entziehen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Chinas Botschafter Wu Peng am Donnerstag in Pretoria, Südafrikas Ausfuhren nach China seien zwischen Mai und August gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 25 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hätten die chinesischen Exporte nach Südafrika um 23 Prozent zugelegt.

China lockt Südafrika mit zollfreiem Handel

Seit dem 1. Mai 2026 gewährt China qualifizierten Waren aus 20 weiteren afrikanischen Staaten, darunter Südafrika, zollfreien Zugang zu seinem Markt. Die Regelung gilt zunächst bis Ende April 2028.

Wie das südafrikanische Handelsministerium mitteilte, sollen dadurch insbesondere landwirtschaftliche Erzeugnisse, Industriegüter und verarbeitete Rohstoffe wettbewerbsfähiger werden. Unternehmen müssen dafür unter anderem die vorgeschriebenen Herkunftsnachweise erbringen.

China ist bereits Südafrikas größter einzelner Handelspartner. Nach Angaben von Handelsminister Parks Tau exportierte das Land 2025 Waren im Wert von rund 222 Milliarden Rand, umgerechnet 13,5 Milliarden US-Dollar, nach China. Die Einfuhren aus der Volksrepublik waren nahezu doppelt so hoch.

Laut einer Analyse der südafrikanischen Zentralbank hat China die Eurozone inzwischen als wichtigsten Handelspartner Südafrikas bei Industriegütern überholt. Das wirtschaftliche Ungleichgewicht ist erheblich. Rund 35,7 Prozent der südafrikanischen Importe verarbeiteter Waren stammen aus China. Umgekehrt gehen lediglich 5,9 Prozent der entsprechenden Exporte dorthin.

Botschafter Wu Peng versicherte laut Reuters, China habe Südafrikas Wunsch nach ausgewogeneren Handelsbeziehungen zur Kenntnis genommen. Er rechne damit, dass künftig mehr hochwertige südafrikanische Produkte auf den chinesischen Markt gelangen.

Trump könnte Südafrika wichtige Handelsvorteile entziehen

Die wirtschaftliche Annäherung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Südafrika und den USA. Trump kritisiert seit Monaten die Innen- und Außenpolitik der südafrikanischen Regierung. Unter anderem wirft er ihr vor, die weiße Bevölkerung des Landes zu verfolgen. Ramaphosas Regierung weist diese Anschuldigungen zurück.

Besonders schwer wiegt die mögliche Ausgrenzung Südafrikas aus dem amerikanischen Handelsprogramm African Growth and Opportunity Act (AGOA). Es ermöglicht berechtigten afrikanischen Staaten, Tausende Produkte zollfrei in die USA zu exportieren.

Zwar wurde das Programm bis Ende 2028 verlängert. Doch die Trump-Regierung könnte Südafrika die Teilnahme entziehen. Handelsminister Tau erwartet Anfang November eine Entscheidung und bezeichnete sich gegenüber Reuters als vorsichtig optimistisch.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Ramaphosa hatte bereits am Montag vor den Folgen eines Ausschlusses gewarnt. Die Auswirkungen auf Arbeitsplätze könnten verheerend sein, berichtete Reuters. Deshalb suche seine Regierung verstärkt nach anderen Handelspartnern.

Wie festgefahren die Gespräche mit Washington inzwischen sind, zeigt ein Interview des Nachrichtenportals Semafor mit Südafrikas Botschafter Roelf Meyer. Demnach haben die USA wiederholt Handelsangebote zurückgewiesen, ohne konkret zu erklären, welche Änderungen sie erwarteten.

Neue Absatzmärkte statt Abhängigkeit von den USA

Neben China bemüht sich Südafrika auch um engere Handelsbeziehungen mit Indien. Die Regierung will ihre Exporte breiter aufstellen und die Folgen möglicher amerikanischer Beschränkungen abfedern.

Wie konkret diese Strategie bereits ist, zeigt die Landwirtschaft: Südafrikanische Kirschproduzenten hoffen auf Zugang zum riesigen chinesischen Markt. Peking importiert jährlich fast 600.000 Tonnen Kirschen. Für Lieferungen aus Südafrika fehlen allerdings noch die endgültigen Genehmigungen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner