Luftverkehr

Täglich mit Emirates von Berlin nach Dubai: Ein Kompromiss ist im Gespräch

Seit Jahren blockieren Lufthansa, Hessen und Bayern die Emirates-Pläne für den BER. Jetzt kommt der Präsident der Emirate nach Berlin – und es gibt einen neuen Vorschlag.

6 Min
Bald im Anflug auf Berlin? Mit Maschinen des Typs Boeing 777-300ER möchte Emirates täglich zum Flughafen BER fliegen.

Bald im Anflug auf Berlin? Mit Maschinen des Typs Boeing 777-300ER möchte Emirates täglich zum Flughafen BER fliegen.

© Chad Slattery/Emirates

Sekt oder Selters: Das ist in der kommenden Woche die Frage. Dann reist Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan, Staatspräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, nach Berlin. Bei dem Staatsbesuch soll es auch um ein Thema gehen, das Ostdeutsche umtreibt: Emirates will den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) als fünfte Deutschland-Destination ins Programm aufnehmen. Wird das jetzt endlich gelingen?

Seit Jahrzehnten versucht die Airline, ihr Angebot auszuweiten. Ein Abkommen steht dem Wunsch, außer Frankfurt am Main, Düsseldorf, München und Hamburg auch Berlin und Stuttgart anzusteuern, im Weg. Doch nun berichten Beobachter von einem neuen Vorschlag, mit dem der Knoten durchschlagen und Kritiker besänftigt werden könnten.

Das in Regierungskreisen intern diskutierte Konzept sieht vor, Emirates zumindest sieben weitere wöchentliche Deutschland-Flüge zu genehmigen. Damit würde der Wunsch der Fluggesellschaft zwar nur zur Hälfte erfüllt. Doch die Airline könnte zumindest einen fünften  deutschen Flughafen täglich mit einem Hin- und Rückflug bedienen.

Staatsbesuch in Deutschland: Das steht im Programm

Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan möchte am 9. September in Berlin eintreffen. Für den 10. September um 10 Uhr ist die Begrüßung mit militärischen Ehren in der Villa Borsig vorgesehen. Am Nachmittag trägt sich der Präsident ins Goldene Buch der Stadt Berlin ein. Der Tag endet mit einem Bankett beim Bundespräsidenten. Am 11. September geht es nach einem Wirtschaftsgipfel von München aus zurück.

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Beobachter gehen davon aus, dass es bei dem Staatsbesuch auch um die Emirates-Pläne gehen wird. Als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Februar am Golf weilte, hatte das Thema bereits eine prominente Rolle gespielt. Erst vor kurzem bekräftigten die Emirate den Wunsch, das Abkommen mit dem Bundesverkehrsministerium neu zu verhandeln. Verkehrs-Staatssekretär Stefan Schnorr bekam einen Brief von der Luftfahrtbehörde.

Beharrlich versucht die staatliche Airline, die Front der Ablehnung aufzubrechen. Bislang hielt die Mauer. Die Lufthansa, die ohne staatliche Unterstützung auskommen muss, will nicht, dass sich Emirates in Deutschland weiter ausbreitet. Die Eurowings, Teil der Lufthansa-Group, fliegt ab November wieder täglich BER - Dubai.

Auch die Bundesländer Hessen und Bayern lehnten die Pläne bislang ab. Die Landesregierungen fürchten Einbußen für die Großflughäfen Frankfurt und München, wenn der BER und Stuttgart ans Emirates-Netz angeschlossen würden. Dieser Widerstand scheint zu bröckeln.

Ein Blick in die First Class einer Boeing 777-300ER von Emirates.

Ein Blick in die First Class einer Boeing 777-300ER von Emirates.

© Emirates

Ob es tatsächlich den Vorschlag gibt, Emirates zumindest die Hälfte des Expansionsplans zu genehmigen, lässt sich derzeit noch nicht erhärten. Im Vorfeld des Präsidentenbesuchs werden auf Bundesebene verschiedene Ansätze diskutiert, sagte ein Beobachter. „Je nachdem, wen man wann fragt, hört man Unterschiedliches.“

Nicht ausgeschlossen, dass manche Ideen mit Hintergedanken lanciert werden – um Reaktionen zu testen. „Klar ist, dass die Lufthansa ihre Lobbytätigkeit wieder intensiviert hat“, so der Gesprächspartner der Berliner Zeitung. Was Insider dennoch aufhorchen lässt: Der jüngste Lösungsvorschlag wirkt aus politischer Sicht plausibel.

Würde der Bund nur eine von zwei weiteren Destinationen ermöglichen, könnte er dies den Kontrahenten als klassischen Kompromiss gut verkaufen. Es entstünde nicht der Eindruck, dass Deutschland nun einknickt, dass der Bund die beiden größten Flughäfen sowie die private Lufthansa in Krisenzeiten zu sehr weiterer Konkurrenz aussetzt.

Stuttgart oder Berlin: Der Gewinner steht bereits fest

Klar wäre, dass Berlin als Gewinner hervorgehen würde. Zwar hat Emirates Stuttgart auf die Wunschliste gesetzt, weil die Luftfahrtgesellschaft den dortigen Wirtschaftsraum als lukratives, aufkommensstarkes Ziel einschätzt. Doch wenn die Airline wählen müsste, würde sie sich wohl für den BER in Schönefeld entscheiden.

Inzwischen gibt es weiteren Rückenwind. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung fordert Sepp Müller (CDU), der „politisch verordneten Abschottungspolitik“ eine Absage zu erteilen.

„Seit Jahren blockieren etablierte Platzhirsche mit tatkräftiger Unterstützung einzelner politischer Akteure zusätzliche Landerechte“, etwa am BER und in Stuttgart, schreibt der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der aus Sachsen-Anhalt kommt.

Tipp für Emirates: Was die Lufthansa sagt

In einer Studie für die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Berlin hat das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung acht wirtschaftspolitische Hebel für mehr Wirtschaftswachstum untersucht. Eine Maßnahme lautet, die Zahl der Interkontinentalflüge am BER fast zu verdoppeln – mit acht neuen Langstreckenverbindungen.

„Deutschland zählt zu den liberalsten Luftverkehrsmärkten weltweit. Alle 150 Airlines, die Deutschland anfliegen, können ihre Zielorte frei wählen“, betont dagegen die Lufthansa.  Wenn Emirates Berlin so wichtig sei, könne die Airline einfach ein anderes Ziel streichen.

Eine Lufthansa-Maschine des Typs Airbus A380 startet in Frankfurt am Main nach Boston.

Eine Lufthansa-Maschine des Typs Airbus A380 startet in Frankfurt am Main nach Boston.

© Sven Hoppe/dpa

Dass das Luftverkehrsabkommen die Zahl der Destinationen in Deutschland auf vier begrenzt, habe Gründe. „Emirates und andere Wettbewerber aus der Golfregion operieren unter deutlich günstigeren Rahmenbedingungen, die den Wettbewerb verzerren“, so die Lufthansa. Es gebe ein „erhebliches Gefälle“ bei Arbeits-und Sozialstandards, Klimaschutzauflagen und Verbraucherrechten.

Nicht zuletzt: Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine habe Emirates die Verbindungen nach Russland ausgebaut, während andere Airlines das Land umfliegen müssen, etwa auf dem Weg nach Asien, hieß es.

Doch die Emirate bleiben hartnäckig. Im Juni präsentierte Emirates-Präsident Sir Tim Clark konkrete Pläne. Danach sollen Großraumflugzeuge des Typs Boeing 777-300ER den BER täglich mit dem Drehkreuz Dubai (DXB) verbinden. Die gewohnten Komfortklassen würden angeboten: First Class, Business Class, Premium Economy sowie Economy.

Denkbar wäre ein Start am Morgen in Dubai, Ankunft am BER zwischen 11 und 12 Uhr, danach ginge es auf die Arabische Halbinsel zurück. Unter Deck gäbe es Kapazität für 280 Tonnen Fracht pro Woche und Richtung.

„Sieben Schritte nach vorn, fünf Schritte zurück“

Im vergangenen Jahr hat Emirates nach eigenen Angaben 2,36 Millionen Passagiere von und nach Deutschland befördert. Rund 60 Prozent nutzten Dubai im Transit. Die Airline verbindet Frankfurt am Main, Düsseldorf, München und Hamburg unter anderem mit rund 50 Zielen in Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten, Südostasien und Australien, die von keiner deutschen Fluggesellschaft bedient werden.

Tim Clark zeigte sich im Juni siegesbewusst, dass Emirates sein Deutschland-Angebot ausweiten kann. „Sieben Schritte nach vorn, fünf Schritte zurück“ – doch die Diskussion gehe in die richtige Richtung, fasste er während eines Medientermins im Hotel Adlon zusammen. „Wir sind entschlossen. Wir werden es schaffen.“

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