Die Beschäftigten des südkoreanischen Technologiekonzerns Samsung Electronics haben mit großer Mehrheit für ein historisches Bonusabkommen mit der Unternehmensführung gestimmt. Das teilten die Gewerkschaft und das Unternehmen am Mittwoch mit. Darüber berichten AFP, Reuters und mehrere südkoreanische Medien.
Demnach votierten rund 73 Prozent der teilnehmenden Gewerkschaftsmitglieder für die Vereinbarung. Im Gegenzug verzichtet die Gewerkschaft auf einen bereits vorbereiteten 18-tägigen Streik, an dem bis zu 48.000 Beschäftigte teilnehmen sollten. Es wäre der größte Arbeitskampf in der Geschichte des Konzerns gewesen.
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Bis zu 290.000 Euro Bonus pro Mitarbeiter
Kern des Deals ist ein neues Bonussystem für die Halbleitersparte des Konzerns, die massiv vom weltweiten Boom der künstlichen Intelligenz profitiert. Samsung verpflichtet sich dabei erstmals schriftlich, dauerhaft 10,5 Prozent des operativen Gewinns der Chip-Sparte für Sonderzahlungen an Beschäftigte bereitzustellen.
Nach Unternehmensangaben sollen Beschäftigte im Speicherchipgeschäft dadurch bereits 2026 im Schnitt rund 509 Millionen Won erhalten – umgerechnet etwa 290.000 Euro. Einzelne Mitarbeitende könnten laut südkoreanischen Medien sogar deutlich höhere Summen bekommen.
Besonders ungewöhnlich: Die Boni werden nicht einfach als einmalige Barzahlung ausgezahlt. Stattdessen sollen sie über einen Zeitraum von zehn Jahren schrittweise in Form von Samsung-Aktien übertragen werden. Die tatsächliche Höhe hängt dabei von langfristigen Gewinnzielen des Konzerns ab. Reuters zufolge wurde zudem eine bisherige Obergrenze abgeschafft, die Sonderzahlungen auf 50 Prozent des Jahresgehalts begrenzte.
KI-Boom treibt Gewinne – und Erwartungen
Auslöser des Konflikts war vor allem der Konkurrent SK Hynix, der ebenfalls massiv vom KI-Geschäft profitiert. Das Unternehmen hatte seine Bonusregelungen bereits 2025 deutlich ausgeweitet. Nach Angaben von Reuters erreichen einzelne Bonuszahlungen dort inzwischen bis zu 3000 Prozent des Grundgehalts.
Samsung sah sich dadurch zunehmend unter Druck. Nach Angaben der Gewerkschaft wechselten bereits Beschäftigte zu Konkurrenten mit attraktiveren Bonusmodellen. Der Konzern steht gemeinsam mit SK Hynix und Micron im Zentrum des weltweiten KI-Booms: Speicherchips aus Südkorea gelten als entscheidende Komponente für KI-Systeme von Nvidia, AMD und anderen Tech-Konzernen.
Samsung macht nach Regierungsangaben mehr als zwölf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Südkoreas aus. Analysten erwarten wegen der explodierenden Nachfrage nach KI-Hardware weiter stark steigende Gewinne.
Sorge vor neuer Lohnspirale
Der Deal sorgt in Südkorea inzwischen weit über Samsung hinaus für Diskussionen. Reuters spricht von einem möglichen „seismischen Wandel“ für das Land. Gewerkschaften anderer Großkonzerne verlangen bereits ähnliche Modelle.
Beschäftigte bei Hyundai, Kia, LG Uplus, Kakao oder dem Schiffbaukonzern HD Hyundai Heavy Industries fordern ebenfalls Beteiligungen am operativen Gewinn ihrer Unternehmen. Wirtschaftsverbände warnen dagegen vor einer gefährlichen Lohnspirale und wachsendem Druck auf kleinere Firmen.
Auch Südkoreas Präsident Lee Jae-myung äußerte Bedenken. Es sei ungewöhnlich, Beschäftigte direkt am operativen Gewinn vor Steuern zu beteiligen. Selbst Aktionäre erhielten ihre Dividenden normalerweise erst nach Steuern und Abzügen, sagte Lee laut Reuters vergangene Woche.
Samsung kündigte unterdessen zusätzlich einen milliardenschweren Fonds für Zulieferer und kleinere Partnerunternehmen an. Der Konzern will damit offenbar verhindern, dass der Bonusdeal neue Konflikte innerhalb der südkoreanischen Wirtschaft auslöst.
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