In Südafrika ist ein Mann während eines Demonstrationszuges von einer Gruppe aus rund 50 Menschen zu Tode geprügelt worden. Der Angriff ereignete sich am Donnerstagmorgen in der Hafenstadt Durban, wo es seit Wochen zu gewaltsamen Protesten gegen Migranten kommt. Nach Angaben der südafrikanischen Polizei handelte es sich bei dem Opfer um einen ausländischen Staatsangehörigen. Seine genaue Nationalität wurde zunächst nicht bekannt gegeben.
Wie die BBC unter Berufung auf die Polizei berichtet, war der Mann vermutlich Ende 30 oder Anfang 40 Jahre alt. Er stand am Straßenrand, als sich zwei Männer aus einem Demonstrationszug lösten und auf ihn zugingen. Kurz darauf wurde er von einer größeren Menschenmenge angegriffen. Rettungskräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen.
Der Polizeisprecher der Provinz KwaZulu-Natal, Robert Netshiunda, bestätigte den Vorfall gegenüber der südafrikanischen Zeitung Daily News. Der Demonstrationszug sei auf der Dr Pixley kaSeme Street in Richtung Maud Mfusi Street unterwegs gewesen, als die Attacke begann.
Die Polizei ermittelt wegen Mordes und versucht, die Beteiligten zu identifizieren. Netshiunda erklärte, mehrere Ermittlungsansätze würden verfolgt. Das Motiv sei bislang nicht bekannt. Ob die Tat unmittelbar mit den Protesten gegen Migranten zusammenhängt, ist nicht bestätigt.
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Durban: Proteste gegen Migranten schlagen in Gewalt um
Seit Monaten demonstrieren in Südafrika Gruppen gegen Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere. Dabei kommt es immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen.
Besonders aktiv ist die Bewegung March and March. Ihre Anhänger fordern strengere Grenzkontrollen und die Abschiebung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht. Ursprünglich hatte die Organisation ein Ultimatum bis zum 30. Juni gesetzt, bis zu dem alle Migranten ohne gültige Papiere Südafrika verlassen sollten.
Eine geflüchtete Migrantin protestiert vor einem Büro der UN-Flüchtlingshilfe (UNHCR). In Südafrika kommt es seit Monaten zu Proteste gegen irreguläre Migranten.
© dpa
In den vergangenen Wochen schlugen mehrere Proteste in Gewalt um. Am 8. Oktober wurden in Durban mindestens 14 Fahrzeuge in Brand gesetzt, Geschäfte geplündert und Gebäude beschädigt. Das bestätigte die südafrikanische Polizei in einer offiziellen Mitteilung. Auch im Johannesburger Stadtteil Soweto kam es zu schweren Ausschreitungen.
Auslöser neuer Proteste waren unter anderem Änderungen bei der Bearbeitung von Asylanträgen. Nach einer Entscheidung des südafrikanischen Verfassungsgerichts sollten auch Menschen ohne bestimmte Einreisedokumente die Möglichkeit erhalten, einen Asylantrag zu stellen.
Wie das südafrikanische Nachrichtenportal Inside Metros berichtet, sind in Durban weiterhin zahlreiche Polizisten im Einsatz. Mitglieder von March and March versammeln sich regelmäßig vor Behördengebäuden. Die Bewegung kündigte weitere Demonstrationen für November an.
Tausende Menschen verlassen Südafrika aus Angst vor Gewalt
Die zunehmenden Übergriffe haben inzwischen diplomatische Folgen. Mehrere afrikanische Staaten haben damit begonnen, ihre Staatsangehörigen aus Südafrika zurückzuholen.
Nach Angaben des ghanaischen Informationsministeriums wurden zwischen Ende Mai und Anfang September insgesamt 1964 Ghanaer evakuiert. Auch Nigeria brachte nach offiziellen Regierungsangaben bis Mitte Juli 1490 Staatsangehörige zurück.
Besonders schwere diplomatische Spannungen löste der Tod des Ghanaers Bashiru Isak aus. Der dreifache Familienvater wurde Ende Juni in Kapstadt erschossen. Die ghanaische Regierung brachte seinen Tod mit den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Verbindung und forderte eine umfassende Untersuchung. Südafrikas Regierung bestritt allerdings, dass die Tat nachweislich mit den Protesten zusammenhing.
Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP haben in den vergangenen Monaten Zehntausende ausländische Staatsangehörige Südafrika verlassen. Während zahlreiche Menschen aus Angst vor Übergriffen ausreisten, wurden andere wegen fehlender Aufenthaltsdokumente abgeschoben.
Fremdenfeindliche Gewalt hat in Südafrika eine lange Geschichte
Südafrika erlebt seit fast zwei Jahrzehnten immer wieder schwere Angriffe auf Migranten. Bei landesweiten Ausschreitungen im Jahr 2008 wurden mehr als 60 Menschen getötet und Zehntausende vertrieben.
Das Land ist trotz seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines der wichtigsten Einwanderungsziele Afrikas. Nach offiziellen Angaben leben rund 2,4 Millionen ausländische Staatsangehörige unter den etwa 62 Millionen Einwohnern.
Die hohe Arbeitslosigkeit und die große soziale Ungleichheit verschärfen die Spannungen. Migrationsfeindliche Gruppen machen Ausländer regelmäßig für fehlende Arbeitsplätze, Kriminalität und überlastete öffentliche Dienstleistungen verantwortlich. Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass pauschale Schuldzuweisungen an Migranten durch die verfügbaren Erkenntnisse nicht gedeckt sind.
Präsident Cyril Ramaphosa hat die Gewalt gegen Ausländer wiederholt verurteilt. Zugleich räumte er Defizite bei der Grenzkontrolle und der Durchsetzung des Einwanderungsrechts ein.
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