Südkorea hat von der Ukraine eine Entschuldigung gefordert, nachdem die Überstellung zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener öffentlich gemacht wurde. Das südkoreanische Präsidialamt forderte „eine offizielle Erklärung und eine Entschuldigung“, erklärte der im Präsidialamt für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Seong Ghi-hong nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP.
Das Präsidialamt bringe „sein tiefes Bedauern über die einseitige Offenlegung der Überstellung durch die Ukraine und deren anschließende falsche Erklärung zum Ausdruck, dass es keine Geheimhaltungsvereinbarung gegeben habe“, fügte Seong laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap hinzu. Seoul prüfe weitere Maßnahmen in der Angelegenheit.
Ukrainischer Diplomat einbestellt
Das Außenministerium in Seoul bestellte später den amtierenden ukrainischen Botschafter Andrii Vieshkin ein, berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und Yonhap. Der Erste Vizeaußenminister Park Yoon-joo habe dabei die Position Südkoreas dargelegt und eine offizielle Klarstellung sowie eine Entschuldigung gefordert, teilte das Ministerium mit.
Seoul protestierte zudem gegen die aus seiner Sicht falsche Erklärung des ukrainischen Präsidialamts, wonach es keine Geheimhaltungsvereinbarung gegeben habe. Südkorea forderte Kiew auf, Maßnahmen zu ergreifen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole, berichtete Reuters. Vieshkin habe laut Yonhap erklärt, die Position Südkoreas zur Kenntnis genommen zu haben und sie seiner Regierung in Kiew korrekt zu übermitteln.
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Südkorea wirft Kiew Bruch von Vereinbarung vor
Nach Angaben des südkoreanischen Präsidialamts hatten beide Länder über verschiedene diplomatische Kanäle mehrfach über die Überstellung der beiden Soldaten gesprochen, berichtete Reuters. Dabei habe die ukrainische Regierung um Vertraulichkeit gebeten. Als Grund habe Kiew mögliche innenpolitische Kritik angeführt: Die Regierung könnte demnach innenpolitisch dafür kritisiert werden, eine Gelegenheit zum Austausch der Nordkoreaner gegen ukrainische Kriegsgefangene aufgegeben zu haben.
Seoul habe der Geheimhaltung aus Sicherheits-, diplomatischen und humanitären Gründen zugestimmt. Dabei seien insbesondere die Sicherheit der beiden Gefangenen und ihrer in Nordkorea lebenden Angehörigen berücksichtigt worden, erklärte Seong laut Yonhap. Die Veröffentlichung der Informationen habe das Vertrauen zwischen beiden Regierungen „ernsthaft“ beschädigt und könne die bilateralen Beziehungen belasten.
Selenskyj machte Überstellung bei Rede öffentlich
Auslöser der diplomatischen Spannungen war eine Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der UN-Generalversammlung in New York am vergangenen Mittwoch. Dabei erklärte er, die Ukraine habe zwei nordkoreanische Soldaten nach Südkorea überstellt. Die Männer waren demnach im Januar 2025 in der russischen Region Kursk gefangen genommen worden.
Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hatte die Veröffentlichung bereits zuvor kritisiert. In einem Beitrag auf der Plattform X erklärte er laut Yonhap, die Geheimhaltung sei angesichts der möglichen Folgen in jeder Hinsicht „angemessen“ gewesen. Man habe sich mit der Ukraine darauf geeinigt.
Selenskyjs Kommunikationsberater Dmytro Lytvyn bestritt anschließend das Bestehen einer solchen Vereinbarung, wie die Ukrainska Pravda berichtete. Die ukrainische Botschaft in Seoul reagierte nach Angaben von Reuters zunächst nicht auf eine Anfrage zu den Vorwürfen.
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