Lieferung an die Ukraine

Tomahawks für Kiew? Trump äußert sich zu Entscheidung – Putin warnt

Steht die Tomahawk-Lieferung an Kiew bevor? Putin warnt vor einer „neuen Eskalationsstufe“. Warum der Streit zur Eskalation mit dem Westen führen könnte.

Harald Neuber
4 Min
Start einer Tomahawk-Rakete, hier vom Lenkwaffenzerstörer USS Laboon

Start einer Tomahawk-Rakete, hier vom Lenkwaffenzerstörer USS Laboon

© Mass Communication Spc. 3rd Clas

US-Präsident Donald Trump steht eigenen Worten zufolge kurz vor einer Entscheidung über die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern an die Ukraine. Bevor er darüber endgültig befinde, wolle er jedoch genau wissen, wie diese Raketen eingesetzt würden und auf welche Ziele sie gerichtet wären, sagte er am Montagnachmittag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

„Ich habe gewissermaßen eine Entscheidung getroffen“, sagte Trump wörtlich. Er betonte jedoch, er wolle „keine Eskalation sehen“ und werde noch „einige Fragen stellen“. Wie so oft lässt der US-Präsident am Ende also alles offen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die USA Ende September bei einem Treffen mit Trump in New York um die Lieferung von Tomahawk-Raketen gebeten. Selenskyj wollte Trump einen detaillierten Antrag zum Bedarf der ukrainischen Streitkräfte vorlegen.

Erst in der vergangenen Woche hatte Selenskyj bestätigt, dass er mit Trump über die Möglichkeit gesprochen habe, dass die USA der Ukraine Langstreckensysteme zur Verfügung stellen.

Putin sieht die Beziehungen zu den USA gefährdet

In einer Rede vor dem Waldai-Forum hatte der russische Präsident Wladimir Putin indes davor gewarnt, dass der Einsatz von Tomahawk-Raketen durch die Ukraine die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Moskau und Washington weiter belasten würde.

Laut Putin würde die Lieferung der US-Marschflugkörper an die ukrainischen Streitkräfte das Kräfteverhältnis auf dem Schlachtfeld jedoch nicht verändern. Die russische Luftabwehr könne auch Tomahawks abfangen, so der Staatschef.

Nicht ohne Beteiligung der USA

Putin betonte, dass die Ukraine diese Raketen nicht ohne Beteiligung von US-Militärpersonal einsetzen könne. Solche Angriffe würden die Beziehungen zwischen Russland und den USA beeinträchtigen und eine „qualitativ neue Eskalationsstufe“ bedeuten.

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„Wird der Einsatz von Tomahawks unseren Beziehungen schaden, wo es doch einen Lichtblick am Ende des Tunnels zu geben schien? Natürlich wird es das. Es ist unmöglich, Tomahawks ohne die direkte Beteiligung amerikanischer Soldaten einzusetzen. Das würde eine völlig neue, qualitativ neue Eskalationsstufe bedeuten, auch in den Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten“, sagte Putin wörtlich.

Tomahawk-Raketen: So funktionieren Steuerung und Kontrollmechanismen

Tomahawk-Marschflugkörper werden normalerweise von Schiffen oder U-Booten der US-Streitkräfte abgefeuert. Entsprechende Startsysteme besitzt die Ukraine nicht. Die Steuerung dieser Marschflugkörper erfolgt über GPS sowie Tercom- und DSMAC-Systeme, die US-Satellitenkarten nutzen. Ohne Zugang zu diesen Karten und Systemen ist ein zielgenauer Einsatz aus der Ukraine technisch unmöglich.

Zwar können die neuesten Tomahawk-Versionen (Block IV/V) Zielkoordinaten während des Fluges über einen Datenlink ändern, sie benötigen aber weiterhin US-Unterstützung, insbesondere für die Zielauswahl, die Programmierung und die Datenanbindung. Laut Fachpresse ist daher davon auszugehen, dass die USA die Kontrolle und Genehmigung jeder einzelnen Waffenanwendung behalten würden.

Moskau fürchtet um Sicherheit

Moskau sieht in der Unterstützung des Westens für die Ukraine, insbesondere in Waffenlieferungen, eine Bedrohung für die eigene Sicherheit. Der Kreml rechtfertigt seinen Angriffskrieg gegen das Nachbarland auch damit, eine in Moskau wahrgenommene Bedrohung durch die Nato abzuwenden.

Kiew hingegen betont sein Recht auf Selbstverteidigung angesichts der russischen Aggression. Die ukrainische Führung fordert vom Westen moderne Waffensysteme, um die russischen Streitkräfte zurückzudrängen und besetzte Gebiete zu befreien.

Bisher keine entsprechenden westlichen Systeme

Eine Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern durch die USA an die Ukraine wäre ein bedeutender Schritt. Bisher hat Washington der Ukraine keine Waffen mit so großer Reichweite zur Verfügung gestellt. Eine Entscheidung dafür dürfte in Moskau als weitere Eskalation wahrgenommen werden und könnte die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Russland, die sich auf einem Tiefpunkt befinden, zusätzlich belasten.

Die Tomahawk-Marschflugkörper (offizielle Bezeichnung: BGM-109 Tomahawk) sind weitreichende, präzisionsgelenkte Waffen. Sie verfügen über eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern und ermöglichen so den gezielten Angriff auf militärische Ziele tief im gegnerischen Gebiet.

Ukraine bekäme deutlich größere Reichweite

Aufgrund ihrer Vielseitigkeit und hohen Treffgenauigkeit gehören sie seit Jahrzehnten zum zentralen Arsenal westlicher Streitkräfte. Die Kosten für Tomahawk-Raketen variieren je nach Version, liegen jedoch typischerweise im Bereich von rund einer Million US-Dollar pro Stück.

Im Vergleich zu anderen Systemen, wie den von den USA an die Ukraine gelieferten ATACMS-Raketen, die eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern besitzen, stellen die Tomahawks eine deutlich größere strategische Reichweitenfähigkeit dar.

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