Wahlkampf

„Brauchen niemanden, der Sie vor Meinungen beschützt“: Schulze verteidigt Auftritte mit Hallervorden

Der Wahlkampf-Auftritt mit Dieter Hallervorden sorgt seit Tagen für Debatten. Jetzt äußert sich Sven Schulze erstmals ausführlich.

3 Min
Schauspieler Dieter Hallervorden (l) und Sven Schulze (CDU) stehen gemeinsam auf der Bühne.

Schauspieler Dieter Hallervorden (l) und Sven Schulze (CDU) stehen gemeinsam auf der Bühne.

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Auftritte des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU) mit Dieter Hallervorden haben in den letzten Tagen für Debatten gesorgt. Am Dienstag meldete sich der Ministerpräsident in einem Video auf der Plattform X zu Wort.

Anlass ist der heftige Wirbel um seine gemeinsamen Wahlkampfauftritte mit dem Schauspieler und Komiker Hallervorden, insbesondere dessen Aussagen auf der Bühne. Schulze verteidigte die Entscheidung, den Auftritt stattfinden zu lassen.

Was Sven Schulze zu Hallervorden konkret sagte

Schulze wählte klare Worte. „Diese Woche wird viel darüber gesprochen und auch geschrieben, was auf meiner Bühne gesagt werden durfte“, erklärte er im Video. Auf dieser Bühne habe ein Künstler gestanden, „der Dinge gesagt und gesungen hat, die ich für falsch halte“.

Manches gehe für ihn sogar noch weiter. Einzelne Aussagen hält der Politiker nach eigenen Worten für „grundfalsch“. Er habe Hallervorden deshalb widersprochen – und danach trotzdem mit ihm auf derselben Bühne gestanden.

Schulze wollte Hallervorden-Auftritt nicht absagen

Der Ministerpräsident formuliert die Vorwürfe offen als Fragen. „Hätte ich das verhindern sollen? Absagen, streichen, zensieren, gar nicht stattfinden lassen?“, so Schulze.

Seine Antwort verweist auf das Motto des Abends: „Kunst braucht Freiheit“. Für Schulze ist der Auftritt damit kein Widerspruch, sondern Ausdruck genau dieser Freiheit. Ein Land, in dem alle dasselbe sagen müssten, will er nach eigener Aussage nicht regieren. „Ich traue Ihnen als Bürger etwas ganz Wichtiges zu: Mündigkeit“, sagte Schulze.
Die Menschen bräuchten niemanden, der sie „vor Meinungen beschützt“, betonte er. Und weiter: „Sie können zwei Menschen streiten hören und sich eine dritte Meinung bilden“.

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Kein Signal gegen die eigene Partei

Trotz aller Distanz zu einzelnen Aussagen betont Schulze, dass sein Auftritt kein parteiinterner Affront sei. „Deshalb ist das hier auch kein Zeichen gegen Berlin und kein Kontra gegen meine Partei“, sagte er. Für Aufsehen sorgte Hallervordens Auftritt unter anderem wegen seiner musikalischen Einlagen.

In einem Lied wendet er sich direkt an Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius: „Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!“ Weiter sang Hallervorden: „Kriegstüchtig sollen wir sein, wie vor 90 Jahren. Zur Hölle sollen die fahren, die das von uns verlangen“.

Auf der Leinwand war zunächst der Reichstag zu sehen, dann ein SA-Aufmarsch, dem eine kurze Sequenz von Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Truppenbesuch und in Tarnkleidung folgt und sodann Bundeskanzler Friedrich Merz beim Händeschütteln mit Bundeswehrsoldaten. Bei seinem Auftritt bezeichnete Hallervorden Pistorius als Kriegsminister.

Während seiner Gesangseinlage lief zudem ein Hintergrundvideo, in dem kurz das Foto einer Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ eingeblendet wurde. Sowohl Schulze als auch die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann distanzierten sich davon.

Der Landesverband stellte zuletzt zu Hallersvordens Aussagen klar: Man mache sich nicht jede geäußerte Meinung zu eigen. Hallervorden sei mit dem Wunsch auf Schulze zugekommen, ihn zu unterstützen. Verantwortlich für seine Texte sei allein der Künstler.

Hallervorden wiederum lobte Schulzes „Rückgrat“ und teilte in Dessau gegen Hoppermann aus: „Selbst wenn ich Pantomime machen würde, würde sie noch ein unzulässiges Wort entdecken.“

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