Südkoreas Warenausfuhren haben im Juni erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar in einem einzigen Monat überschritten. Wie das Ministerium für Handel, Industrie und Ressourcen in Seoul am Mittwoch mitteilte, stiegen die Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 70,9 Prozent auf 102,25 Milliarden US-Dollar.
Es sei der stärkste Jahreszuwachs seit Oktober 1978, hieß es unter Verweis auf vorläufige Handelsdaten. Südkorea ist nach Angaben des Ministeriums nach Deutschland, China und den USA das vierte Land, das diese Schwelle erreicht.
Exportschlager Halbleiter
Die Entwicklung beruht vor allem auf Halbleitern. Deren Ausfuhren verdreifachten sich nahezu auf 44,82 Milliarden US-Dollar. Ausschlaggebend ist laut Ministerium die weltweit anziehende Nachfrage nach Speicherchips, die in Servern für Künstliche Intelligenz verbaut werden.
Die Ausfuhren von Computerprodukten legten um mehr als 300 Prozent auf 5,41 Milliarden US-Dollar zu, weil große Technologiekonzerne ihre Investitionen in KI-Infrastruktur ausweiten. Auch Mobilgeräte, Autos sowie Erdöl- und Petrochemieprodukte verzeichneten Zuwächse.
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Hintergrund des Chipbooms sind massive Preissteigerungen bei Speicherchips für KI-Server. Unter Berufung auf die US-Bank Morgan Stanley berichtete die Zeitung South China Morning Post, die Preise für 16-Gigabit-DDR5-Speicherchips seien um 682 Prozent gestiegen, jene für NAND-Flash-Speicher um 807 Prozent. Bereits im Mai hatten Halbleiter erstmals mehr als 40 Prozent der gesamten südkoreanischen Ausfuhren ausgemacht.
Die Einfuhren stiegen um 30,1 Prozent auf 66,1 Milliarden Dollar. Daraus ergibt sich ein monatlicher Handelsüberschuss von 36,15 Milliarden US-Dollar – laut Ministerium der höchste jemals ausgewiesene Wert. Im ersten Halbjahr summierte sich der Überschuss auf 138,3 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 77,4 Milliarden Dollar im gesamten Jahr 2025. Die Ausfuhren von Januar bis Juni erreichten mit 496,7 Milliarden US-Dollar ebenfalls einen Rekord, ein Plus von 48,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Starke Zuwächse in China und den USA
Nach Zielregionen wuchsen die Lieferungen nach China um 92,1 Prozent auf 20 Milliarden US-Dollar, jene in die USA um 78,6 Prozent auf ebenfalls 20 Milliarden US-Dollar. Die Ausfuhren in südostasiatische Staaten legten um 86,6 Prozent auf 18,3 Milliarden US-Dollar zu, in die Europäische Union um 31,8 Prozent auf 7,62 Milliarden US-Dollar. Rückläufig waren die Exporte in den Nahen Osten mit einem Minus von 8,4 Prozent.
Laut der Mitteilung des Ministeriums rechnet Industrieminister Kim Jung-kwan in der zweiten Jahreshälfte mit anhaltenden Unsicherheiten. Diese resultieren unter anderem aus US-Zollmaßnahmen, schwankenden Ölpreisen und der Möglichkeit einer weltweiten Konjunkturabkühlung. Man werde diesen Herausforderungen in enger Abstimmung mit den Handelspartnern begegnen.
Milliardeninvestitionen in neue Chipfabriken
Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, haben Samsung Electronics und SK Hynix Ende Juni umfangreiche Investitionen angekündigt. Nach Angaben von Kim sollen die beiden Konzerne 800 Billionen Won, umgerechnet rund 530 Milliarden US-Dollar, in vier neue Speicherchipfabriken im Südwesten des Landes stecken.
Damit soll neben dem bestehenden Schwerpunkt im Großraum Seoul eine zweite große Chipregion in Gwangju und der Jeolla-Region entstehen. Bereits geplante Fabriken sollen zudem früher fertig werden, um die DRAM-Kapazität binnen fünf Jahren zu verdoppeln.
Besonders wichtig für KI-Systeme sind sogenannte HBM-Chips, bei denen mehrere DRAM-Schichten übereinandergelegt werden, damit Prozessoren schneller auf große Datenmengen zugreifen können. In der Chungcheong-Region sind laut der Nachrichtenagentur Yonhap zusätzlich 81 Billionen Won, rund 54 Milliarden US-Dollar, für Anlagen zur modernen Chipverpackung vorgesehen.
Wie lange Südkorea von seinem Vorsprung profitiert, ist offen. Troy Stangarone vom Korea Economic Institute of America, einem auf Korea spezialisierten Forschungsinstitut in Washington, sagte der South China Morning Post, der Vorsprung dürfte mittelfristig durch heimische chinesische Anbieter wie ChangXin Memory Technologies schmelzen. Diese würden voraussichtlich Marktanteile von südkoreanischen Lieferanten übernehmen.
Park Sang-hyun, Analyst bei dem südkoreanischen Wertpapierhaus iM Securities, sagte Reuters, die Ausfuhren würden im zweiten Halbjahr angeführt von Halbleitern robust bleiben. Ein Ende des Chipbooms sei nicht absehbar, auch im kommenden Jahr werde sich die Lage nicht so schnell abkühlen. Die Wachstumsraten näherten sich allerdings ihrem Höhepunkt.
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