Diplomatie

Werben um Kasachstan: Merz und Steinmeier empfangen Präsident Tokajew in Berlin

Im Kanzleramt geht es um Energie, Rohstoffe und Sicherheit. Beim Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsforum sollen Dutzende Kooperationsprojekte besiegelt werden.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Kasachstans Präsident Kassim-Schomart Tokajew ist zu politischen und wirtschaftlichen Gesprächen in Deutschland.

Kasachstans Präsident Kassim-Schomart Tokajew ist zu politischen und wirtschaftlichen Gesprächen in Deutschland.

© Bernd Elmenthaler/imago

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew wird an diesem Dienstag zu politischen Gesprächen in Berlin erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt ihn am Nachmittag im Bundeskanzleramt, anschließend ist eine gemeinsame Pressekonferenz geplant.

Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Regierungssprecher berichtete, sollen im Mittelpunkt der Beratungen der Ausbau der bilateralen Energie- und Rohstoffpartnerschaft, Fragen der regionalen Zusammenarbeit sowie die internationale Sicherheitspolitik stehen.

Zuvor kommt Tokajew mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen, auf dessen Einladung der Besuch zurückgeht. Am Mittwoch reist Tokajew nach München weiter, wo ein Technologie-Wirtschaftsforum geplant ist.

37 Projekte im Haus der Deutschen Wirtschaft

Parallel zu den politischen Gesprächen beginnt in Berlin das Deutsch-Kasachische Wirtschaftsforum im Haus der Deutschen Wirtschaft. Rund 300 Vertreter aus Politik und Wirtschaft beider Länder beraten dort über Kooperationen in den Bereichen Industrie, Energie, Rohstoffe sowie Transport und Logistik.

Zum Abschluss ist nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, der Interessenvertretung deutscher Unternehmen für die Märkte in Osteuropa und Zentralasien, die Unterzeichnung von 37 bilateralen Projekten mit einem Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro vorgesehen.

Veranstalter sind der Ost-Ausschuss, die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien und die kasachische Botschaft.

Rohstoffreiches Land am Kaspischen Meer

Kasachstan ist ein Binnenstaat zwischen Russland, China und dem Kaspischen Meer, flächenmäßig das neuntgrößte Land der Erde mit rund 20,6 Millionen Einwohnern. Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 ist es eine Präsidialrepublik, Tokajew ist seit 2019 im Amt.

Politisch und wirtschaftlich ist das Land eng mit Russland verbunden, verfolgt gegenüber Moskau aber einen eigenständigen Kurs. Beide Staaten gehören der Eurasischen Wirtschaftsunion an, Russland zählt zu den wichtigsten Handelspartnern Kasachstans.

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Die Wirtschaft stützt sich stark auf die Förderung und den Export von Rohstoffen: Kasachstan verfügt über große Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Uran, Kupfer und Chrom. Nach Branchenangaben ist Kasachstan der weltweit größte Uranproduzent, 2024 entfielen auf das Land demnach rund 39 Prozent der globalen Förderung.

Bei seinem Brüssel-Besuch im Juni 2026 hatte Tokajew erklärt, Kasachstan könne 21 der 34 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffe liefern, von Uran über Nickel bis Kobalt.

Nach Angaben der DIHK ist das Land Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Zentralasien – es steht für rund 80 Prozent des deutschen Handels mit der Region. Der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses, Michael Harms, erklärte, Kasachstan biete Chancen für deutsche Technologieanbieter und trage zur Diversifizierung der Energie- und Rohstofflieferungen in die EU bei.

DIHK-Präsident Peter Adrian bezeichnete Kasachstan als „Ankerpartner“ der deutschen Wirtschaft, auch bei grüner Energie und Wasserstoff.

Ausländische Konzerne halten Mehrheiten an Ölfeldern

Der bilaterale Handel erreichte 2025 nach Angaben des Ost-Ausschusses ein Volumen von rund acht Milliarden Euro. Deutschland führte Waren im Wert von 5,3 Milliarden Euro aus Kasachstan ein, vor allem Erdöl und Erdgas, und exportierte Güter im Wert von 2,7 Milliarden Euro, darunter Maschinen, Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Nach kasachischen Angaben stiegen die deutschen Investitionen auf rund 700 Millionen US-Dollar, etwa 450 deutsche Unternehmen sind vor Ort aktiv.

Das kasachische Rohöl stammt aus heimischen Lagerstätten, die Förderung ist jedoch nur zum Teil in kasachischer Hand. Am größten Feld Tengiz hält der Staatskonzern KazMunayGas 20 Prozent, am Feld Kashagan knapp 17 Prozent und an Karachaganak zehn Prozent. Den Großteil kontrollieren internationale Ölkonzerne wie Chevron, ExxonMobil, Eni, Shell und TotalEnergies.

Beim Export besteht zudem eine starke Abhängigkeit von Russland: Rund 80 Prozent der kasachischen Ölexporte gelangen über das CPC-Pipelinesystem zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk, von wo Tanker die Ladung weitertransportieren.

Die PCK-Raffinerie Schwedt bezog kasachisches Öl über die Druschba-Trasse. Russland stoppte diesen Transit Anfang Mai 2026 – das Ersatzöl für Schwedt ist nicht kasachisch, sondern wird am Weltmarkt beschafft. Kasachstan liefert jedoch weiterhin in erheblichem Umfang Rohöl nach Deutschland und in andere Länder der EU. Italien, Griechenland und die Niederlande zählen zu den Abnehmern, Österreich bezieht rund die Hälfte seiner Rohölimporte aus Kasachstan.

USA und China machen deutschen Firmen Konkurrenz

Um die Aufträge in Kasachstan konkurrieren zunehmend Unternehmen aus den USA und China. Beim C5+1-Gipfel in Washington im November 2025 wurden nach Angaben aus Astana Vereinbarungen mit kasachischer Beteiligung im Umfang von mehr als 17 Milliarden US-Dollar geschlossen.

Der Handel Chinas mit Kasachstan lag 2024 nach chinesischen Zollangaben bei rund 44 Milliarden Dollar – mehr als 6000 chinesische Unternehmen sind im Land aktiv.

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