Rettungsdienst

Thüringen startet landesweites Tele-Notarztsystem

Digitale Hilfe rund um die Uhr: Tele-Notärzte unterstützen Rettungskräfte in ganz Thüringen. Das Bundesland hat nun als erstes ein integriertes landesweites Tele-Notarztsystem.

OAZ
3 Min
Notfallsanitäter des DRK bei einer Präsentation der Telenotarztzentrale bei der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen in Weimar.

Notfallsanitäter des DRK bei einer Präsentation der Telenotarztzentrale bei der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen in Weimar.

© Martin Schutt/dpa

Wenn der nächste Notarzt zu weit entfernt ist, können Rettungskräfte in Thüringen künftig flächendeckend ärztliche Unterstützung per Video heranziehen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung ist der Freistaat damit das erste Bundesland mit einem integrierten landesweiten Tele-Notarztsystem.

Rund um die Uhr stehen an sieben Tagen in der Woche zwei Tele-Notärzte gleichzeitig zur Verfügung, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Weimar mitteilte. Die Mediziner sitzen in der KV-Zentrale in Weimar und können von dort aus zu Einsätzen im gesamten Land zugeschaltet werden. Von 900 Notärzten in Thüringen verfügen derzeit 37 über die nötige Zusatzausbildung.

Für die Bevölkerung ändert sich am Ablauf des Notrufs nichts. Im Notfall wird weiterhin die 112 gewählt. Den Tele-Notarzt zieht ausschließlich der Rettungsdienst hinzu, wenn die Fachkräfte vor Ort ärztliche Unterstützung für nötig halten.

Echtzeit-Daten aus dem Rettungswagen

Rettungswagen wurden dafür mit Tablets ausgestattet, die wichtige Vitaldaten wie Herzfrequenz, Atmung oder Blutdruck in Echtzeit übertragen. Der Tele-Notarzt kann auf dieser Grundlage Diagnostik und Therapie anordnen, Medikamentengaben anweisen und die Einsatzkräfte bis zum Eintreffen eines Notarztes vor Ort anleiten. Auch bei Verlegungen zwischen Kliniken kann er den Transport medizinisch begleiten.

Die Tele-Mediziner können nach Angaben der KV jedoch nicht selbst körperlich eingreifen, etwa bei einer Wiederbelebung. In lebensbedrohlichen Lagen bleibe ein Notarzt vor Ort unverzichtbar. Grenzen setze zudem der Mobilfunkempfang, der an manchen Orten noch lückenhaft sei.

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Die Einrichtung des Angebots hat nach KV-Angaben rund sieben Millionen Euro gekostet. Das Land Thüringen, in dem laut KV jährlich Zehntausende Notarzteinsätze gefahren werden,  hat die Digitalisierung der Rettungskette in den vergangenen Jahren mit rund vier Millionen Euro gefördert. Die Kosten für Personal und Betrieb übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Thüringen ist Vorreiter

Erstmals eingesetzt wurde der Tele-Notarzt in Thüringen während der Corona-Krise ab 2020, um Personalausfälle zu überbrücken.  Mit dem Thüringer Rettungsdienstgesetz wurde das Angebot 2024 dauerhaft verankert. Tele-Notarzt-Systeme gibt es bereits in anderen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Das heute in Deutschland etablierte Telenotarzt‑System wurde in Aachen seit 2007 in Forschungsprojekten entwickelt und ist seit April 2014 in der Routinenotfallversorgung. Von dort aus erfolgte die Skalierung in weitere Regionen. Nordrhein‑Westfalen plant seit 2022, eine flächendeckende Telenotarzt‑Struktur voranzutreiben. Bayern hat den Telenotarzt als neues Einsatzmittel gesetzlich verankert und baut seit 2025 landesweit drei Telenotarzt‑Standorte aus. Thüringen ist nun laut Angaben der KV allerdings das erste Bundesland mit  einem integrierten landesweiten Tele-Notarztsystem.

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