Ausflugstipps

Tag des offenen Denkmals 2026: Lohnende Ziele in Ostdeutschland

Mühlen, Bahnhöfe und Jugendstilperlen: An diesem Sonntag öffnen tausende Denkmale ihre Türen. Ein Überblick über besondere Ziele im Osten.

9 Min
In Netzschkau bei Reichenbach im sächsischen Vogtland steht mit der Göltzschtalbrücke die größte Ziegelsteinbrücke der Welt.

In Netzschkau bei Reichenbach im sächsischen Vogtland steht mit der Göltzschtalbrücke die größte Ziegelsteinbrücke der Welt.

© Eberhard Thonfeld/Imago

Bröckelnder Putz, quietschende Türen, Räume, die sonst niemand betritt: Am Tag des offenen Denkmals lassen sich Orte erleben, die im Alltag verschlossen bleiben. Seit 1993 wird sie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bundesweit koordiniert. Am Sonntag, den 13. September 2026, öffnen bundesweit tausende Bauwerke ihre Türen – vom mittelalterlichen Mühlengebäude über die barocke Gestütsanlage bis hin zum Jugendstilgebäude, das nach den Plänen des bekannten Architekten Henry van de Velde in Gera entstand.

Wer den Tag für einen Ausflug nutzen will, hat in Ostdeutschland die Wahl zwischen mehreren tausend Zielen: Die Programmdatenbank der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) listet allein für Sachsen 1022 Objekte, für Thüringen 483, für Sachsen-Anhalt 435, für Brandenburg 346 und für Mecklenburg-Vorpommern 277.

Damit die Auswahl leichter fällt, stellt die OAZ für jedes ostdeutsche Bundesland Denkmale vor, die einen Besuch besonders lohnen – von der kuriosen Bahnstation „Amerika“ in Sachsen bis zur einzigen vollständig erhaltenen Renaissance-Zitadelle Norddeutschlands.

Sachsen: Mühle, Erzwäsche und ein Bahnhof namens Amerika

Göltzschtalbrücke: 26.021.000 vermauerte Ziegelsteine, eine Länge von 574 Metern und eine Höhe von 78 Metern machen die Göltzschtalbrücke im sächsischen Vogtland zur größten Ziegelsteinbrücke der Welt. Erbaut von 1846-51 für die Eisenbahnverbindung zwischen Leipzig und Nürnberg, kann sie bis heute von der Eisenbahn ohne jegliche Einschränkungen befahren werden. Nicht umsonst wurde sie von ihren Arbeitern (im Weihespruch zur Schlusssteinlegung am 14.09.1850) als „Achtes Weltwunder“ bezeichnet. Am Sonntag findet ab 13 Uhr ein einstündiger Rundgang statt.

Komturhof Plauen: Es ist das älteste Veranstaltungsgebäude der Spitzenstadt und einst Niederlassung des Deutschen Ordens. Im 13. Jahrhundert errichtet, wurde das Konventgebäude nach der Einführung des Protestantismus säkularisiert. Ein schwerer Bombentreffer im II. Weltkrieg ließ nur eine Ruine zurück. Der hier aktive Förderverein gründete sich 2009 und seither flossen mehr als eine Million Euro Fördermittel in das Objekt, um es zu einer Kulturstätte umzubauen. Zum Denkmaltag haben ab 11 Uhr aber die beinahe echten Rittersleut das Sagen – es gilt Geschichte, Kulinarik und Kultur gleichermaßen zu erleben.

Im Plauener Komturhof sind am Sonntag die Ritter des Deutschen Ordens zum „Tag des offenen Denkmals“ zu erleben.

Im Plauener Komturhof sind am Sonntag die Ritter des Deutschen Ordens zum „Tag des offenen Denkmals“ zu erleben.

© Ingo Eckardt

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Bachmühle Steina: Das Technikdenkmal, das zum Lehn der Burg Mildenstein Leisnig gehörte, geht auf einen 1377 erstmals belegten Mühlenstandort zurück. Der Schlussstein trägt die Jahreszahl 1708. Die Mahltechnik aus dem 19. Jahrhundert ist nahezu vollständig erhalten. Seit 2024 saniert ein Verein das Areal und nutzt es als Museum – und öffnet zum Tag des Denkmals seine Pforten.

Erzwäsche Halsbrücke: Der 1840 errichtete Bau trennte mit Pochwerk und zwei Stoßherden Erz vom tauben Gestein, angetrieben über ein Wasserrad aus dem Kunstgraben „Roter Graben“. Im Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Nähsaal, heute ist es Vereinssitz. Am Sonntag wird erstmals eine 3D-Videoshow gezeigt, es gibt eine historische Nähmaschinenausstellung und es finden Führungen statt.

Bahnhof Amerika bei Penig: Empfangsgebäude und Güterschuppen entstanden zwischen 1876 und 1899. An der Muldentalbahn wurde der Stationsname „Amerika“ offiziell eingeführt. Der Haltepunkt spielte insbesondere für den Güterverkehr eine wichtige Rolle, da hier vor allem Waren der örtlichen Baumwollspinnerei verladen wurden. Später wurde der Bahnhof zusätzlich für den Personenverkehr genutzt. Seit der Einstellung des Zugverkehrs im Jahr 2002 wird der Haltepunkt nicht mehr bedient. Ab 11 Uhr finden Führungen statt.

Sachsen-Anhalt: Kinderwagenfabrik, Hochwasserwehr und Hofgestüt

Zekiwa-Areal Zeitz: Von 1846 bis 1946 baute hier der Unternehmer Ernst Albert Naether seine ersten Kinderwagenmodelle. Bis 1990 war ZEKIWA die größte Kinderwagenfabrik Europas. Bis zu 450.000 Kinderwagen und 160.000 Puppenwagen für das In- und Ausland liefen hier vom Band. Nach dem Produktionsende 1991 und Jahren des Verfalls wurde das Gebäude ab 2019 instandgesetzt und beherbergt heute Stadtarchiv und Reallabor. Fußläufig erreichbar sind zudem die geöffneten Denkmäler Nikolaikirche und Museum Schloss Moritzburg.

Pretziener Wehr: Das Technikdenkmal in der Nähe von Magdeburg schützt seit 1875 Menschen, Landschaft und Städte an der Elbe vor Hochwasser – bis heute mit ungebrochener Wirksamkeit. Das Land Sachsen-Anhalt führt das Meisterstück deutscher Ingenieurskunst zusätzlich als Unesco-Kandidaten auf seiner jüngsten Tentativliste. Ein buntes Programm für die Familie, Führungen und eine Talkrunde „Das Pretziener Wehr auf dem Weg zum Unesco-Weltkulturerbe“ sind geplant.

Schutz vor dem Elbe-Hochwasser: das Pretziener Wehr bei Magdeburg

Schutz vor dem Elbe-Hochwasser: das Pretziener Wehr bei Magdeburg

© Axel Kammerer/Imago

Hofgestüt Bleesern: Ehemaliges Hofgestüt der Kurfürsten von Sachsen in der Nähe von Lutherstadt Wittenberg. Pferdezucht ist an diesem Ort seit 1444 belegt, die frühbarocke Anlage entstand von 1676 bis 1686 nach Entwürfen von Wolf Caspar von Klengel. 2010 war das Ensemble akut vom Abbruch bedroht, seither treibt ein Förderverein die Rettung voran. 2017 wurde das Engagement mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet. 14.30 Uhr findet eine Reitvorführung von Akteuren in historischer Kostümierung in Erinnerung an zahlreiche Jagdaufenthalte der sächsischen Kurfürsten im Hofgestüt Bleesern statt.

Thüringen: Schieferbergbau, Schmalspurbahn und Haus Schulenburg

Historischer Schieferbergbau Lehesten: Der Standort zeigt ein nahezu vollständiges Ensemble des Schieferabbaus. Zur Anlage gehören unter anderem die europaweit einmalige Göpelschachtanlage, eine Doppelspalthütte, Schacht IV mit Hängebank sowie Mannschaftshaus, Fördergerüst, Lampenstube und Kompressorenstation. Damit sind Arbeitsabläufe vom 19. bis ins späte 20. Jahrhundert dokumentiert. Ab 10.30 Uhr gibt es Führungen, Filme im Besucherzentrum, Sonderführung am Schachtkomplex IV.

Ein malerischer Steinbruchsee, umgeben von hohen Felsen und Bäumen,: das Technische Denkmal im Schieferpark Lehesten am Rennsteig

Ein malerischer Steinbruchsee, umgeben von hohen Felsen und Bäumen,: das Technische Denkmal im Schieferpark Lehesten am Rennsteig

© Marco Bunk/Imago

Bahnwerkstatt Georgenthal: Auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerks sammelt die IG Hirzbergbahn Technik der Thüringer Schmalspurbahnen. Der Verein restauriert Fahrzeuge und erläutert Werkzeuge, Sicherungstechnik sowie die frühere Rolle Georgenthals als Eisenbahnknoten – rund 150 Jahre Eisenbahngeschichte an einem Ort. Es gibt Führungen, einen Kinowagen sowie Spielmöglichkeiten für Kinder zum Thema Eisenbahn.

Henry van de Velde – Museum Haus Schulenburg Gera: Das Haus Schulenburg in Gera ist ein Denkmal der europäischen Frühmoderne. Der belgische Architekt, Designer und Wegbereiter der Bauhaus-Bewegung, Henry van de Velde, erbaute die Villa 1913-15 für den Textilfabrikanten Paul Schulenburg im geometrischen Jugendstil. Das Anwesen ist als Gesamtkunstwerk konzipiert, da van de Velde neben der Architektur auch die Inneneinrichtung, Stoffe und den terrassierten Garten entwarf. In den 1920er-Jahren wurde der Garten durch den Architekten Thilo Schoder erweitert.

Während der DDR-Zeit diente die Villa als medizinische Fachschule, wobei Teile der originalen Bausubstanz verloren gingen. Ab 1996 erfolgten Sanierung und Rekonstruktion. Heute beherbergt die Villa ein Museum mit einer umfangreichen Sammlung von Buchgestaltungen van de Veldes sowie Möbeln und Kunstwerken. Die Restaurierung wurde mit dem europäischen Denkmalschutzpreis Europa Nostra ausgezeichnet. Ab 11 Uhr startet das Programm mit Konzertchor, Vortrag zur Rekonstruktion des Hauses, Ausstellungen  „Haus Schulenburg als europäisches Kulturgut“ und „Papiergedichte, Fotografien, Visionen: Volker und Lester Kielstein im Dialog“.

Der belgische Architekt Henry van de Velde lieferte die Entwürfe für die Villa Schulenburg in Gera. Auch die Inneneinrichtung und den terrassierten Garten entwarf van de Velde.

Der belgische Architekt Henry van de Velde lieferte die Entwürfe für die Villa Schulenburg in Gera. Auch die Inneneinrichtung und den terrassierten Garten entwarf van de Velde.

© imago stock&people

Mecklenburg-Vorpommern: Bürgerhaus, Fürstenzimmer und Renaissance-Zitadelle

Baumannsches Haus in Gadebusch: Das spätbarocke Bürgerhaus war Wohn- und Amtshaus des Hofrats Carl Metelmann, hier wuchs die Krankenpflegerin Agnes Karll auf. Sie ist Ehrenbürgerin der Stadt Gadebusch, die Begründerin der modernen Krankenpflege in Deutschland und wurde 1909 in London Präsidentin des Weltbundes der Krankenpflegerinnen und Ehrenmitglied der Oberinnenvereinigung in Großbritannien und Irland. Parallel zur Öffnung am Denkmaltag finden Arbeiten an der historischen Fassade und im Untergeschoss statt. Ab 10 Uhr starten die Führungen durch das Gebäude.

Bahnhof Lübstorf: Das Gebäude entstand Mitte des 19. Jahrhunderts an der Strecke Schwerin–Wismar. Besondere Bedeutung erlangte das Gebäude durch den 1897 erfolgten Umbau mit der Errichtung eines Fürstenzimmers für den Mecklenburgischen Herzog Johann Albrecht. 2016 stand der Bahnhof fast vor dem Einsturz, seither wird er aufwendig restauriert. 14 Uhr beginnt eine 90-minütige Entdeckungstour durch das architektonische Kleinod, das heute als Feriendomizil genutzt wird.

Der regionale Bahnhof Lübstorf wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an der Bahnstrecke Schwerin–Wismar errichtet.

Der regionale Bahnhof Lübstorf wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an der Bahnstrecke Schwerin–Wismar errichtet.

© Tino Schauer

Festung Dömitz: Als Festung Dömitz wird die Zitadelle der ehemaligen befestigten Idealstadt Dömitz bezeichnet. Von 1559-65 errichtet, ist sie heute die einzige vollständig erhaltene pentagonale Zitadelle der Renaissance in Norddeutschland. Sie gehört zu den besterhaltenen Flachlandfestungen in Nordeuropa. Aufgrund ihrer sehr hohen landes- und militärgeschichtlichen sowie kunsthistorischen Wertigkeit kommt der Festung Dömitz eine besondere nationale Bedeutung zu.

Die Festung Dömitz ist der einzige vollständig erhaltene Festungsbau der Renaissance in Norddeutschland.

Die Festung Dömitz ist der einzige vollständig erhaltene Festungsbau der Renaissance in Norddeutschland.

© Norbert Neetz/Imago

Gemeinsam mit dem Gästeführer Hartmut Brun begeben sich alle Interessierten ab 14 Uhr auf eine rund einstündige Reise durch die spannende Geschichte der einstigen Grenzfestung an der Elbe, die später Landesstrafanstalt wurde und in welcher Fritz Reuter, der bedeutende niederdeutsche Dichter, von 1839 bis 1840 das letzte Jahr seiner „Festungstid“ verbrachte.

Brandenburg: Anstaltsstadt, ehemaliges Rathaus und Militärbahnhof

Asklepios Fachklinikum Brandenburg: Die ehemalige Landesklinik, heute ein psychiatrisches und neurologisches Fachklinikum, wurde zwischen 1911 und 1915 mit 67 Gebäuden, Gärtnerei, Pflegerdorf und Gutshof zur Selbstversorgung errichtet. Heute gehört ein Museum zur Psychiatriegeschichte mit einer Dauerausstellung zur Zeit des Nationalsozialismus zum Ensemble. Jeweils 11 und 14 Uhr beginnt ein Spaziergang über das historische Areal und durch die Ausstellung.

AWO Kulturhaus Babelsberg: Das 1899 von Julius Otto Kerwen errichtete ehemalige Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg unter anderem als Reservelazarett genutzt, nach dem Krieg zum Klubhaus umgestaltet und wird seit 2005 von der Arbeiterwohlfahrt getragen. 11 und 15 Uhr gibt es Führungen durch das markante Gebäude.

Das Alte Rathaus wird heute von der Arbeiterwohlfahrt als Kulturhaus in Babelsberg genutzt.

Das Alte Rathaus wird heute von der Arbeiterwohlfahrt als Kulturhaus in Babelsberg genutzt.

© Schoening/Imago

Bahnhof der ehemaligen preußisch-königlichen Militäreisenbahn in Jänickendorf: Nach der Stilllegung 1996 wurde das private Gebäude 2014 mit Bahnhofsambiente saniert. Heute zeigt eine Galerie die Geschichte des Standorts, im Außenbereich wird der Bestand um Wagen, Lokomotive und eisenbahntechnische Details ergänzt. Ab 10 Uhr gibt es Führungen zu Eisenbahngeschichte und Kunst.

Wie umfassend die Landesprogramme ausfallen, zeigt ein Blick in die Programmdatenbank der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Bundesweit listet die DSD bis zu 6500 geöffnete Bauwerke auf. Alle Infos zu den offenen Denkmälern:
https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/programm

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