Naturschutz

Neues Wolfsrudel in Thüringen offiziell bestätigt

Damit erhöht sich die Zahl der regionalen Wolfsvorkommen im Freistaat auf acht. Jäger und Tierhalter sind zunehmend besorgt und fordern ein konsequentes Wolfsmanagement.

3 Min
Der Europäische Grauwolf erobert immer mehr Regionen in Ostdeutschland.

Der Europäische Grauwolf erobert immer mehr Regionen in Ostdeutschland.

© imago stock&people

Erste Spuren gab es schon im Frühjahr 2026. Da ging ein Wolf bei Gräfenthal in die Fotofalle. Kurz darauf meldeten Jäger im Bereich Aßberg-Hasenleite weitere Nachweise. Nachdem es über den Sommer hinweg ruhig geblieben war, brachten im Herbst 2026 zusätzliche Sichtungen und neue Fotofallenbilder endgültige Gewissheit. Nun bestätigt das Kompetenzzentrum Wolf/Biber/Luchs im Erfurter Umweltministerium das neue Rudel offiziell. Es ist im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt im Territorium „Reichmannsdorf“ zuhause und das nunmehr achte Rudel im Freistaat.

Zahl der Nutztierrisse steigt

Eine Entwicklung, die von Jägern und Tierhaltern zunehmend kritisch gesehen wird. Einschließlich des Nachwuchses der sieben bestehenden Thüringer Rudel wird der Gesamtbestand im Freistaat aktuell auf rund 40 Wölfe geschätzt. Die Entwicklung zeigt eine deutliche Dynamik: Jahrelang war Ohrdruf, wo sich 2015 die erste Wölfin niederließ, das einzige Wolfsgebiet. 2021 folgten Reviere in Ilfeld, 2024 in Neustadt am Rennsteig und 2025 gleich vier weitere Territorien bei Trusetal-Seligenthal, im Hainich,  am Kalmberg sowie ein grenzüberschreitendes Revier nahe Altenburg.

Im Vergleich zu den etablierten Wolfshochburgen im Osten Deutschlands ist die Thüringer Population jedoch noch immer verhältnismäßig klein. Sachsen hatte zuletzt 35 bestätigte Wolfsrudel gemeldet und das Landesamt für Umwelt Brandenburg wies für das jüngste abgeschlossene Monitoringjahr 54 bestätigte Rudel aus. Damit teilen sich Brandenburg mit Niedersachsen weiterhin die bundesweit dichteste Wolfspopulation.

Mit dem Wachstum der Bestände verschärfen sich die Konflikte mit der heimischen Weidewirtschaft. Im laufenden Jahr verzeichnete das Thüringer Kompetenzzentrum bereits 70 gemeldete Fälle von Nutztierrissen; in 34 Fällen wurde der Wolf von Rissgutachtern eindeutig als Verursacher bestätigt. Angesichts dessen fordert der Landesjagdverband Thüringen nachdrücklich einen rechtssicheren Rahmen für ein aktives Wolfsmanagement.

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„Unsere Jägerinnen und Jäger sind nahezu täglich in ihren Revieren unterwegs und nehmen Veränderungen in der Natur oft als Erste wahr. Gerade beim Wolf sind diese Beobachtungen von unschätzbarem Wert. Entscheidend ist aber auch, dass wirklich jeder Hinweis gemeldet wird. Nur wenn wir wissen, wo und in welchem Umfang sich Wölfe etablieren, schaffen wir eine belastbare Grundlage für ein verantwortungsvolles Wolfsmanagement“, sagt Hannes Domscheidt, Obmann für Großprädatoren im Landesjagdverband. Ein Plan für das Wolfsmanagement müsse endlich klare Zuständigkeiten, transparente Entscheidungswege und rechtssichere Handlungsmöglichkeiten schaffen.

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