Das war ein gutes Geschäft für ThyssenKrupp: Der Essener Konzern hat ein Grundstück am ehemaligen Staatsratsgebäude für einen Quadratmeterpreis von gerade mal 2 500 Euro gekauft. Insgesamt zahlt ThyssenKrupp 1,9 Millionen Euro. Weil das Grundstück jedoch noch Straßenland ist und der Konzern es selbst baureif macht, werden diese Kosten dafür mit dem Kaufpreis verrechnet. So fließen zum Schluss nur 3 700 Euro in die Landeskasse."Es ist absolut ärgerlich", sagte der Haushaltsexperte der Linkspartei, Carl Wechselberg, zu diesem Grundstücksdeal. Auch die Grünen und die FDP sind verärgert, dass sie erst nach Vertragsabschluss von dem Geschäft erfahren haben. "Es ist absurd, dass das Land Berlin für ein Grundstück in dieser attraktiven Lage nur noch 3 700 Euro bekommt", sagte der FDP-Abgeordnete Volker Thiel. Der Vermögensausschuss des Abgeordnetenhauses beriet gestern über den Fall ThyssenKrupp und will nun weitere Unterlagen sehen. Den Verkauf rechtlich rückgängig zu machen, sei aber wohl nicht möglich, sagte der Grünen-Abgeordnete Jochen Esser. "Die haben jede Schliche ausgenutzt, um das politisch gewollte Geschäft durchzusetzen", so Esser.Die - damit sind mehrere gemeint. Im ehemaligen Staatsratsgebäude ist die Elite-Hochschule "European School of Management and Technology" (ESMT) untergebracht. Deren Dekan Wulff Plinke macht keinen Hehl daraus, dass er die Vertreter von ThyssenKrupp angesprochen hat, ob sie das Grundstück nicht erwerben wollten. ThyssenKrupp ist eines der 25 Stifter-Unternehmer der Elite-Hochschule. Nach längeren Verhandlungen mit dem Senat und dem Liegenschaftsfonds kam das Geschäft schließlich zustande.Laut Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Liegenschaftsfonds-Chef Holger Lippmann ist alles mit rechten Dingen zugegangen. So sei die Fläche im Planwerk Innenstadt als künftiges Bauland ausgewiesen. Außerdem gehöre das Grundstück zum sogenannten Entwicklungsgebiet Regierungsviertel. Das Grundstück dürfe nur zum Verkehrswert abgegeben werden, Spekulationsverkäufe seien untersagt. Der Verkehrswert liege in diesem Bereich bei 2 500 Euro pro Quadratmeter. Auch die Direktvergabe an ThyssenKrupp sei erlaubt, ein Bieterverfahren nicht notwendig gewesen, so Lippmann. Im Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds hatten die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Finanzen und Wirtschaft den Verkauf einstimmig beschlossen."Warum hat der Senat das Straßenland nicht selbst zu Bauland entwickelt, dann wäre der Preis sehr viel höher gewesen?", fragte der Grünen-Abgeordnete Esser. Der Abgeordnete Wechselberg von der Linkspartei ärgert sich über den Koalitionspartner SPD und fühlt sich an alte Zeiten erinnert: "Das ist Stadtentwicklungspolitik nach Gutsherrenart, damit wird nahtlos an die Bauskandale früherer Zeiten angeknüpft."ThyssenKrupp will in dem würfelförmigen Gebäude, das etwas niedriger ausfallen soll als das ehemalige Staatsratsgebäude und das Außenministerium, seine Repräsentanz eröffnen. Weil das Unternehmen nicht das ganze Haus nutzen will, soll auch Platz für "Diskussionsforen" bleiben.------------------------------Exklusive AdresseSchlossplatz 2 lautet die Anschrift der Hauptstadtrepräsentanz des Konzerns ThyssenKrupp demnächst. Eine exklusive Adresse, die für das Unternehmen jedoch sehr günstig war. Für die 737 Quadratmeter zahlte man einen Quadratmeterpreis von 2 500 Euro.In Berlins Mitte sind nicht alle Grundstücke so billig zu haben. Das Münchner Unternehmen Meag erwarb das 2 300 Quadratmeter große Filetgrundstück Unter den Linden, Ecke Friedrichstraße. Der Kaufpreis soll 40 Millionen Euro betragen haben - rund 17 300 Euro pro Quadratmeter.------------------------------Grafik: Direkt vor dem ehemaligen Staatsratsgebäude will ThyssenKrupp bauen.------------------------------Foto: In bester Lage: Neben dem ehemaligen Staatsratsgebäude (l.) will ThyssenKrupp seine Hauptstadtrepräsentanz errichten. Rechts das Auswärtige Amt.
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