Russland stößt beim Export von sanktioniertem Flüssigerdgas offenbar an neue Grenzen. Ein Tanker mit LNG aus der Gazprom-Anlage Portovaya in der Ostsee kommt laut Reuters derzeit nicht in Indien zum Zug – obwohl das Land wegen der Energiekrise infolge des Iran-Krieges eigentlich dringend zusätzliche LNG-Mengen benötigt.
Reuters berichtet unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen exklusiv, dass Indien russisches LNG aus sanktionierten Projekten derzeit nicht kaufen wolle.
Im Mittelpunkt steht der LNG-Tanker „Kunpeng“. Das Schiff hatte demnach Mitte April noch den indischen LNG-Terminal Dahej im Westen des Landes als Ziel angegeben. Inzwischen liegt der Tanker jedoch nahe Singapur und sendet laut Schiffsdaten von LSEG kein Ziel mehr aus.
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Indien bleibt bei russischem Öl offen – bei LNG aber vorsichtig
Die Entwicklung zeigt, wie unterschiedlich Indien inzwischen mit russischem Öl und russischem LNG umgeht. Während Indien weiterhin große Mengen russischen Rohöls importiert, gelten LNG-Lieferungen offenbar als deutlich riskanter. Laut Reuters sind LNG-Transporte wegen Satellitendaten und fester Infrastruktur wesentlich schwerer zu verschleiern als Öllieferungen, die häufig über Schiff-zu-Schiff-Transfers umgeleitet werden können.
Indien habe Russland seine Haltung bereits Ende April bei Gesprächen zwischen dem russischen Vizeminister für Energie, Pavel Sorokin, und indischen Regierungsvertretern mitgeteilt, berichtet Reuters weiter. Demnach bleibt Indien zwar grundsätzlich offen für russisches LNG, allerdings nur für Lieferungen, die nicht unter US-Sanktionen stehen.
Interessant ist dabei vor allem, dass LNG-Lieferungen normalerweise deutlich stärker vertraglich und logistisch gebunden sind als Öltanker. Trotzdem war die „Kunpeng“ zeitweise bereits mit Indien als Ziel unterwegs. Reuters zufolge sollen die Begleitdokumente die Ladung dabei teilweise als nicht russisch ausgewiesen haben.
Portovaya-Anlage von Gazprom steht seit Anfang 2025 unter Sanktionen
Die Regierung von Joe Biden hatte die Portovaya-Anlage, einen wichtigen LNG-Exportstandort des russischen Staatskonzerns Gazprom, im Januar 2025, vor Amtsantritt von Donald Trump, im Rahmen neuer Sanktionen gegen Russlands Energiesektor belegt. Seitdem versucht Moskau offenbar, neue Abnehmer und alternative Transportwege für die Lieferungen zu finden.
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Wegen der angespannten Lage im Nahen Osten und der Unsicherheit rund um die Straße von Hormus steigen die LNG-Preise in Asien derzeit deutlich. Eigentlich hätte das Russland neue Absatzchancen in Asien eröffnen können, ähnlich wie beim Ölhandel. Indien deckte vor der Eskalation im Iran-Konflikt rund die Hälfte seines Gasverbrauchs über Importe, von denen etwa 60 Prozent durch die Straße von Hormus transportiert wurden.
Schiffsdaten zeigen allerdings, dass in Asien bislang vor allem China russisches LNG aus weiteren sanktionierten Anlagen wie Arctic LNG 2 abnimmt. Moskau versucht dennoch seit Monaten verstärkt, LNG auch nach Indien umzuleiten, und führt parallel Gespräche mit Neu-Delhi über langfristige LNG-Lieferungen sowie Düngemittelgeschäfte.
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